Von 1945 bis 1955 war des deutschen verboten, eine eigene Fluglinie zu betreiben. Die skandinavische Airline SAS füllte diese Lücke und flog sowohl innerhalb der Bundesrepublik, als auch von Westdeutschland aus nach Übersee. Selbst nach Betriebsaufnahme der neuen Lufthansa am 1. April 1955. Wir blicken anlässlich des achtzigjährigen SAS-Jubiläums auf diese spannende Zeit zurück.

Als erste Airline kehrte die Det Danske Luftfartselskab – DDL – nach 1945 in das zerstörte Nachkriegsdeutschland zurück. Die 1918 gegründete, und damit älteste, noch heute als dänischer Partner der SAS fortbestehende Fluggesellschaft der Welt, eröffnete bereits im Jahr 1920 ihre ersten Flugverbindungen zwischen Kopenhagen und Warnemünde sowie Hamburg.

Am 14. August 1946, vor 80 Jahren, landete eine Douglas DC-3 der DDL erstmals auf dem Frankfurter Flughafen. Ihr folgten die schwedische ABA und die norwegische DNL mit Flügen in ihre Heimatländer. Bis die drei Airlines ab 1948 unter dem SAS-Banner ein dichtes innerdeutsches Luftverkehrsnetz etablierten.

Douglas DC-3, SAS, Stuttgart
Abfertigung einer SAS DC-3 am Flughafen Stuttgart. Die zweimotorigen Douglas-Propliner waren das Rückgrat der westdeutschen Inlandsrouten der SAS in den fünfziger Jahren. Bild: Flughafen Stuttgart

Zwar wurde SAS am 1. August 1946 als Zusammenschluss von ABA, SILA, DDL und DNL gegründet, doch hatte dies zunächst nur Auswirkungen auf den Langstreckenverkehr. In Europa flogen die Partner zunächst unter eigenem Namen weiter.

Mit Genehmigung der westalliierten Besatzungsmächte übernahm Scandinavian Airlines System (SAS) bis zur Betriebsaufnahme der neuen Lufthansa am 1. April 1955 die Rolle des westdeutschen National Carrier. Mit dem Frankfurter Flughafen, als zentraler Drehscheibe verbanden SAS-Propellermaschinen die Städte Hamburg, Hannover, Bremen, Düsseldorf, Stuttgart, Nürnberg und München miteinander.

Zum Einsatz kamen zunächst die bewährten Douglas DC-3 Dakota. Ihr folgten die mit besonders großzügigem Sitzabstand eingerichteten, und daher bei Passagieren äußerst beliebten Convair CV-440 Metropolitan. Und selbst viermotorige Langstreckenmaschinen der Typen Douglas DC-4, DC-6 und DC-6B flogen auf dem innerdeutschen SAS-Streckennetz.

Diese Zeichnung zeigt das SAS-Streckennetz in den fünfziger Jahren
Diese Zeichnung zeigt das über Deutschland geführte SAS-Streckennetz in den fünfziger Jahren Bild: SAS

Diese Flugverbindungen wurden auf einigen Strecken selbst weit nach Gründung und Betriebsaufnahme der Lufthansa fortgeführt. So war es Scandinavian Airlines, die im Winterflugplan 1959/60 mit der SE 210 Caravelle als erste Airline auf deutschen Inlandsstrecken das Jet-Zeitalter einläutete.

Von Bremen mit SAS nach New York

Im Jahr 1950 hatte SAS in der Bundesrepublik mit 16 Flugverbindungen die meisten Strecken aller Airlines im Angebot. Im Vergleich dazu waren es nur neun der British European Airways – BEA – oder sechs der amerikanischen Pan Am. Gute drei Stunden und 45 Minuten verbrachte man beispielsweise damals an Bord einer SAS Douglas DC-3 auf der Route SK 614 von Frankfurt/Main nach Hamburg. Zwischenstopps in Düsseldorf und Bremen inklusive. Auch im Winterflugplan 1954/55, dem letzten Flugplan vor Betriebsaufnahme der Lufthansa, lag SAS mit wöchentlich 96 innerdeutschen Flügen als unangefochtene Marktführerin vor allen anderen Fluglinien.

