Deutschlands größter Airport – ein Blick hinter die Kulissen
Was macht eigentlich die integrierte Leitstelle? Was passiert zwischen Start und Landung eines Flugzeugs? Welche Aufgaben übernimmt Fraport als Betreiber? Darum ging es bei FRA-Inside – einem Infotag für Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten.
173.000 Passagiere zählt der Frankfurter Flughafen (FRA) pro Tag. Doch außer der üblichen Reisekette vom Check-In über die Sicherheitskontrollen bis hin zum Warten am Gate und Boarding, bekommen viele Fluggäste vom größten deutschen Airport nicht viel mit. Dabei sind es gerade die Prozesse im Hintergrund – etwa die Steuerung von Passagierströmen, Arbeiten an der Gepäckförderanlage oder die Be- und Entladung der Flieger – die für einen funktionierenden Flugbetrieb sorgen.
Um genau darüber mehr zu erfahren, organisierte die Pressestelle der Fraport AG mit „FRA-Inside“ erstmals einen grundlegenden Airport-Infotag für Medienvertreterinnen und -vertreter. AERO INTERNATIONAL war vor Ort dabei und fasst die spannendsten Fakten rund um den Hub zusammen.
„Tor in die Welt“: Frankfurt Airport ≠ Fraport
Während die Teilnehmenden bei einer Flughafenrundfahrt die Alltagspraxis am Drehkreuz hautnah erleben konnten, wurde in verschiedenen Vorträgen zunächst ein allgemeiner Überblick gegeben. Einen zentralen Punkt stellte der stellvertretende Pressesprecher der Fraport AG, Christian Engel, gleich zu Beginn klar: Der Frankfurter Flughafen ist nicht dasselbe wie Fraport. Letzterer ist lediglich der Name der Betreibergesellschaft. Diese hält an weltweit 29 Standorten unterschiedlich hohe Anteile und betreibt auch Airports in Ljubljana (LJU), Lima (LIM) oder auf einigen griechischen Inseln.
Der Fraport-Konzern mit Vorstandsvorsitzendem Stefan Schulte beschäftigte im vergangenen Jahr global betrachtet 19.252 Mitarbeitende. Der Konzernumsatz lag bei rund 468 Millionen Euro. Der Firmensitz liegt in Frankfurt am Main, das Pressesprecher Engel als „Tor in die Welt“ bezeichnet. Von dort aus konnten Reisende im Sommer diesen Jahres mit 83 Airlines zu 275 Destinationen in 91 verschiedene Länder fliegen. Am häufigsten starten die Flieger dabei in Richtung Europa und Nordamerika, wo sich die meisten Ziele befinden.
Der größte Flughafen in der Bundesrepublik – warum ausgerechnet Frankfurt?
46 Prozent der deutschen Bevölkerung, also 38 Millionen Menschen, leben innerhalb eines Radius von 200 Kilometern um den Frankfurter Flughafen. Demnach könne man vor Ort auf das größte Einzugsgebiet aller Hubs in Europa – auch im Vergleich mit Paris oder London – zurückgreifen, so Markus Stöhr, Leiter der Betriebsdienste bei der Fraport AG.
Doch nicht nur bei Urlaubern aus der Rhein-Main-Region ist der Airport beliebt, sondern auch als Umsteige- und Cargo-Flughafen ist dieser von Bedeutung. Über die Hälfte aller Passagiere steigen dort um und rund 50 Prozent des gesamten deutschen Cargo-Volumens werden vor Ort umgesetzt.
Außerdem gilt FRA als Multi-Hub-Standort, da mit der Lufthansa und Condor gleich zwei Airlines ihren Hub in Frankfurt betreiben. In seinem Vortrag ging Stöhr weiterhin auf die Struktur des Flughafens mit seinen vier Start- und Landebahnen ein. Im Besucherzentrum griff er – mit Blick auf das Vorfeld – zudem die Arbeitsbereiche der Betriebsdienste am Airport auf. Zu deren Aufgaben gehören etwa die Vergabe von Positionen und Gates, die übergeordnete Steuerung oder das Lotsen von Flug- und Fahrzeugen in Kooperation mit der Deutschen Flugsicherung (DFS).
In diesem Zusammenhang kam Markus Stöhr auch auf das Nachtflugverbot zu sprechen. Im Gegensatz zu den Standorten in Leipzig oder Köln/Bonn sind Flüge zwischen 23 und 5 Uhr in Frankfurt am Main aus Lärmschutzgründen nicht erlaubt.
Das Besucherzentrum befindet sich in Terminal 1 am Frankfurter Flughafen. Interaktiv können Kinder und Erwachsene dort etwas über den Airport lernen und den Ausblick auf parkende Flugzeuge genießen. Der Eintrittspreis beträgt 12 Euro und ermäßigt 10 Euro.
