Airbus: Auslieferungen treiben Umsatzsprung
Airbus steuert dank starkem zweiten Quartal auf ein Rekordjahr zu. Umsatz und Gewinn steigen deutlich. Doch ein Zulieferer bleibt Risikofaktor.
Airbus hat im zweiten Quartal 2026 deutlich zugelegt und damit die schwache Bilanz der ersten drei Monate des Jahres mehr als ausgeglichen. Konzernchef Guillaume Faury sieht den europäischen Flugzeugbauer nun auf gutem Weg, in diesem Jahr so viele Passagierjets wie nie zuvor auszuliefern.
Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 28 Prozent auf 20,5 Milliarden Euro. Grund für den Sprung waren vor allem die gestiegenen Auslieferungszahlen. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) wuchs um mehr als die Hälfte auf gut 2,4 Milliarden Euro, der Nettogewinn verdoppelte sich nahezu auf knapp 1,7 Milliarden Euro. Damit übertraf Airbus die durchschnittlichen Markterwartungen in allen wesentlichen Kennzahlen.
An der Börse sorgten die nachbörslich veröffentlichten Zahlen zunächst für Verkaufsdruck: Die Airbus-Aktie verlor im nachbörslichen Handel auf der Plattform Tradegate rund drei Prozent gegenüber dem Xetra-Schlusskurs. Seit Jahresbeginn steht für das Papier trotzdem noch ein Plus von etwa fünf Prozent.
Auftragsbücher prall gefüllt, Kapazitäten knapp
Die Nachfrage nach Airbus-Flugzeugen bleibt ungebrochen hoch. Ende Juni summierte sich der Auftragsbestand auf mehr als 9.200 Maschinen, ein Volumen, das den Konzern rechnerisch mehr als zehn Jahre beschäftigen würde. Auch die Nachfrage nach Militärprodukten wie dem Transporter A400M und dem Kampfjet Eurofighter zieht wieder an.
Das eigentliche Problem liegt weniger im Absatz als in der Produktion: Seit Jahren kämpft Airbus mit Triebwerksherstellern und anderen Zulieferern darum, genügend Bauteile für den Ausbau der Fertigung zu bekommen. Besonders die Mittelstreckenjets der A320neo-Familie sind auf Jahre hinaus ausgebucht, während Airlines auf neue Maschinen oft nicht so lange warten wollen. Der einzige verbliebene Großkonkurrent Boeing kann davon derzeit kaum profitieren. Der US-Hersteller steckt in einer anhaltenden Krise und darf die Produktion der 737 MAX nur schrittweise und mit behördlicher Freigabe hochfahren.
Zulieferer Pratt & Whitney offenbar im Zeitplan
Ein Wort zu seiner wiederholten Kritik an Triebwerksbauer Pratt & Whitney wollte Faury bei der Bilanzvorlage nicht mehr verlieren. Im Februar und April hatte er der RTX-Tochter noch öffentlich die Schuld gegeben, dass Airbus seine Produktion nicht schneller hochfahren könne. Für das laufende Jahr sieht der Manager den Zulieferer nun offenbar auf Kurs; man führe konstruktive Gespräche über die künftigen Liefermengen der Getriebefan-Turbinen.
Hintergrund der Spannungen ist ein Rückruf von rund 3.000 Triebwerken, den Pratt & Whitney seit 2023 wegen fehlerhaften Pulvermetalls stemmen muss. Weil die Ersatzteilproduktion Kapazitäten bindet, bleiben zahlreiche Flugzeuge monatelang am Boden. Der betroffene Antrieb treibt etwa jeden zweiten Jet der A320neo-Familie an. Am Bau ist auch der Münchner Triebwerkshersteller MTU beteiligt.
Rekordjahr im Visier
Im ersten Halbjahr lieferte Airbus 351 Verkehrsflugzeuge aus, 35 mehr als im Vorjahreszeitraum. Um das Jahresziel von rund 870 Maschinen zu erreichen, muss der Konzern im zweiten Halbjahr deutlich zulegen. Damit würde der bisherige Bestwert von 863 Auslieferungen aus dem Jahr 2019 fallen.
Auch beim Gewinn peilt Faury eine Bestmarke an: Das bereinigte operative Ergebnis soll von 7,1 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf rund 7,5 Milliarden Euro in diesem Jahr steigen. Nach dem ersten Halbjahr stehen erst gut 2,7 Milliarden Euro in den Büchern. Mittelfristig sind die Ziele noch ambitionierter: Bis 2029 soll der bereinigte operative Gewinn auf 12 bis 13 Milliarden Euro klettern.