Der Mond fasziniert die Menschheit und bestimmt unseren Alltag. Sei es in Form von Ebbe und Flut der Gezeiten, oder durch schlaflose Vollmondnächte. Unser Erdtrabant ist uns nah – und doch mit einer Distanz von 384.400 Kilometer so fern.

Seitdem Eugene Cernan und Harrison Schmitt im Rahmen der NASA-Mission Apollo 17 am 14. Dezember 1972 den Mond verließen, hat ihn kein Mensch mehr betreten. Dass sich dies bald wieder ändert, ist das erklärte Ziel der NASA und ihrer Partner, darunter Airbus. Ganz bewusst wurde für dieses Programm der Name Artemis gewählt. Schließlich war sie in der griechischen Mythologie die Zwillingsschwester von Apollo und gleichzeitig Göttin des Mondes.

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Die Artemis-II-Mission auf dem Weg von der Erde zum Mond. Bild: Airbus

Die vor wenigen Wochen erfolgreich abgeschlossene Artemis-II-Mission ist nur der Auftakt zu einem umfassenden Raumfahrtprogramm, das neben dem Mond auch den „roten Planeten“ einschließt. So soll in nur zwei Jahren ein nuklear angetriebenes Raumschiff namens Space Reactor SR-1 Freedom in Richtung Mars aufbrechen. Noch unbemannt, aber mit dem erklärten Ziel, eines Tages dort eine permanent bewohnte Station zu errichten.

Zunächst steht jedoch der näher liegende Mond im Fokus. Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus ist mit einem entscheidenden, in Bremen entwickelten und hergestellten Bauteil, an dem Artemis-Projekt beteiligt: das European Service Module (ESM). Es liefert die lebensnotwendige Energie, Wasser, Luft und den Antrieb für die Orion-Kapsel der vier Astronauten. Nach dem im Jahr 2022 erstmals im Rahmen einer unbemannten Artemis-Mission getesteten ESM-1 – und dem ESM-2 der Artemis-II-Mission – sind bereits ESM-3 bis ESM-6 gefertigt, oder befinden sich in Bremen im Bau. Unterhalb von Orion und ESM sorgt die gigantische, knapp 100 Meter hohe Space-Launch-System-Startrakete für den erforderlichen Schub von 4000 Tonnen.

Airbus an Artemis-II-Programm beteiligt

Per Linienflug zum Mond zu reisen ist weder heute möglich, noch war es das in den fünfziger Jahren, als die damalige Fluglinie Trans World Airlines (TWA) den Moonliner präsentierte. Er stand als weithin sichtbares Exponat im Disneyland Anaheim bei Los Angeles und wurde gemeinsam mit dem deutschen, nun in US-Diensten stehenden Raketenpionier Wernher von Braun und Walt Disney konzipiert. Während TWA, in einem dem Raumschiff nachempfundenen Theater die Disneyland-Besucher den Flug erleben ließ, ging die heutzutage ebenfalls nicht mehr existierende Fluglinie Pan Am noch einen Schritt weiter.

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Die einstige US-Fluglinie TWA konzipierte in den fünfziger Jahren ein Raumschiff zum Mond, das die Fantasie der Besucher des Disneylands bei Los Angeles beflügelte. Bild: TWA

War bereits ein Passagierverkehr zum Mond geplant?

Jene Airline, die den Boeing 747 „Jumbo Jet“ initiierte, suchte stets nach neuen Ideen für den Luftverkehr. So glaubte Firmengründer Juan T. Trippe in den sechziger Jahren daran, dass ab dem Jahr 2000 kommerzielle Flüge zum Mond möglich sein werden. Anlass für seinen Optimismus war der erfolgreiche Premierenflug von Apollo 8 im Jahr 1968, deren Crew den Mond zehnmal umrundete.

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Der Ausweis des First Moon Flights Club der Pan Am zeigt eine visionäre Darstellung der geplanten Pan-Am-Passagierrakete. Bild: Pan Am

In Erwartung dessen rief Pan Am den zwischen 1968 und 1971 existierenden „First Moon Flights Club“ ins Leben. Dieser vergab Warteplätze für die ersten Mondreisen der Airline und stellte 100.000 kostenfreie Mitgliedskarten aus. Zum erwarteten Ticketpreis hieß es nur, dass er „noch nicht vollständig geklärt und möglicherweise nicht von dieser Welt“ sei. Doch selbst wenn Pan Am nicht im Jahr 1991 pleite gegangen wäre, hätte sie bis heute keinen einzigen der versprochenen Flüge zum Mond anbieten können.

Wann werden Passagiere zum Mond fliegen?

Dieser Traum könnte auf Basis der mit Artemis gewonnen Erkenntnisse und mit künftigen Raumschiffgenerationen zur Realität werden. Eine permanente Mondbasis soll laut NASA ab dem Jahr 2028 aufgebaut werden. Vielleicht ist sie der Beginn eines lunearen Spaceports. Eine Gewissheit oder gar ein konkretes Datum für einen ersten Passagierflug zum Mond gibt es jedoch noch nicht – und wird noch sehr lange auf sich warten lassen.