KI soll Flugzeugabfertigung am Frankfurter Flughafen beschleunigen
Fraport setzt am Frankfurter Flughafen ein KI-System zur Überwachung der Flugzeugabfertigung ein. Dadurch sollen Standzeiten verkürzt werden.
Am Flughafen Frankfurt kommt künftig ein KI-System zum Einsatz, das die Abfertigung von Flugzeugen am Boden überwacht und beschleunigen soll. Betreiber Fraport hat dafür hochauflösende Kameras an den Abfertigungspositionen installiert, deren Bildmaterial von einer KI-Lösung ausgewertet wird. Ziel ist es, die sogenannten Turnaround-Zeiten zu verkürzen – also die Phase, in der ein Flugzeug am Boden steht, bevor es wieder abheben kann.
Kameras erfassen jeden Schritt der Abfertigung
Für das Projekt werden die 180 Abfertigungspositionen in Frankfurt schrittweise mit bis zu drei 4K-Kameras pro Stellplatz ausgerüstet. Sie liefern Bildmaterial von sämtlichen Vorgängen rund um das Flugzeug – vom Andocken der Fluggastbrücke über das Beladen des Gepäcks bis zur Betankung. Eine von der Lufthansa-Tochter zeroG entwickelte Software erkennt automatisch, wann einzelne Abfertigungsschritte beginnen und enden, und speist diese Informationen in Echtzeit in die Leitsysteme des Flughafens ein.
Dadurch soll sich etwa die Bereitstellung von Tank- und Gepäckwagen besser koordinieren lassen, ohne dass Mitarbeitende Informationen per Funk austauschen oder händisch in Systeme eintragen müssen. Auch Fluggesellschaften sollen Zugriff auf ausgewählte Daten erhalten, um eigene Abläufe – etwa den Einsatz von Personal oder Fracht – daran anzupassen.
Datenverarbeitung für die KI-Abfertigung bleibt am Standort
Ein zentraler Aspekt des Systems ist der Umgang mit den anfallenden Videodaten: Statt die Aufnahmen in eine Cloud zu übertragen, verarbeitet Fraport sie direkt am Flughafen. Dafür kommen Systeme von Dell Technologies zum Einsatz, mit denen der Flughafenbetreiber bereits seit 2023 zusammenarbeitet, um seine IT-Infrastruktur zu konsolidieren. Die neuen Server laufen unter der Plattform Dell AX System for Azure Local und sind mit GPUs des Typs Nvidia L40S ausgestattet, die für die Bildauswertung benötigt werden.
Aus Redundanzgründen sind die Systeme auf zwei Cluster in getrennten Rechenzentren verteilt. Über Azure Local lassen sich die Auswertungsergebnisse anschließend in die Cloud von zeroG übertragen, wo Fraport und Airlines sie über eine separate SaaS-Anwendung abrufen können. Ein Teil der Server verfügt zudem über zusätzlichen Speicherplatz, auf dem ausgewähltes Videomaterial archiviert wird. Dieses Material soll genutzt werden, um die KI-Erkennung fortlaufend nachzutrainieren, etwa für schwierige Licht- und Wetterbedingungen.
Weniger Handarbeit, mehr Pünktlichkeit
Für Fraport steht bei dem Projekt vor allem die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund: Lange Standzeiten kosten Fluggesellschaften Geld, da ein am Boden stehendes Flugzeug keine Einnahmen erzielt. Durch die automatisierte Erfassung der Abfertigungsschritte soll sich der Personal- und Geräteeinsatz präziser planen lassen, was laut Fraport sowohl Kosten senken als auch die Pünktlichkeit verbessern soll. Gleichzeitig entfällt für die Mitarbeitenden ein Teil der bislang manuellen Koordinationsarbeit.
Wie viele der 180 Abfertigungspositionen bereits mit dem System ausgestattet sind und bis wann der vollständige Rollout abgeschlossen sein soll, teilte Fraport nicht mit. Der Flughafenbetreiber kündigte lediglich an, das Projekt schrittweise voranzutreiben.