Vielfliegerprogramme: Lohnt sich das Meilensammeln?
Wer clever sammelt, fliegt besser. Vielfliegerprogramme sind längst nicht mehr nur etwas für Vielflieger. Mit der richtigen Kreditkarte und ein bisschen Know-how holt jeder das Beste aus seinen Meilen heraus.
Die kurze Antwort auf die Frage „Lohnt sich Meilen sammeln?“ lautet: Ja, es kostet ja nichts. Allerdings muss man sich ein wenig mit dem Thema beschäftigen, um wirklich Vorteile und Schnäppchen zu ergattern.
Es kommt sehr auf die persönliche Situation an: Wer viel beruflich fliegt und dabei oft Airlines der gleichen Gruppe nutzen kann, der erreicht schnell einen Status mit Vorteilen, aber auch viele Meilen auf dem Konto. Wer dagegen zweimal pro Jahr in der Economy Class ans Mittelmeer in den Urlaub fliegt, wird es nicht zu vielen Meilen bringen.
Doch halt: Das stimmt so nicht! Denn inzwischen sammeln die meisten Menschen Meilen nicht so sehr beim Fliegen, sondern bei allen Arten von Einkäufen im Alltag. Bestimmte Kreditkarten sorgen dafür, dass für jeden ausgegebenen Euro Punkte gutgeschrieben werden.
Wer hat welches Meilenprogramm?
In Deutschland, ganz klar, führt die Lufthansa-Gruppe mit ihrem Meilenprogramm Miles & More den Markt an. Viele Menschen fliegen mit Lufthansa, Eurowings, Austrian oder Swiss – und können dabei Miles & More Meilen sammeln. Das geht auch bei anderen Mitgliedern der Star Alliance, zum Beispiel United Airlines. Die Teilnahme ist kostenlos. Condor hat kein eigenes Meilenprogramm, man kann dort aber Meilen für die Programme von Emirates oder Jet Blue sammeln. Easyjet hat ebenfalls kein eigenes Meilenprogramm. KLM und Air France dagegen haben ein gemeinsames, das auch bei Delta Air Lines und vielen anderen funktioniert. British Airways vergibt Punkte namens Avios, die in der gesamten One-World-Gruppe zu bekommen und einzusetzen sind.
Von Miles & More gibt es eine eigene Kreditkarte, deren Umsätze zur Erhöhung des Meilenkontos führen. Das kann dann den im Vergleich zu anderen Kreditkarten höheren Monatspreis wettmachen.
Der beliebte Punktesammel-Dienst Payback ist ein weiterer Weg, mit jedem Einkauf Punkte zu sammeln – die sich Eins-zu-eins in Miles & More-Meilen umwandeln lassen. Mehr noch: Manchmal gibt es Sonderaktionen, bei denen sich das Tauschverhältnis noch verbessert. Wie gesagt: Man muss sich mit dem Thema beschäftigen…
Die Kreditkarten von American Express sind bei Meilensammlern noch beliebter. Denn die dort mit jedem Umsatz gesammelten Reward-Punkte können auf die Meilenprogramme sehr vieler Airlines (und Hotels) übertragen werden. So kann man ganz gezielt Meilen dorthin transferieren, wo es sich für die persönliche Situation lohnt.
Was bekomme ich für meine Meilen?
Und das bringt uns zu der wichtigen Frage: Was bekommt man für die gesammelten Meilen? Am meisten holt auch hier heraus, wer sich sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt. Es gibt viele Websites und Influencer, die online Ratschläge geben. Einfach ein Economy-Ticket für den nächsten Mallorca-Urlaub mit Meilen buchen – das lohnt sich meist ebenso wenig wie der Einkauf von Koffern oder anderen Artikeln in den Airline-Shops gegen Meilen.
Viel sinnvoller ist es, die Meilen gezielt für Upgrades in eine höhere Buchungsklasse oder gar gleich für den Erwerb eines Langstreckenflugs in der Business oder First Class zu buchen. So lässt sich der Wert einer Meile dann auf sechs oder mehr Euro-Cents steigern. Und das Flugerlebnis bei einem Langstreckenflug wird auf solchen Distanzen umso schöner. Oft gibt es Aktionen der Airlines, bei denen dann weniger Meilen für solche Tickets erforderlich sind als normalerweise.
Unbedingt zu beachten ist: Manche Airlines haben strenge Bedingungen, was den Verfall von Meilen angeht. Ist man eine gewisse Zeit nicht mehr mit der Airline oder einer ihrer Partner-Airlines geflogen, verfallen die Meilen. Darauf sollte man unbedingt achten. Manchmal genügt es sogar, ein paar Punkte von einer Kreditkarte wie denen von American Express auf das Airline-Meilenkonto zu übertragen, um die Lebensdauer aller Meilen auf dem Konto zu verlängern.
Reichen die Meilen für den Ticketwunsch nicht? Oft kann man dann ein paar tausend fehlende Meilen zukaufen, oder das Ticket in einer Kombination von Meilen und Geld erwerben. Leider ist Lufthansa in dieser Hinsicht besonders unflexibel – British Airways dagegen ist einer der Airlines, die es den Kunden sehr leicht machen, so zu kombinieren.
Das Meilen sammeln ist ein weitere und komplexes Feld. Die Teilnahme an den Programmen ist kostenlos, man sollte also in jedem Fall mitmachen. Der Einsatz einer passenden Kreditkarte sowie von Payback kann sinnvoll sein. Allerdings: Verzetteln Sie sich nicht – wer bei vielen Airlines jeweils nur ein paar Meilen hat, erreicht seine Ziele eher nicht. Wie sehr man allerdings eine Buchungsentscheidung davon abhängig macht, ob Airline und Ticketklasse zu den Wünschen beim Meilen sammeln passen – das kann nur jeder individuell entscheiden.