Schutzkleidung spielt eine zentrale Rolle für die Arbeitssicherheit am Flughafen. Materialien, Normen und Design helfen dabei, Risiken zu reduzieren.

Kaum ein Passagier nimmt sie bewusst wahr: Die Menschen, die draußen auf dem Vorfeld bei Wind, Regen, Hitze oder Dunkelheit dafür sorgen, dass ein Flug überhaupt stattfinden kann. Sie verladen Gepäck, liefern das Catering, entleeren Toiletten, rangieren Flugzeuge und betanken das Flugzeug. Gerade dieser Schritt zählt zu den besonders anspruchsvollen und sicherheitskritischen Tätigkeiten im Bodenbetrieb. Nicht ohne Grund ist die Betankung eines Flugzeugs mit Passagieren an Bord in der Regel untersagt.

Dass Flugzeugbetankung trotzdem täglich tausendfach zuverlässig funktioniert, ist keine Selbstverständlichkeit. Neben klaren Abläufen, intensiven Schulungen und technischer Absicherung spielt ein Faktor eine zunehmend wichtige Rolle: die persönliche Schutzausrüstung (PSA) der Mitarbeitenden. Moderne Arbeitskleidung ist längst mehr als Warnweste und Sicherheitsschuh – sie wird zu einem aktiven Bestandteil der Sicherheitsarchitektur am Flughafen.

Wenn Sekunden über Sicherheit entscheiden

„Bei der Flugzeugbetankung sind Brand und Explosionsgefahr, statische Aufladung, Leckagen, Human Factors und Fahrzeugkollisionen besonders kritisch“, sagt Thomas Hampel, General Manager und Head of HSSE Northern Europe bei Skytanking. Das international tätige Unternehmen tankt jährlich weltweit mehr als 25 Millionen Kubikmeter Flugkraftstoff um und betankt damit zwei Millionen Flugzeuge. Das entspricht vier Betankungen pro Minute – unter anderem am Flughafen Köln/Bonn.

Was in der Theorie überschaubar klingt, ist in der Praxis ein komplexes Zusammenspiel aus Technik, Mensch und Umfeld. Auf dem Vorfeld bewegen sich Tankfahrzeuge, Schlepper, Cateringtrucks und Bodenpersonal gleichzeitig. Die Betankung erfolgt häufig unter Zeitdruck. Jeder Handgriff muss sitzen. In modernen Sicherheitskonzepten wird Ergonomie längst nicht mehr als „Wohlfühlfaktor“ verstanden. „Ergonomie hat in der Flugzeugbetankung einen sehr hohen sicherheitsrelevanten Stellenwert – sie ist kein Komfortthema, sondern ein direkter Unfall und Risikofaktor“, erklärt Hampel.

Kleidung für mehr Arbeitssicherheit am Flughafen
Die neue Kleidung von Skytanking kombiniert Warnschutz, Schutz vor mechanischen und akustischen Einflüssen sowie ergonomische Anforderungen für den Arbeitsalltag auf dem Vorfeld. Bild: Fristads/Mert Rüttermann

Wie Normen die Arbeitssicherheit am Flughafen prägen

Bewegungsfreiheit entscheidet darüber, wie schnell Mitarbeitende reagieren können – etwa bei einer Leckage oder einem unvorhergesehenen Ereignis. Eingeschränkte Beweglichkeit, steife Materialien oder schlechte Passformen erhöhen die Fehleranfälligkeit. Auch Sichtbarkeit ist mehr als Vorschrift: „Sie ist eine der wichtigsten Barrieren gegen schwere Unfälle“, sagt Hampel. Warnschutzkleidung auf dem Vorfeld sei kein passiver Schutz, sondern ein aktiver Faktor zur Unfallvermeidung.

Die Anforderungen an die persönliche Schutzkleidung im Betankungsbereich sind hoch und genau geregelt. Die Bezeichnung EN ISO kennzeichnet dabei international entwickelte Sicherheitsnormen, die als europäische Standards anerkannt sind. Neben der verpflichtenden Warnschutzkleidung nach EN ISO 20471 kommen bei Skytanking weitere Normen hinzu, etwa für Antistatik (EN 1149), Sicherheitsschuhe, Handschuhe, Gehörschutz, Augenschutz sowie spezielle Anforderungen für Winterbetrieb (EN 342) oder Nässeschutz (EN 343).

