Flughafen München im Winterchaos: 600 Passagiere verbringen Nacht im Flugzeug
Heftige Schneefälle legten den Flughafen München dermaßen lahm, dass rund 600 Passagiere in der Nacht von Donnerstag auf Freitag in startbereiten Maschinen ausharren müssen. Der Airport äußert sich.
Am Flughafen München kam es nach starken Schneefällen zu außergewöhnlichen Szenen: Rund 600 Reisende mussten unfreiwillig eine Nacht in bereits startbereiten Flugzeugen verbringen. Was als regulärer Abflugabend begann, endete für zahlreiche Passagiere in einer langen Nacht auf dem Vorfeld – mitten im Winter.
Flughafen München: Winterchaos durch starken Schneefall
Über den gesamten Tag hinweg sorgte intensiver, nasser Schneefall für erhebliche Beeinträchtigungen im Flugbetrieb. Mehr als 100 Verbindungen wurden gestrichen, zahlreiche weitere verspäteten sich deutlich. Besonders kritisch wurde die Lage am späten Abend.
In München gilt zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens ein Nachtflugverbot. Um trotz der Wetterlage möglichst viele Abflüge zu ermöglichen, wurde eine Sondergenehmigung erteilt, die Starts bis 1 Uhr erlaubte. Mehrere Maschinen, darunter Flüge der Lufthansa sowie von Air Dolomiti und Air Arabia, rollten noch auf die Startbahnen.
Doch der Plan ging nicht auf: Aufgrund verlängerten Enteisungszeiten und temporärer Pistenschließungen zur Schneeräumung konnten die Maschinen das enge Zeitfenster nicht einhalten. Die Starterlaubnis verfiel – die Flugzeuge mussten ihre Startversuche abbrechen.
Passagiere können nicht zum Terminal zurückkehren
Brisant wurde die Situation, als klar wurde, dass die bereits abgefertigten Flugzeuge nicht mehr zum Terminal zurückkehren konnten. Die Parkpositionen in Terminalnähe waren durch zuvor annullierte Flüge blockiert. Zudem standen in der Nacht nur eingeschränkt Busse und Bodenpersonal zur Verfügung.
Die Folge: Die betroffenen Maschinen wurden auf Außenpositionen abgestellt. Weder Treppen noch Busse erreichten die Flugzeuge rechtzeitig. Für die rund 600 Passagiere und Crews bedeutete das eine unfreiwillige Übernachtung an Bord.
Erst in den frühen Morgenstunden konnten Busse die Reisenden abholen und zurück ins Terminal bringen. Laut Flughafen bestand zu keinem Zeitpunkt eine Sicherheitsgefährdung. Die Airlines hätten ihre Fluggäste bestmöglich betreut.
Flughafen München kündigt Prozessprüfung nach Winterchaos an
Die Verantwortlichen zeigten sich im Nachgang selbstkritisch. Man sprach von Kommunikationsdefiziten und eingeschränkten Kapazitäten im nächtlichen Betrieb. Besonders die Kombination aus Sonderfluggenehmigung, extremen Wetterbedingungen und ausgelasteten Abstellflächen habe zu einer Verkettung unglücklicher Umstände geführt.
Der Flughafen kündigte eine umfassende Analyse der Abläufe an. Ziel sei es, Prozesse im Winterbetrieb zu optimieren und vergleichbare Situationen künftig zu vermeiden. Gerade ein internationales Drehkreuz wie München müsse auch bei widrigen Wetterbedingungen belastbare Notfallkonzepte vorhalten.