Reiseapotheke: Darf man Medikamente mit ins Flugzeug nehmen?
Für die Mitnahme von Arzneimitteln im Flugzeug gibt es einiges zu beachten. Die richtige Vorbereitung ist wichtig, dass der Transport unkompliziert verlaufen kann.
Ob Kopfschmerztabletten, Nasenspray oder Wund- und Heilsalbe – einige Medikamente dürfen beim Verreisen nicht fehlen. Häufig besteht jedoch Unsicherheit darüber, ob Medikamente im Flugzeug mitgeführt werden dürfen und welche Anzahl und Arten zulässig sind. AERO INTERNATIONAL schafft Klarheit und gibt Antworten auf die Frage: Darf ich Medikamente mit ins Flugzeug nehmen?
Inhaltsverzeichnis
- Was gilt für Hand- und aufgegebenes Gepäck?
- Bescheinigungen für den Medikamententransport
- Darf man Tabletten, Spritzen und Salben mitnehmen?
- Zeitzonen, Schwangerschaft und was in die Reiseapotheke gehört
- Aus einen Blick: Das Wichtigste zu Medikamenten im Flugzeug
Medikamente im Flugzeug: Was gilt für Hand- und aufgegebenes Gepäck?
Generell können Medikamente sowohl im Handgepäck als auch im aufgegebenen Koffer transportiert werden. Reisende sollten regelmäßig benötigte oder lebenswichtige Arzneimittel jedoch unbedingt im Handgepäck verstauen. Dadurch sind diese griffbereit und können jederzeit eingenommen werden. Außerdem kann es – gerade bei Flügen mit Zwischenstopp – dazu kommen, dass das aufgegebene Gepäck beim Verladen verloren geht und erst später im Zielland ankommt. Wichtige Medikamente sollte man daher stets in der Kabine mitführen. Und: Beim Packen sollten Flugverspätungen und Verzögerungen mit eingeplant werden, weshalb es sich empfiehlt genügend Reserven an Arzneimitteln dabei zu haben.
Weiterhin dürfen ausschließlich Medikamente zum Eigengebrauch mit an Bord genommen werden. Das gilt sowohl für Hand- als auch für aufgegebenes Gepäck. Im Koffer, der im Frachtraum landet, können alle weiteren medizinischen Produkte verstaut werden, die während dem Flug nicht dringend benötigt werden, aber dennoch Teil der Reiseapotheke sind. Beachtet werden sollte hierbei jedoch, dass bestimmte Verpackungen empfindlich auf Temperatur- oder Druckschwankungen reagieren können und demnach auch besser im Handgepäck aufgehoben sind. Grundsätzlich empfiehlt es sich außerdem Arzneien immer in der Originalverpackung zu transportieren.
Ärztliches Attest und Bestätigungsformular – Bescheinigungen für den Transport von Medikamenten
Bei der Mitnahme von Arzneimitteln im Flugzeug empfiehlt es sich eine Medikamentenliste mit ärztlicher Bescheinigung mitzuführen. Ein entsprechendes Formular gibt es beispielsweise auf der Webseite des ADAC. Das können Passagiere vor Reiseantritt von einem Arzt unterzeichnen lassen.
Alternativ können auch Kopien von Rezepten hilfreich sein, um Probleme durch den Transport von Medikamenten – etwa bei den Sicherheitskontrollen oder beim Zoll – zu vermeiden. Zudem kann eine Medikamentenliste, vor allem bei verschreibungspflichtigen Arzneien, sinnvoll sein, falls im Ausland ärztliche Hilfe beansprucht wird oder ein Medikament verloren geht.
Medikamentenmitnahme auf internationalen Flügen
Während die Mitfuhr von medizinischen Produkten innerhalb der EU im Normalfall weitgehend unkompliziert verläuft, gelten in außereuropäischen Ländern zum Teil strengere Vorschriften. Gerade dann sind ärztliche Atteste von besonderer Bedeutung. So bestehen laut ADAC beispielsweise in Singapur zahlreiche Einfuhrverbote für Beruhigungsmittel oder psychotrope Substanzen. Demnach sei es wichtig bei Reisen nach Singapur auch eine Gebrauchsanweisung der Medikamente mit Angabe der chemischen Zusammensetzung mitzunehmen.
Und auch für die Einfuhr von Arzneien in die Vereinigten Arabischen Emirate und andere asiatische Staaten gelten spezielle Vorschriften. Genauere Informationen finden Reisende unter anderem auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes, der Botschaft des Ziellandes in Deutschland oder der ausländischen Gesundheitsbehörden.
Mitnahmebestimmungen der Airlines
Außerdem sollten sich Fluggäste vor dem Reiseantritt mit den Angaben der jeweiligen Airline zum Transport von Medikamenten beschäftigen. Die meisten Fluglinien haben die Mitnahmebestimmungen von medizinischen Produkten auf ihren Websites zusammengefasst. Die Lufthansa empfiehlt etwa schlagfeste Verpackungen von Medikamenten und den Medikamentenbedarf auf mehrere Handgepäckstücke zu verteilen. Passagiere sollten zudem die anderthalb- bis zweifache Menge des üblichen Bedarfs mitzunehmen.
KLM wiederum legt ebenfalls den Transport von Medikamenten im Handgepäck nahe und bittet um die Mitfuhr von Rezepten in englischer Sprache. Weiterhin befinden sich auf der Internetseite der niederländischen Fluggesellschaft Informationen zur Nutzung von Sauerstoff und medizinischen Geräten an Bord.
