Mit einer doppelten Premiere eröffneten Air France und British Airways vor 50 Jahren den kommerziellen Passagierluftverkehr mit einem Überschall-Verkehrsflugzeug. Sein Name: Concorde.

Die kommerzielle Premiere des Überschall-Luftverkehrs hatten sich Air France und British Airways anders vorgestellt. Doch nicht New York, wie ursprünglich geplant, war das Ziel ihrer eleganten Concordes. Vielmehr startete Air France an jenem 21. Januar 1976 von Paris nach Rio de Janeiro, mit Zwischenlandung in Dakar. Es folgte Caracas in Venezuela, mit Tankstopps in beiden Richtungen auf der Azoreninsel Santa Maria. British Airways schickte ihren Supersonic-Jet hingegen von London nach Bahrain.

Air France, Flugplan, Concorde, 1977
Cover des Deutschland-Flugplans der Air France mit Concorde-Anschlussflügen. Bild: Luftfahrtarchiv Wolfgang Borgmann
Air France, Flugplan, Concorde, Paris, Rio de Janeiro
Die Concorde-Verbindungen der Air France von Paris nach Rio de Janeiro im Jahr 1977. Bild: Luftfahrtarchiv Wolfgang Borgmann

Nachdem die US-amerikanischen Concorde-Erstkunden American Airlines, Braniff, Continental, Eastern, Pan American, TWA und United ihre bestellten britisch-französischen Überschalljets wieder storniert hatten, und auch der Boeing 2707-Supersonic-Jet nicht gebaut wurde, blieben Air France und British Airways als einzige Airlines übrig, die an die Zukunft des Überschall-Luftverkehrs glaubten.

Concorde, British Airways, Broschüre
Das Concorde-Logo der British Airways zwischen 1984 und 1997. Bild: British Airways

Nachdem die Concorde ihre Zulassung erhalten und damit ihre Eignung für einen Linienverkehr unter Beweis gestellt hatte – und bereits auf Einladung des Flughafens von Dallas-Fort Worth im September 1973 in den USA zu Gast war – sollte 1976 der reguläre Sprung zum „Big Apple“ über den Nordatlantik folgen.

US-Landeverbot

Im Februar 1975 stellten sowohl Air France als auch British Airways einen Antrag bei der US-Luftfahrtbehörde FAA auf Erweiterung ihrer bestehenden Lizenzen um die Concorde. Als Ziele wurden New York John F. Kennedy Airport sowie der Dulles International Airport der US-Hauptstadt Washington D.C. genannt.

Bis dahin wurde derartige Anträge kurzfristig positiv beschieden, doch stand einer unbürokratischen Genehmigung der Überschallflüge der U.S. National Environmental Policy Act des Jahres 1969 im Wege. Er schrieb vor, dass Ereignisse, die die Umwelt der USA massiv beeinträchtigen könnten, vor einer Genehmigung intensiv zu untersuchen sind.

Protestwelle gegen die Concorde

Ein maßgeblicher Faktor war dabei die öffentliche Anhörung und die eingehenden Kommentare der Flughafenanrainer und sie unterstützender Organisationen. Unzählige Kritiker des Überschall-Luftverkehrs versammelten sich zu einer emotional geladenen Anhörung in Washington D.C., die in einem salomonischen Urteil mündete. Am 4. Februar 1976 wurde entschieden, dass ein probeweiser Concorde-Betrieb, mit diversen Einschränkungen, für einen Zeitraum von 16 Monaten in die USA aufgenommen werden kann.

Doch nur kurz darauf folgte der Rückschlag. Umweltgruppen hatten durchgesetzt, dass New York vorerst nicht von den Concordes beider Airlines angeflogen werden durfte. Dabei war die Bedienung der Ostküstenmetropole für die Wirtschaftlichkeit des Transatlantik-Überschallverkehrs unerlässlich.

