Airbus hat mit dem A350F erstmals einen neu entwickelten Großraumfrachter auf Basis der A350-Familie in die Luft gebracht. Der Prototyp startete am 29. September in Toulouse. Nun beginnt eine Flugerprobung, die sich bis ins kommende Jahr ziehen wird.

Die erste Testmaschine mit der Seriennummer MSN 700 blieb 4 Stunden und 10 Minuten in der Luft und stieg dabei auf eine Höhe von 25.000 Fuß. Am Steuer saß eine Crew aus der Airbus-Flugerprobung. An Bord befand sich umfangreiche Messtechnik, die während des Flugs Daten zu Aerodynamik, Systemen und Strukturverhalten aufzeichnete.

Beim Erstflug ging es vor allem um die Grundlagen: Die Besatzung prüfte die grundsätzliche Lufttüchtigkeit und das Flugverhalten der Maschine und kontrollierte, ob die zentralen Systeme so arbeiten wie in den Berechnungen vorhergesagt. Lars Wagner, CEO Commercial Aircraft bei Airbus, lobte den Einsatz der beteiligten Teams und sprach von einem entscheidenden Schritt für das Programm.

Flugtestprogramm des A350F: Mehr als neun Monate Erprobung

Mit dem Erstflug beginnt eine Testkampagne, die nach Angaben des Herstellers länger als neun Monate dauern soll. Unterstützung erhält MSN 700 bald vom zweiten Prototyp: Die MSN 701 befindet sich in einem fortgeschrittenen Stadium der Endmontage und soll in den kommenden Wochen in die Lackiererei rollen. Anschließend wird auch diese Maschine in das Erprobungsprogramm eingebunden, das in die Musterzulassung münden soll.

Nutzlast und Reichweite: Was der Airbus A350F leisten soll

Airbus positioniert den Frachter im Segment der großen Langstreckenfrachter. Die Nutzlast soll bis zu 111 Tonnen betragen, die Reichweite bis zu 8.700 Kilometer. Damit zielt das Flugzeug klar auf interkontinentale Frachtverbindungen.

Mehr als 70 Prozent der Struktur bestehen aus modernen Werkstoffen, vor allem aus Faserverbundmaterialien. Laut Airbus ergibt sich daraus ein maximales Abfluggewicht, das 46 Tonnen unter dem vergleichbarer Konkurrenzmodelle liegt. Airbus nennt die Wettbewerber nicht beim Namen, im Visier stehen aber vor allem Boeings Frachtversionen der 777.

Triebwerke des A350F: Effizienz als zentrales Verkaufsargument

Angetrieben wird der A350F von zwei Rolls-Royce Trent XWB-97. Das Triebwerk kennt man bereits von der A350-1000. Im Vergleich mit Konkurrenzflugzeugen ähnlicher Nutzlast und Reichweite verspricht Airbus bis zu 40 Prozent weniger Treibstoffverbrauch und CO₂-Ausstoß. Diese Angabe stammt vom Hersteller und muss sich erst im Linienbetrieb bestätigen.

Regulatorisch hat der A350F einen Vorteil: Nach Angaben von Airbus erfüllt er als erster neuer Frachter vollständig die aktuellen CO₂-Standards der ICAO. Für Frachtairlines ist das mehr als ein Imagefaktor, denn ältere Frachtmuster geraten durch diese Vorgaben langfristig unter Druck.

Auftragsbuch des A350F: 115 Bestellungen vor dem Erstflug

Wirtschaftlich steht das Programm schon vor dem Erstflug auf einer soliden Basis. Ende August verzeichnete Airbus 115 Bestellungen von 14 namentlich bekannten Kunden. Der Hersteller beziffert seinen Anteil im Segment der großen Frachtflugzeuge auf bis zu 59 Prozent. Nun muss die Flugerprobung zeigen, ob der A350F die angekündigten Leistungswerte erreicht.