Unsicherheiten weltweit, doch auch spürbares Wirtschaftswachstum in manchen Regionen: AERO INTERNATIONAL Autor Thomas Strässle hat sich bei Alain Chisari, Head of Swiss WorldCargo, über die Lage der Frachtbranche erkundigt.

AERO INTERNATIONAL: Wie ist das Jahr 2025 aus Sicht der Frachtsparte von Swiss WorldCargo verlaufen?

Alain Chisari: Zu Jahresbeginn 2025 war die wirtschaftliche Situation durch die Einführungen der US-Zölle und geopolitische Veränderungen geprägt. Mit Lufthansa Cargo sowie United Cargo konnten wir Joint Ventures abschließen und mit Fiege Air Cargo Logistics eine neue Partnerschaft eingehen.

Wir haben auf neue und leichtere Container umgestellt und ein neues Online-Verfahren zur Einreichung von Schadensmeldungen eingeführt. Außerdem konnten wir uns über den DHL Go Green Award für unsere kontinuierlichen Nachhaltigkeitsbestrebungen freuen.

Gibt es eigentlich im Frachtgeschäft – wie im Passagierverkehr – auch gewisse Hochsaisons?

Ja, die gibt es, ähnlich wie im Passagierverkehr, wenn auch mit etwas anderen Treibern. Traditionell zählen der Jahresendzeitraum im November und Dezember sowie das Frühjahr rund um das chinesische Neujahr zu den wichtigsten Hochphasen.

Im vierten Quartal steigt die Nachfrage insbesondere durch Produktionsabschlüsse, saisonale Konsumgüter sowie zeitkritische Lieferungen vor dem Jahreswechsel. Rund um das chinesische Neujahr wiederum führen Produktionsunterbrechungen in Asien dazu, dass Waren entweder vorgezogen exportiert oder unmittelbar nach den Feiertagen verstärkt geliefert werden.

Chisari über die Peaks von Swiss WorldCargo

Alain Chisari, Chef der Swiss-Frachtsparte
Alain Chisari, Chef der Swiss-Frachtsparte Bild: Swiss

Darüber hinaus sehen wir im Frachtgeschäft zunehmend segment- und güterspezifische Peaks. So unterliegen etwa Pharma- und Healthcare-Sendungen weniger klassischen Saisonalitäten, sondern folgen medizinischen Zyklen und globalen Versorgungsbedürfnissen.

Welchen Einfluss hatten geopolitische Spannungen und Triebwerksprobleme beim GTF auf das Frachtgeschäft von Swiss?

Geopolitische Spannungen hatten auch im Frachtgeschäft einen Einfluss. Umleitungen von Flugrouten, insbesondere auf interkontinentalen Strecken, führten zu längeren Flugzeiten, veränderten Kapazitätsstrukturen und teilweise höherem Planungsaufwand.

Die Triebwerksprobleme wirkten sich vor allem auf die verfügbare Frachtraumkapazität aus, da einzelne Flugzeuge temporär nicht oder nur eingeschränkt eingesetzt werden konnten. Diese Situation erforderte eine sehr vorausschauende Kapazitätssteuerung und enge Abstimmung entlang der gesamten Lieferkette.

Laut Airbus soll die Wirtschaft in den kommenden 20 Jahren in vielen Ländern Südostasiens und in Indien besonders stark wachsen. Spürt Swiss WorldCargo schon etwas davon?

Ja, diese Entwicklung ist für uns bereits heute spürbar. Südostasien und Indien gewinnen im globalen Frachtgeschäft kontinuierlich an Bedeutung – nicht nur volumenmäßig, sondern vor allem in Bezug auf Wertigkeit und Komplexität der transportierten Güter.

Wir sehen eine zunehmende Nachfrage aus diesen Märkten nach Pharma- und Healthcare-Sendungen, hochwertigen Industrie- und Technologiegütern sowie zeitkritischen Spezialtransporten.