Dreiseitenansicht Concorde, British Airways
Mit dieser Lackierung ging die Concorde bei British Airways im Jahr 1976 in Dienst. Bild: British Airways

Notgedrungen fokussierten sich Air France und British Airways daher zunächst auf die US-Hauptstadt. Am 24. Mai 1976, ein paar Monate vor dem regulären Liniendienst, hoben je eine Concorde von Air France und British Airways in Paris und London zum Jungfernflug nach Washington D.C. ab.

Concorde nimmt US-Verkehr auf

Das Überschallzeitalter des zivilen Luftverkehrs über den Nordatlantik hatte begonnen. Tausende Amerikaner hatten sich in Vorfreude auf dieses historische Ereignis rund um den Dulles Airport mit bester Sicht auf die Landebahn positioniert.

Die ersten Concorde-Linienflüge von Paris-Roissy und London-Heathrow nach New York konnten erst am 22. November 1977 abheben, nachdem die Genehmigung von US-amerikanischer Seite dafür erteilt wurde.

Zuvor hatte das Management des Kennedy-Airports auf Druck von Anwohnern und Umweltaktivisten den Concorde-Einsatz aus Lärmschutzgründen prinzipiell untersagt. Erst achtzehn Monate später, nach einer Bewertung der von Air France sowie British Airways umgesetzten Lärmschutzmaßnahmen, hob der Oberste Gerichtshof der USA diese Entscheidung wieder auf.

Concorde, Braniff
Die Concorde flog zeitweilig im US-Inlandsverkehr, unterhalb der Schallgrenze, für die US-Airline Braniff. Bild: Archiv

Die USA erlebten eine kleine Supersonic-Renaissance, als die US-Fluglinie Braniff von Januar 1979 bis Juni 1980 inneramerikanische Concorde-Flüge zwischen Washington D. C. und ihrem Hub am Flughafen Dallas-Fort Worth im US-Bundesstaat Texas anbot. Zum Einsatz kamen sowohl Maschinen der Air France als auch jene der British Airways.

Für jeden einzelnen Flug über US-Territorium erwarb Braniff pro forma das eingesetzte Flugzeug, das für diese Zeit eine US-amerikanische N-Registrierung erhielt. Auch die Cockpit- und Kabinen-Besatzungen wurden für die exklusiv durch den US-amerikanischen Luftraum führende Route von Braniff gestellt. Über Land wurde allerdings nicht überschallschnell geflogen. 

Braniff fliegt Concordes inneramerikanisch

Zur Enttäuschung der innovativen Airline blieb die Nachfrage hinter den Erwartungen weit zurück. Und dies, obwohl die Fluglinie keinen Aufschlag auf den regulären First-Class-Tarif für einen Flug mit der Concorde verlangte. So blieb Braniff nichts anderes übrig, als dieses Experiment aus wirtschaftlichen Gründen nach anderthalb Jahren wieder einzustellen. 

Die reguläre Flugzeit der Concorde zwischen New York und Paris betrug drei  Stunden und 39 Minuten. Charles Lindbergh benötigte dafür mit seiner Ryan NYP „Spirit of St. Louis“ am 20. Mai 1927 – ein halbes Jahrhundert zuvor – ganze 33 Stunden und 30 Minuten.

Unter dem Titel „Concorde Air France: They Made the Legend Fly“ veröffentlichte Air France auf ihrem Youtube-Kanal eine Dokumentation über die Geschichte der Concorde.

Präsentiert von Benjamin Smith, Chief Executive Officer von Air France-KLM und Vorsitzender des Verwaltungsrats von Air France, bietet diese außergewöhnliche Dokumentation fast 40 Minuten lang einen Einblick in das Herzstück des legendären Flugzeugs, mehr als zwanzig Jahre nachdem es aus dem Dienst genommen wurde. Der Film wurde im Luft- und Raumfahrtmuseum in Le Bourget gedreht, wo die Concorde ausgestellt ist, und bietet seltene Einblicke aus nächster Nähe, vom ikonischen Cockpit, das speziell für diesen Anlass geöffnet wurde, bis zur zeitlosen Eleganz der von Andrée Putman entworfenen Kabine. Die Zuschauer haben die einmalige Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen dieser Luftfahrtlegende zu werfen.

Reinschauen lohnt sich!