Wohin geht die Urlaubsreise? Wir stellen Ziele vor, die abseits ausgetrampelter Tourismuspfade liegen und dennoch per Flugzeug erreichbar sind.

Mallorca, Hurghada, Rhodos? Insbesondere in der Hauptferienzeit stehen die Chancen günstig, in den beliebten Ferienorten bekannte Gesichter zu treffen. Doch wer möchte sich schon mit Frau Meier aus dem Haus gegenüber am Frühstücksbüffet um die letzte Scheibe Geflügelsalami streiten? Oder den verwöhnten Zwölfjährigen der Müllers an der Poolrutsche ertragen? Die Ferienzeit sollte der Erholung dienen. Und schließlich möchte man nach den wertvollsten Wochen des Jahres auch etwas im Büro zu erzählen haben.

Einmal mehr haben wir nun eine weitere außergewöhnliche Destination herausgesucht, die von Deutschland, Österreich und der Schweiz aus zwar nicht nonstop erreichbar ist, wo Sie aber garantiert nicht auf bekannte Gesichter stoßen werden. Testen Sie es gerne einmal aus!

Eine Insel ganz im Osten Griechenlands

Exzellente Schwimmer wären ab der nur 1,5 Seemeilen entfernten türkischen Küste vielleicht schneller auf Kastelorizo als eine auf Rhodos startende Dash 8, doch wir beschäftigen uns hier schließlich mit dem Luftverkehr, nicht unbedingt mit einer rekordverdächtigen körperlichen Ertüchtigung. Da können die regelmäßig zwischen den beiden Inseln zum Einsatz kommenden Turboprops so viele olympische Ringe auf dem Leitwerk tragen wie sie wollen.

Dash 8-100 der Olympic Air im Flug.
Olympic Air bedient Kastelorizo mit Dash 8-100. Bild: Dietmar Plath

Die 40-Sitzer stehen in Diensten der griechischen Olympic Air. Und, ganz nebenbei bemerkt: Die nicht wirklich rekordverdächtige Blockzeit der Maschinen für die Verbindung von Rhodos nach Kastelorizo, eine Entfernung von nur 72 Seemeilen, wird mit bis zu 40 Minuten angegeben. Was aber vielleicht auch daran liegen könnte, dass die Crews den Flughafen der östlichsten Insel Griechenlands, die offiziell Megisti heißt, erst einmal finden müssen.

Kastelorizo: Hier fliegt der Kapitän!

Das Eiland ist mit seinen fast zehn Quadratkilometern Fläche zwar eher klein als groß. Und eigentlich wächst nur wenig auf dem Felsen, was die Sicht auf den aus dem Stein gesprengten Flughafen (IATA-Code: KZS), erschweren könnte. Doch als Anflughilfe steht lediglich ein ungerichtetes Funkfeuer (NDB) zur Verfügung, das nur eine geringe Reichweite hat – woran die geografische Nähe zur Türkei und die politische Situation zweifellos Anteil haben. Die Nachbarn haben so ihre Probleme miteinander..Kastelorizo aus der Luft

Kastelorizo ist nicht einmal zehn Quadratkilometer groß.Zudem fehlen Referenzpunkte. Glücklicherweise können die Piloten aber auch GPS nutzen. Und dann ist da noch die Piste 13/31, gerade einmal knapp 800 Meter lang und 25 Meter breit. Im Osten ist die Asphalt-Bahn begrenzt durch Felsen und im Westen von einem Wasserreservoir. Jenseits der Schwellen fällt das Terrain ungemütlich zum Meer hin ab. Dazu kommen tückische Winde, je nach Jahreszeit mal stärker, mal unberechenbarer. Das Steuer darf nur ein speziell dafür trainierter Kapitän in die Hand nehmen.

Staatlich subventionierter Flugverkehr

Olympic Air, ein Unternehmen der Aegean Airlines Group, ist momentan die einzige Fluggesellschaft, die Kastelorizo im Linienverkehr bedient. Geflogen wird derzeit sechsmal pro Woche, teilweise mehrmals pro Tag. Zum Einsatz kommt eine Dash 8-100 mit 37 Sitzplätzen. Dieser Flugzeugtyp ist ideal für die Bedienung des Felsen-Ports.

Wirtschaftlich trägt sich die Verbindung dagegen nicht. Vielmehr greift der griechische Staat der Airline finanziell unter die Arme. Schließlich ist es in Griechenland per Gesetz festgeschrieben, dass jeder noch so entfernte Winkel des Landes Anspruch auf Anschluss ans Festland respektive an die nächst größere Insel hat. Solch öffentliche Verkehre, auch Public Service Obligation (PSO) genannt, werden öffentlich ausgeschrieben. Die Ticketpreise sind niedrig, damit sie sich die etwa 400 Einwohner der Insel auch leisten können.

Irgendwer kommt immer …

Dass die Insulaner im Winter eher unter sich sind, kommt für Olympic Air erschwerend hinzu, liegt aber an der Saisonalität des touristischen Geschäfts am Mittelmeer, speziell in der Südlichen Ägäis. Im Sommer lassen sich dagegen auch Urlauber auf den östlichsten Außenposten Griechenlands blicken. Denn die Insel hat auch ihnen etwas zu bieten.

Der authentische Haupt-Ort bezaubert mit seinen bunten Häuschen und den schnuckeligen Tavernen am kleinen Hafen. Ein Dutzend Unterkünfte – vom Vier-Sterne-Hotel über Pensionen hin zu Ferienhäusern und -wohnungen – stehen im Angebot. Die Zahl der Taxis ist allerdings sehr begrenzt.

Der Hafen von Kastelorizo.
Kastelorizo hat einen entzückenden kleinen Hafen. Bild: Dietmar Plath

Dazu kommen historische Stätten aus römischer oder byzantinischer Zeit und nicht zuletzt die Hinterlassenschaften der Ritter des Johanniter-Ordens, die den Felsen im 14. Jahrhundert zu einer mächtigen Festung ausgebaut haben. Später kamen die Italiener, dann die Osmanen, noch später erneut die Italiener, die die Insel in den 1920er-Jahren schließlich besetzt haben. In der Hafenbucht Kastelorizos legten Wasserflugzeugen der Ala Littoria und Air France in den 1930er-Jahren zu gerne auf Flügen nach Afrika und in den Nahen Osten einen Zwischenstopp ein.

Donnerstags bleibt die Küche kalt

Der heutige Flughafen liegt etwa 2,5 Kilometer südwestlich des Ortes in 149 Metern Höhe. 1986 wurde er eröffnet und ist heute auch ein beliebtes Ziel für Privatpiloten. Allerdings: Lange parken darf man seinen Flieger auf dem Vorfeld nicht. Dafür ist es zu klein. Auch das Terminal misst gerade einmal 150 Quadratmeter.

Doch ab dem Nachmittag ist hier eh nichts mehr los, am Donnerstag herrscht gar kein Betrieb. Die größte Aufregung der jüngeren Vergangenheit liegt bereits einige Jahrzehnte zurück, als der mit einem Oscar ausgezeichnete Film „Mediterraneo“ Anfang der neunziger Jahre auf der Insel gedreht wurden. Ansonsten regiert auf Kastelorizo die Beschaulichkeit. Warum auch nicht. Dann geht man eben schwimmen.