68 Jahre Regionalflug: Die Geschichte der Lufthansa CityLine
Die Lufthansa CityLine ist seit dem 18. April 2026 Geschichte. Wir zeigen die Highlights aus ihren 68 Jahren, in denen sie die Geschichte der deutschen Regionalluftfahrt entscheidend prägte.
Drei Tage, nachdem sich das Lufthansa-Management am 15. April 2026 für die hundertjährige Geschichte des Namens Lufthansa bejubeln ließ, landete der Kranich wieder in der Realität. Dies unter anderem in Form des abrupten, wenn auch vielleicht nicht unerwarteten Endes der Lufthansa CityLine.
Mit nicht einmal 48 Stunden Vorlauf groundete der Lufthansa-Konzern am 18. April seine hundertprozentige Regionalflugtochter und deren aus 27 Flugzeugen bestehende Flotte, „um weitere Verluste der defizitären Fluggesellschaft zu reduzieren“, wie es offiziell hieß.
Über die Hintergründe, die zu diesem für Personal wie Passagiere drastischen Schritt führten, berichteten wir bereits ausführlich an dieser Stelle und in unserer Printausgabe. Doch wer war jene, zuletzt so viel gescholtene Konzerntochter der Lufthansa? Blicken wir gemeinsam zurück auf 68 Jahre Regionalfluggeschichte.
Von OLT zu Lufthansa CityLine: 68 Jahre Regionalflug
Die Story der Lufthansa CityLine begann mit zwei ambitionierten Piloten, einer einmotorigen Kramme & Zeuthen KZ VII „Lerche“, ab April 1961 der ersten Mitarbeiterin – und zwei Schafen namens „Uta“ und „Johnny“. Dies waren die ganz bescheidenen Anfänge auf dem kleinen Grasplatz „Wildes Land“ im ostfriesischen Emden. Man schrieb das Jahr 1958 als die Ostfriesische Lufttaxi Dekker und Janssen OHG (OLT) auf Flügen zu den ostfriesischen Inseln an den Start ging. Nur drei Jahre nach Betriebsaufnahme der 1953 neu gegründeten Lufthansa.
OLT: Hier flogen die Chefs noch selbst
Am Steuer des in Dänemark gebauten Flugzeugs saßen die Chefs persönlich – Martin Dekker und Jan J. Janssen. Die erste Mitarbeiterin des ab 1961 Drei-Mann-Frau-Betriebs hieß Ingrid Landt. Sie war für alles – außer dem Steuern der ab jetzt drei Kleinflieger – zuständig.
So kümmerte sie sich um die Fluggäste und die Verwaltung der Mini-Airline sowie die beiden vierbeinigen „OLT-Mitarbeiter“ Uta und Johnny. Diese hatten eine sehr bedeutsame Aufgabe, denn sie fraßen das Gras der Piste und hielten es somit kurz, damit in Emden überhaupt Flugbetrieb stattfinden konnte.
Im Jahr 1966 wechselte Ingrid Landt als Flugbegleiterin zu Lufthansa und Condor – und zwei Jahre darauf expandierte die OLT mit Bremen und Düsseldorf erstmals überregional. Martin Dekker hatte sich bereits 1962 aus der Geschäftsleitung der OLT zurückgezogen um sich seinem Hauptberuf als Leiter eines Zeitungsgroßvertriebs zu widmen, während Jan J. Janssen 1970 bei einem Flugzeugabsturz (nicht mit einem Flugzeug der OLT) tödlich verunglückte.
Aus OLT wird DLT
Janssens Witwe verkaufte 1973 sämtliche Firmenanteile an die Aktiengesellschaft für Verkehrswesen (AGIV). Die neuen Eigner wandelten den kleinen Küstenflieger in eine respektable Regionalairline um, die sich ab 1974 DLT nannte. Der Firmensitz wurde nach Frankfurt verlegt und Lufthansa stieg im Jahr 1978 mit zunächst 26 Prozent der Anteile bei DLT ein.
Die achtziger Jahre waren von einer starken Expansionsphase geprägt. DLT flog mit Shorts 330, im auffälligen Rot lackierte Hawker-Siddeley HS 748, Fokker 50 und Embraer 120 „Brasilia“. Dies unter der eigenen DW-Flugnummer sowie im Auftrag von Lufthansa auf innerdeutschen und europäischen Regionalstrecken.
Aus DLT wird Lufthansa CityLine
Einer weiteren Kapitalaufstockung im Jahr 1989 auf 52 Prozent, ließ Lufthansa ein Jahr später ein Kooperationsabkommen folgen, das die Verteilung der Kompetenzen zwischen Lufthansa und DLT regelte. Die Regionalflieger waren fortan eigenverantwortlich auf Strecken unterwegs, deren Bedienung sich für die großen Lufthansa-Jets nicht lohnte.
Im Jahr 1992 firmierte die DLT zur Lufthansa CityLine um – und wurde ein Jahr später zur hundertprozentigen Tochter des Lufthansa-Konzerns.