Boxenstopp: Was die Prozesse am Flughafen mit dem Motorsport gemeinsam haben
Zuletzt ging es für einige Mitarbeitende der Ground Services der Fraport AG an den Nürburgring, um von den dort angewendeten Prozessen zu lernen. Wie im Motorsport – wo das Fahrzeug innerhalb von wenigen Sekunden zurück auf die Strecke muss – geht es auch am Airport darum, eine möglichst zügige und reibungslose Abfertigung zu gewährleisten. Und auch „die Kommunikation muss stimmen“, so Peter Rutsatz, Leiter des Ladeservice der Fraport AG.
Die Aufgaben der Bodenverkehrsdienste haben es also in sich. So werden an Spitzentagen bis zu 150.000 Gepäckstücke auf den Weg zur richtigen Maschine oder zum richtigen Ausgabeband gebracht, wie Rutsatz verdeutlichte. Zwischen Ankunft und Abflug eines Flugzeuges bleibt oft nur wenig Zeit, um Koffer oder Fracht zu entladen – wie in der Boxengasse bei Autorennen. Hinzukommt, dass 59 Prozent als Umsteigergepäck gilt, „das schnell und zuverlässig auf die richtigen Anschlüsse verladen werden muss“.
Ein wichtiger und zuverlässiger Partner für alle Mitarbeitenden im Ladeservice ist dabei die Gepäckförderanlage am Airport, die 15.000 Gepäckstücke pro Stunde automatisch sortieren kann. Und dennoch dauern die Prozesse teilweise länger, beispielsweise wenn ein ankommendes Flugzeug vom Zoll kontrolliert wird.
Lademeister Rutsatz bittet dafür um Verständnis, denn hinter der komplexen Aufgabe stünden größtenteils Menschen, die bei jedem Wetter, häufig in der Nacht, aufstehen müssen, sodass ein Flieger pünktlich um 5 Uhr abheben kann. In Zukunft will man in diesem Bereich weiter auf Künstliche Intelligenz (KI) als Entlastung setzen.
„So geringe Wartezeiten wie möglich“ – die integrierte Leitstelle der Faport AG
Die Bewegungen jedes einzelnen Fluggasts werden auf den vielen Bildschirmen der integrierten Leitstelle (IL) in Terminal 1 überwacht. Von dort aus wird der tägliche Betrieb im Terminal gesteuert, so Daniela Weiss, Vice President Terminalbetrieb bei der Fraport AG. Alle die schon einmal geflogen sind, dürften es bereits erlebt haben, das Mitarbeitende Menschenschlangen auflösen oder neue Wartebereiche je nach Bedarf eröffnen. Genau das gehört zu den Aufgaben der IL, die Passagierströme zu steuern und wichtige Informationen an Fluggäste weiterzugeben. Alles mit dem Ziel: „So geringe Wartezeiten wie möglich“ schaffen, so Daniela Weiss.
Und auch die Bereitstellung von Feldbetten oder Medikamenten bei Flugausfällen – etwa durch einen Vulkanausbruch im Ausland – beschäftigte das Team der IL bereits. In bestimmten Bereichen arbeitet die Leitstelle außerdem mit der Bundespolizei am Airport zusammen.
Neue Technologien, die in die Arbeit der IL Einzug erhalten haben sind unter anderem ein selbstständig durchgeführter Online-Check-In sowie der Fast Bag Drop. Und auch die Biometrie im Reiseprozess – die mittels Gesichtserkennung und eID berührungslose und zügige Kontrollen erlaubt – sowie CT-Scanner gehören dazu. Hier befinde man sich laut Weiss jedoch noch im Findungsprozess. So führte in den vergangenen Wochen beispielsweise eine IT-Störung bei der Bundespolizei zu zweistündigen Wartezeiten.
Live auf dem Rollfeld: Mit einer Besucherrundfahrt in das Airport-Geschehen eintauchen
Vom Terminal aufs Vorfeld erfolgte der Perspektivwechsel für die Medienvertreterinnen und -vertreter bei einer Flughafenrundfahrt per Bus. Tourguide Norbert Karl Scherlitz informierte dabei über alles Wissenswerte rund um den Airport – von Flugzeugtypen, über Terminalgebäude bis hin zu Enteisungsfahrzeugen oder Spotterpunkten.
Seit 16 Jahren ist er bereits bei Fraport aktiv und als gebürtiger Frankfurter sei er einfach „mit dem Flughafen groß geworden“, so Scherlitz. Die Abwechslung gefällt ihm an seiner Arbeit am besten. „Es ist nicht nur Beruf, sondern auch Hobby und mein Herz hängt daran“, beschreibt er seine Funktion als Tourguide.
Das Highlight der Rundfahrt stellten die verschiedenen Maschinen da, die von Nahem aus betrachtet werden konnten. Darunter der bald ausgemusterte Airbus A340-600 der Lufthansa, eine sonderbemalte Boeing 787 von China Southern oder der Airbus A380 von Emirates. Aber auch die Fahrt entlang der Flugsteige von Terminal 3 oder ein Blick in die vielen großen Hangars sorgte für Begeisterung im Bus.
Eine Starter-Tour am Flughafen kostet regulär 11 Euro und der Preis für ein ermäßigtes Ticket liegt bei 9 Euro. Schließlich ging es mit vielen neuen und spannenden Fakten im Gepäck für die rund 25 Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten wieder nach Hause.
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