Trump droht mit Entzug der FAA-Zulassung: Eskalation mit Kanada?
US-Präsident Trump stellt FAA-Zulassungen für kanadische Flugzeuge infrage. Was wären die Folgen?
Ein Social-Media-Beitrag von US-Präsident Donald Trump sorgt erneut für erhebliche Unruhe in der internationalen Luftfahrtbranche. Dieses Mal richtet sich seine Kritik gegen Kanada – genauer gesagt gegen dort produzierte Flugzeuge. Im Raum steht nicht weniger als der mögliche Entzug von FAA-Zulassungen für alle in Kanada gebauten Flugzeuge. Ein solcher Schritt hätte gravierende Folgen für Hersteller, Betreiber und den gesamten nordamerikanischen Luftverkehr.
Auslöser ist nach Trumps Darstellung die angebliche Weigerung der kanadischen Luftfahrtbehörde Transport Canada, mehrere Business Jets des US-Herstellers Gulfstream zu zertifizieren. Trump spricht von einer Benachteiligung eines „großartigen amerikanischen Unternehmens“ – und droht mit drastischen Gegenmaßnahmen.
FAA-Zulassung kanadische Flugzeuge als politisches Druckmittel
In seinem Post erklärt Trump, die Vereinigten Staaten würden im Gegenzug die FAA-Zulassungen für Bombardier-Flugzeuge sowie generell für alle in Kanada gefertigten Muster entziehen. Das käme faktisch einem sofortigen Grounding gleich: Ohne FAA-Zertifikat dürfen Flugzeuge weder in den USA registriert noch im US-Luftraum kommerziell betrieben werden.
Unklar bleibt, ob es sich dabei um eine konkrete politische Anweisung oder zunächst um eine Drohkulisse handelt. Weder die FAA noch Transport Canada haben sich bislang offiziell geäußert. Auch von Gulfstream selbst gibt es bislang keine Stellungnahme.
Hintergrund der Zertifizierungsproblematik
Warum Transport Canada einzelne Gulfstream-Modelle – darunter G500, G600, G700 und G800 – bislang nicht zugelassen hat, ist öffentlich nicht bekannt. Die Vergangenheit zeigt jedoch, dass insbesondere die G700 mit erheblichen Verzögerungen zu kämpfen hatte. Eine intensive Prüfung der Flugsteuerungssoftware hatte die Zertifizierung um rund zwei Jahre verzögert. Erst 2024 erteilten FAA und EASA ihre Freigaben.
Dass Kanada hier aus politischen Motiven handelt, ist bislang nicht belegt. In der Regel arbeiten die Luftfahrtbehörden der USA und Kanadas eng zusammen und erkennen Zertifizierungen gegenseitig an.
Entzug der FAA-Zulassung: Bombardier setzt auf Deeskalation
Der kanadische Hersteller Bombardier reagierte zurückhaltend. CEO Éric Martel wandte sich mit beruhigenden Worten an die Belegschaft und betonte die enge Zusammenarbeit mit Regierungen und Behörden beider Länder. Gleichzeitig hob er die wirtschaftliche Bedeutung Bombardiers für die USA hervor: Mehr als 3000 Beschäftigte arbeiten in US-Werken, tausende weitere Jobs hängen an amerikanischen Zulieferern.
Bombardier verweist zudem darauf, dass täglich tausende in Kanada gebaute Business Jets in den USA unterwegs sind – alle vollständig FAA-zertifiziert. Ein abruptes Grounding würde nicht nur Hersteller, sondern auch Betreiber, Wartungsbetriebe und Passagiere treffen.
Weitreichende Folgen über Bombardier hinaus
Sollte der Entzug der FAA-Zulassung tatsächlich umgesetzt werden, wären die Auswirkungen erheblich größer als zunächst angenommen. Betroffen wären unter anderem auch Flugzeuge mit kanadischen Wurzeln wie der Airbus A220, der ursprünglich als Bombardier CSeries entwickelt wurde. Zwar wird das Muster heute auch in den USA montiert, zentrale Teile der Produktion liegen jedoch weiterhin in Kanada.
Hinzu kommen Regionalflugzeuge von De Havilland Canada, zivile Hubschrauber von Bell Textron aus Quebec sowie Flugzeuge des Herstellers Diamond Aircraft. Auch Triebwerke von Pratt & Whitney Canada, die in zahlreichen Business Jets und Turboprops eingesetzt werden, stünden indirekt im Fokus.
Zollandrohung verschärft die Unsicherheit
Zusätzlich stellt Trump einen Strafzoll von 50 Prozent auf in die USA importierte kanadische Flugzeuge in Aussicht. Auch hier bleibt die praktische Umsetzung fraglich: Ohne FAA-Zulassung wären diese Flugzeuge ohnehin kaum vermarktbar. Dennoch sorgt die Ankündigung für massive Verunsicherung in der Branche.
Lesen Sie auchEuropas Drehkreuz-Flughäfen 2025: Die Jagd nach Rekorden