Erstkundin der Canadair CRJ100
Luftfahrtgeschichte schrieb Lufthansa CityLine als Erstkundin des Canadair-Regionaljets CRJ100, aus dem Canadair und später Bombardier die CRJ900 als letztes Muster der CityLine weiterentwickelten. Aktuell hält die japanische Mitsubishi die Musterzulassung an der CRJ900. Mit der britischen, vierstrahligen Avro RJ85 kam 1994 ein weiteres Jet-Muster hinzu.
Mit Ausmusterung der letzten Fokker 50 im März 1997 wurde Lufthansa CityLine zur reinen Jet-Airline, die sie bis zu ihrer Stilllegung vor wenigen Tagen blieb. Übrigens war Lufthansa CityLine nicht die einzige Fluglinie, die Jets innerdeutsch auf Regionalstrecken einsetzte. Bereits ein Jahrzehnt zuvor flog die General Air mit sowjetischen YAK-40 auf westdeutschen Routen ab Lübeck und Kassel. An letzterem Flughafen unterhielt sie einen Mini-Hub für diese Verbindungen.
Jubiläumsjet „Little Europe“
Das Jahr 1998 stand ganz im Zeichen des vierzigjährigen Firmenjubiläums. Im Oktober des Jahres wurde der jüngste, frisch von der Endmontage gelieferte CityLine-Canadair mit einer „Little Europe“ genannten Sonderlackierung von Lufthansa Technik in Hamburg versehen. Fast zeitgleich zogen die ersten Mitarbeiter in die neue Firmenzentrale der Lufthansa-Regionaltochter am Flughafen Köln/Bonn.
Deren Eingangsbereich zierte ein großes Mitarbeiterkunstwerk, das die CityLiner auf der großen Jubiläumsfeier am 28. Oktober 1998 in Köln formten. Bereits vorab erhielt jeder der eingeladenen Gäste eine Schachtel mit einem hölzernen Bauklotz, Knetmasse und Metallscheibchen.
Große Party zum Vierzigsten
Der Autor dieses Beitrags konnte mit eigenen Augen beobachten, wie die Kreativität der CityLiner mit fortschreitendem Abend stieg – und die kleinen, auf dem Kunstwerk von ihnen platzierten, Menschen ähnelnde Figuren immer realitätsnähere Formen bekamen…
Dies waren die „guten alten Zeiten“, möchte man sagen. Die Lufthansa-Mitarbeiterzeitung „Lufthanseat“ titelte jedenfalls in ihrer Ausgabe vom 30. Oktober 1998: „Von der Inselfliegerei zur innovativsten Airline Europas.“
Die Neunziger: Boom des Regionalluftverkehrs
Der Regionalluftverkehr war in den neunziger Jahren überall in Europa „en vogue“. Ein prominentes Beispiel ist die damals in Basel ansässige Crossair, aus der 2001 die heutige Swiss als Lufthansa-Tochter hervorging. In den neunziger Jahren war auch Crossair mit ihren Turboprops und Regionaljets ein Erfolgsmodell, das sich durch einen hervorragenden Bordservice für sämtliche Passagiere hervortat.
Doch dann begann das Zeitalter der Low-Cost-Airlines in Europa – und das Produkt der etablierten Fluglinien musste sich dem zwangsläufig anpassen. Der Kostendruck auf die Airlines nahm massiv zu und der dezentrale Regionalluftverkehr im großen Stil wurde von einem Zubringerdienst zu den Drehkreuzen der großen Carrier abgelöst.
Low-Cost-Airlines übernehmen
Neben der Lufthansa CityLine ist ein prominentes Beispiel die Eurowings der Lufthansa. Die Wurzeln der Low-Cost-Tochter der Lufthansa liegen am Flughafen Dortmund, an dem sie nicht nur 1993 durch einen Zusammenschluss von RFG und NFD gegründet wurde, sondern auch beheimatet war. Von der „Startbahn Ruhrgebiet“ aus bediente sie zahlreiche Regionalrouten mit ihren ATR-Turboprops. Erst nach einem Strategiewechsel wurde Eurowings zu dem, was sie heute ist.
Bis zu ihrem Ende am 18. April 2026 war Lufthansa CityLine eine hundertprozentige Konzerngesellschaft der Deutschen Lufthansa AG und Spezialist für den Hubverkehr an den beiden Drehkreuzen Frankfurt und München.
Zuletzt Fokus auf Hubverkehr
Sie ergänzte laut ihrer eigenen Website das weltweite Lufthansa-Streckennetz um Passagier- und Frachtflüge zu Wirtschaftsmetropolen, Regionalzentren und Urlaubszielen in Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika.
Ihre Flotte bestand aus rund 30 Flugzeuge der Muster: Airbus A319, Bombardier CRJ900 sowie Airbus A321P2F – letztere wurden für die Lufthansa Cargo betrieben.