Warum Multinorm PSA entscheidend ist

„Multinormkleidung ist in der Flugzeugbetankung Standard“, sagt Hampel. Besonders flammhemmende Eigenschaften und antistatische Ausrüstung sind essenziell. Die Herausforderung liegt darin, diese Schutzfunktionen zu vereinen, ohne Beweglichkeit und Tragekomfort einzuschränken. Ein zentraler Punkt bei der Auswahl neuer Arbeitskleidung war deshalb die Einbindung der Mitarbeitenden. Skytanking führte mehrmonatige Tragetests durch, bei denen Beschäftigte Tragekomfort, Passform, Stabilität und Alltagstauglichkeit bewerteten.

„Außerdem führt Akzeptanz der Schutzkleidung bei den Mitarbeitenden zu mehr Sicherheit“, sagt Hampel. Unbequeme oder schlecht sitzende PSA wird im Alltag häufiger nicht oder nur teilweise getragen – mit entsprechenden Risiken. Eine PSA, die freiwillig und konsequent getragen wird, stärkt dagegen die Sicherheitskultur.

Die Sicht der Hersteller

Auch auf Seiten der Hersteller rückt der Mensch stärker in den Fokus.

Wir sind überzeugt, dass Komfort eine entscheidende Rolle für den Schutz spiel.
– Lena Bay Højland, Product Director beim schwedischen Arbeitskleidungshersteller Fristads

„Bequeme, flammhemmende Arbeitskleidung arbeitet mit Ihnen – nicht gegen Sie – und ermöglicht es, sich auf die Arbeit in risikoreichen Umgebungen zu konzentrieren.“ Komfort sei zwar keine zertifizierbare Norm, aber ein zentrales Qualitätsmerkmal. Es zeige sich nicht nur in flexiblen Materialien, sondern vor allem in Passform, Größenauswahl und funktionaler Gestaltung. Rückmeldungen aus der Praxis fließen direkt in die Produktentwicklung ein.

Arbeit mit Kerosin am Flughzeug
Bei Arbeiten mit Kerosin ist der direkte Kontakt mit Gefahrstoffen möglich – persönliche Schutzausrüstung schützt vor chemischen und mechanischen Risiken. Bild: Fristads/Mert Rüttermann

Arbeitssicherheit am Flughafen im Winter

Besonders im Winter zeigt sich, wie wichtig durchdachte Arbeitsschutzkleidung ist. Kälte beeinflusst nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch Reaktionsfähigkeit und Motorik. Steife Materialien, unzureichende Isolierung oder falsches Layering können Bewegungsabläufe verlangsamen – ein ernstes Risiko in Notfällen. Gleichzeitig muss die Kleidung robust genug sein, um Verschmutzungen, Kraftstoffkontakt und häufige Reinigung zu überstehen.

Zwar ähneln viele Anforderungen denen aus Raffinerien oder der Mineralölwirtschaft, doch das Umfeld Flughafen bringt zusätzliche Komplexität. Enge Platzverhältnisse, internationale Sicherheitsvorgaben und hohe Verkehrsdichte unterscheiden die Flugzeugbetankung deutlich von klassischen Industriebereichen.

Bewegungsfreiheit als Sicherheitsfaktor

Bewegungsfreiheit in der Flugzeugbetankung ist eine elementare Sicherheitsbarriere.
– Hampel.

Sie entscheidet darüber, ob Mitarbeitende schnell ausweichen, reagieren oder sich neu positionieren können. Die Entwicklung geht klar in Richtung Prävention. Persönliche Schutzausrüstung soll nicht mehr nur Folgen abmildern, sondern Unfälle verhindern.

Arbeitssicherheit am Flughafen beginnt vor dem Abflug

Die Arbeit der Flugzeugbetanker bleibt für Passagiere meist unsichtbar. Doch sie ist ein zentraler Baustein sicherer Luftfahrt. Moderne Schutzkleidung zeigt exemplarisch, wie sich Sicherheitskultur verändert: weg vom reinen Erfüllen von Vorschriften, hin zu ganzheitlichen Systemen, die Mensch, Technik und Organisation gleichermaßen berücksichtigen. Denn Sicherheit beginnt nicht erst im Cockpit – sondern am Boden, lange bevor ein Flugzeug abhebt.