Überraschend hatte die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines ihre Wetlease-Kooperation mit Braathens Regional Airways am 15. Dezember mit sofortiger Wirkung ausgesetzt.

Die Ansage der Austrian Airlines war klar und unmissverständlich: Braathens Regional Airways erfülle die Wetlease-Standards der Lufthansa Group nicht mehr vollständig. Dann kam es zur Aufkündigung der Kooperation.

Zum Hintergrund: Braathens Regional Airways, die im Auftrag von Austrian Wetlease-Flüge durchführte, ist indirekt von der Ende September bekannt gewordenen Insolvenz der Schwestergesellschaft Braathens International Airways betroffen. Diese führte mit vier A319 und drei A320 vor allem Flüge für Reiseveranstalter durch.

Wetlease als Sicherheitsnetz oder Schwachstelle für Austrian Airlines?

Austrian Airlines stand seither in engem und kontinuierlichem Kontakt mit Braathens Regional Airways und hat die daraus resultierenden Entwicklungen engmaschig beobachtet und bewertet. Im Rahmen dieser laufenden Evaluierung zeigte sich: Die Wetlease-Partnerin reagiert auf die Insolvenz der Schwester und justiert ihre eigene Operation nach. Infolgedessen konnten wesentliche Bewertungsparameter nicht mehr belastbar beurteilt werden.

Vor diesem Hintergrund erfülle Braathens Regional Airways gegenwärtig die Wetlease-Standards der Lufthansa Group, denen die Partner uneingeschränkt entsprechen müssen, nicht mehr vollumfänglich, so Austrian. Bedauerlicherweise sei deshalb eine stabile Grundlage für eine operative Partnerschaft derzeit nicht mehr gegeben. Die Wetlease-Kooperation wurde daher mit sofortiger Wirkung aufgelöst und die Zusammenarbeit bis auf Weiteres ausgesetzt.

Winterflugplan unter Druck

Im aktuellen Winterflugplan wurden im Auftrag von Austrian Airlines insgesamt drei ATR 72-600 von Braathens Regional Airways zu insgesamt zwölf Destinationen, die zum Teil beziehungsweise auch vollständig von Braathens in unterschiedlichen Frequenzen bedient wurden, eingesetzt. Es mussten deshalb kurzfristige Anpassungen im Austrian-Flugplan vorgenommen werden.

Während manche Strecken in einer Übergangsphase kurzfristig sogar ausgesetzt oder Frequenzen reduziert worden sind, können andere Flugverbindungen zum Teil entweder mit der eigenen Austrian-Flotte oder beispielsweise mit Edelweiss Air sowie anderen Partnern der Lufthansa Group bedient werden. Für die Bedienung der Strecken seit Januar wie auch für den kommenden Sommerflugplan gab beziehungsweise gibt es unterschiedliche Optionen, die zu Redaktionsschluss für kurz- und mittelfristige Flugplananpassungen noch geprüft wurden.

Welche Rolle Wetlease künftig für Austrian Airlines spielt

Für den Sommer plant Austrian Airlines zumindest schon einmal, zwei Embraer-Jets von Air Dolomiti und vier A220-300 von AirBaltic im Wetlease zu mieten. Die drei ATR von Braathens waren ursprünglich ebenfalls für Wetleases im Sommer vorgesehen. Wie für die Fluglinien der Lufthansa-Gruppe spielt Wetlease generell eine sehr wichtige Rolle für die Abdeckung saisonaler Spitzen, aber auch auf regionalen Strecken.

Dennoch erwartet die Branche eine Konsolidierung, da eine gewisse Unruhe am Markt herrscht: Ein deutliches Anzeichen dafür sind auch die unrealistisch niedrigen Mietpreise, die angeboten werden. Die Nachfrage nach Wetleases ist weiterhin hoch, weil Hersteller ihre Flugzeuge nicht schnell genug ausliefern können.Und auch der Mangel an qualifizierten Piloten gibt weiteren Anlass zur Sorge. Viele Wetlease-Anbieter können da kurzfristig einspringen. Doch wenn mit der Zeit neue Flugzeuge schneller ausgeliefert werden, dürfte es zu einer natürlichen Konsolidierung in der Branche kommen.