Nach der westdeutschen Währungsreform des Jahres 1948 verlieh SAS den zaghaften Anfängen des Wirtschaftswunders mit einer drastischen Erweiterung ihres Angebots sprichwörtlich Flügel. Denn neben den innerdeutschen Routen führten die Skandinavier zu Beginn der 50er-Jahre fast ihr gesamtes interkontinentales Streckennetz sowie die Flüge in die europäischen Metropolen, über westdeutsche Flughäfen.

Und das mit vollen Verkehrsrechten ab Deutschland. So waren im Jahr 1954 die Hansestädte Hamburg und Bremen Zwischenlandeplätze für SAS-Nordatlantikrouten nach New York. Über Hamburg führten auch die Strecken ins südafrikanische Johannesburg sowie in das sudanesische Khartum. In Düsseldorf und Frankfurt machten die SAS-Flüge nach Südamerika, mit den Zielorten Recife, Rio de Janeiro, Montevideo, Buenos Aires und Santiago de Chile Station, während nur auf dem Rhein-Main-Airport die SAS-Maschinen auf dem Weg nach Südostasien mit den Destinationen Karatschi, Kalkutta, Rangun, Bangkok, Hongkong, Manila und Tokio einen Stopp einlegten.

SAS, DC-7C, Hamburg
Ein Einwinker lotst die DC-7C der SAS auf ihre Parkposition am Flughafen Hamburg. Maschinen dieses Typs flogen ab Hamburg unter anderem nach Nordamerika. Bild: Flughafen Hamburg

SAS Langstrecken-Drehkreuz in Hamburg

Heute kaum mehr denkbar, bot SAS in den 50er-Jahren exklusive Erste Klasse-Flüge auf der Langstrecke an. Diese Douglas DC-6B und DC-7C des Royal-Viking-Service waren mit komfortablen Dormette-Schlafsesseln sowie Pullman-Betten in Schlafkojen im Heck der Kabine ausgestattet. Für weniger betuchte Passagiere offerierte SAS eine günstigere Globetrotter-Touristenklasse. Hier war der Clou, dass die Sitze gestaffelt angeordnet waren. So verfügten die Fluggäste, ohne direkten Kontakt zum Nachbarn, selbst in der engeren Bestuhlung noch über ein Stück Privatsphäre.

Auch nach Gründung der neuen Lufthansa im Jahr 1953, und der Rückgabe der Lufthoheit an die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1955, berief sich SAS zunächst auf ihre unmittelbar nach Kriegsende von den Besatzungsmächten erteilten Flugrechte. Doch der damalige westdeutsche Verkehrsminister Hans-Christoph Seebohm drängte in der zweiten Hälfte der 50er-Jahre auf einen sukzessiven Rückzug der SAS aus Deutschland.

Anfang der 60er-Jahre war dieser Schritt schließlich vollzogen. SAS hatte bis dahin die meisten Interkontinentalrouten nun auf Direktflüge ab Kopenhagen umgestellt, die innerdeutschen Verbindungen schrittweise Lufthansa überlassen, und einen partnerschaftlichen Nachbarschaftsverkehr mit Lufthansa zwischen Skandinavien und Deutschland etabliert.

Bis in die 70er-Jahre boten die fliegenden Skandinavier jedoch auch weiterhin europäische Destinationen ab Deutschland an. So flogen zum Beispiel SAS Douglas DC-9 von Kopenhagen via Stuttgart nach Athen, Kairo und Madrid. Langstreckenrouten führten von Düsseldorf zum nigerianischen Lagos.

Innerdeutsche SAS-Routen in den 50er-Jahren:

Frankfurt – Düsseldorf

Frankfurt – Hamburg

Frankfurt – Stuttgart

Frankfurt – München

Bremen – Düsseldorf

Bremen – Hamburg

Düsseldorf – Stuttgart

Hamburg – Hannover

Hamburg – Stuttgart

Hannover – Stuttgart

München – Nürnberg

München – Stuttgart