Verschiedene Arten von Medikamenten: Darf man Tabletten, Spritzen oder Salbe mit ins Flugzeug nehmen?
Medikamente in fester Form, wie Reisetabletten, Ibuprofen, Paracetamol, Kapseln oder Aspirin stellen in der Regel kein Problem im Handgepäck dar – solange eine ärztliches Rezept oder Attest mitgeführt wird. Bezüglich der Anzahl dieser Arzneimittel im Flugzeug gibt es außerdem keine feste Begrenzung, sie sollten jedoch dem persönlichen Gebrauch und dem Zeitraum der geplanten Reise entsprechen.
Betäubungsmittel und Spritzen im Flugzeug
Spezielle Vorschriften gibt es wiederum für das Mitführen von Arzneien, wie Betäubungsmitteln oder Spritzen. So wird für betäubende Medikamente, die dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen, ein zusätzliches Formular des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit der Unterschrift eines Amtsarztes benötigt. Ähnliches gilt auch für Cannabisarzneimittel im Flieger. Nähere Informationen dazu finden Reisende auf der Webseite des Institutes.
Spritzen, die unter anderem für die Zufuhr von Insulin benötigt werden, gelten darüber hinaus als gefährliche Gegenstände im Flugzeug. Deshalb muss bei deren Transport in jedem Fall eine ärztliche Bestätigung über den persönlichen Bedarf mitgeführt werden.
Sonderfall: Flüssige Medikamente
Was Passagiere bei bestimmten Medikamenten zudem beachten sollten: Die Flüssigkeitsregel. Einige Arzneien, wie Salben, Nasenspray, Cremes oder Augentropfen fallen im Flugzeug unter flüssige Gegenstände. Diese dürfen im Handgepäck nur in Behältnissen mit einem Fassungsvermögen von maximal 100 Millilitern transportiert werden.
Zusammen müssen die Behälter in einem durchsichtigen und wiederverschließbaren 1-Liter-Plastikbeutel verstaut sein. Für flüssige Medikamente, die während dem Flug benötigt werden, gibt es jedoch häufig Ausnahmen, sodass auch größere Mengen zulässig sind. Im aufgegeben Gepäck existiert die Flüssigkeitsbeschränkung nicht.
Sollte es sich bei bestimmten Arzneien um Produkte handeln, die gekühlt werden müssen, besteht teilweise die Möglichkeit, diese im Bordkühlschrank zu deponieren. Die meisten Fluglinien empfehlen jedoch für kühlungspflichtige Medikamente selbst isolierte Kühltaschen oder -boxen mit Kühlakkus oder Trockeneis mitzunehmen. In diesem Fall wird Flugreisenden geraten, sich im Vorfeld bei der jeweiligen Airline zu informieren.
Zeitzonen, Schwangerschaft und Reiseapotheke – was noch wichtig ist
Eine andere Zeitzone im Reiseland oder ein Wechsel der Zeitzonen auf einem Langstreckenflug, können dazu führen, dass der übliche Einnahmerhythmus durcheinander gebracht wird. Dadurch kann es dazu kommen, dass Medikamente zu anderen als den gewohnten Zeiten eingenommen werden müssen. Bei Unsicherheit in dieser Hinsicht sollte vor Reiseantritt mit einem Arzt gesprochen werden.
Schwangere und eingeschränkte Personengruppen
Im Fall einer Schwangerschaft wird Passagierinnen empfohlen, ab der 28. Schwangerschaftswoche ein aktuelles gynäkologisches Attest mit zu führen. Ab der 36. Woche besteht auf den Flügen zahlreicher Airlines ein Flugverbot für Schwangere.
Fluggäste mit Herzschrittmachern oder Implantaten sollten vor der Reise mit einem Arzt über den Flug sprechen. Bei den Sicherheitskontrollen muss außerdem eine ärztliche Bescheinigung vorgelegt werden. Reisenden, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, wird empfohlen sich zuvor bei der Airline zu erkunden. Dabei besteht die Möglichkeit, Unterstützung und Begleitung am Flughafen zu erhalten. Zusätzliche Kosten entstehen dafür – und auch für den Transport von Mobilitätshilfen – in der Regel nicht.
Und was gehört alles in die Reiseapotheke?
Neben verschreibungspflichtigen Medikamenten, gibt es weitere Arzneimittel, die für eine Reise sinnvoll sind. Diese sind wiederum abhängig von der Reisedauer und den klimatischen Bedingungen im Zielland. Grundsätzlich empfiehlt es sich Arzneien, wie unter anderem Schmerz- und Reisekrankheitsmittel, Pflaster, Sonnencreme, Wund- und Heilsalbe, Insektenschutzmittel, Augentropfen und Desinfektionsmittel beim Verreisen dabei zu haben. Für Kinder und Säuglinge sollten außerdem dem Alter entsprechende Medikamente eingepackt werden.
Auf einen Blick: Darf man Medikamente mit ins Flugzeug nehmen?
- Arzneimittel dürfen mit ins Flugzeug genommen werden – regelmäßig und dringend benötigte Produkte sollten im Handgepäck verstaut sein
- Eine ärztliche Bescheinigung für Medikamente ist auf Flugreisen empfehlenswert, da dadurch Probleme bei den Sicherheitskontrollen, beim Zoll oder im Zielland vermieden werden können
- Für Arzneien, die als gefährlich oder flüssig gelten, gibt es besondere Vorschriften
