Wasserstoffantrieb: Airbus und MTU planen Joint-Venture
Airbus und MTU schließen sich bei der Entwicklung eines CO2 neutralen Wasserstoff-Brennstoffzellen-Elektroantriebs zusammen.
Wie der europäische Flugzeughersteller Airbus und die in München beheimatete MTU Aero Engines parallel bekannt gaben, wollen sie ein gemeinsames Joint-Venture gründen, das sich der „Entwicklung und Vermarktung eines vollelektrischen Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antriebs“ widmen wird.
Bereits auf der Paris Air Show 2025 hatten die Partner eine entsprechende Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) unterzeichnet.
Joint-Venture folgt auf Absichtserklärung
Das neue Unternehmen wird durch das Know-how der verschiedenen Entwicklungs- und Fertigungsteams beider Unternehmen unterstützt.
Wie MTU in seiner Mitteilung schreibt, stehe „diese nicht-bindende Vereinbarung unter dem Vorbehalt der notwendigen behördlichen Genehmigungen und des Abschlusses des sozialpartnerschaftlichen Dialogs auf europäischer und nationaler Ebene.“ Das neue Joint-Venture soll voraussichtlich 2027 wirksam werden.
„Unser geplantes Joint Venture ist der nächste logische Schritt im Rahmen unserer gemeinsamen Vision eines wasserstoffbasierten Antriebskonzepts für die Luftfahrt“, sagte Bruno Fichefeux, Leiter Zukunftsprogramme bei Airbus. „Wir bündeln unsere jeweiligen Technologien und unser Fachwissen in einer eigens dafür gegründeten Einheit. Damit schaffen wir ein europäisches Kompetenzzentrum, das in der Lage ist, Spitzenforschung in industrialisierte, zertifizierbare elektrische Antriebssysteme zu übersetzen. Dieses neue Unternehmen wird dazu beitragen, die strategische Souveränität bei den Luftfahrttechnologien der nächsten Generation zu sichern und zugleich unsere Fähigkeit zu stärken, unseres langfristiges ZEROe-Ziel zu erreichen.“
Für MTU erklärte Dr. Stefan Weber, Leiter Entwicklung und Technologie des Unternehmens: „Unser ambitioniertes Ziel ist es, den Weg zu ebnen für ein neu entwickeltes, sicheres, zuverlässiges und wirtschaftliches Antriebssystem, das zu einer klimaneutralen Luftfahrt beitragen wird. Dieses Vorhaben ist ein entscheidender Meilenstein auf unserem Weg zum ersten Wasserstoffantrieb – und dies ist wahre europäische Technologieführerschaft. Dafür wollen wir ein Unternehmen gründen, das den gesamten Lebenszyklus von Brennstoffzellen-Antrieben abdeckt, von der Entwicklung und Erprobung bis hin zur Zertifizierung und Vermarktung.“
Airbus bremste im Frühjahr 2025 Wasserstoff aus
Die jetzige Ankündigung ist eine Volte, nachdem Airbus im Februar 2025 seine bis dahin starke Befürwortung von Wasserstoff als Treibstoff zumindest in der zeitlichen Abfolge der Entwicklungen nach hinten schob. AERO INTERNATIONAL berichtete ausführlich über die damaligen Ereignisse, die vor allem bei deutschen Forschungspartnern, die auf H2-Projekte in der Luftfahrt spezialisiert waren, für Verwunderung sorgte. Das Fazit von Airbus-CEO Faury lautete damals, dass er keine wirtschaftliche Machbarkeit eines mit Brennstoffzellen-Elektroantrieb ausgestatteten, flüssigen Wasserstoff als Treibstoff nutzenden Passagierflugzeugs sieht.
Die jetzige Erklärung betont hingegen das gemeinsame Ziel der Partner, den Technologieführer in diesem Bereich zu etablieren und das erste wasserstoffbasierte Brennstoffzellen-Antriebssystem für ein Verkehrsflugzeug zu entwickeln. Dafür vereinen die beiden Unternehmen nach eigenen Angaben, das umfassende Know-how von Airbus im Bereich der Zivilflugzeuge sowie hinsichtlich Brennstoffzellen und flüssigem Wasserstoff mit der langjährigen MTU-Erfahrung in der Entwicklung von Brennstoffzellentechnologie sowie deren anerkannter Kompetenz in den Bereichen Triebwerkskonstruktion, Integration, Validierung, Zertifizierung und Instandhaltung.
Erster Brennstoffzellen-Antrieb für ein Verkehrsflugzeug
Über die Antriebstechnologien hinaus planen Airbus und die MTU den Aufbau eines Wasserstoffumfelds für die Luftfahrt und die Schaffung der entsprechenden rechtlichen Rahmenbedingungen weiter zu fördern. Dies seien ebenfalls entscheidende Voraussetzungen für die Einführung des wasserstoffbetriebenen Flugverkehrs in großem Maßstab.


