Die viertgrößte Stadt Dänemarks punktet mit dänischem Design, moderner Architektur und einem schicken Hafenbad. Und wer Muße hat, kann sich von Bäumen etwas vorsingen lassen.

Zwei volle Tage Stadt plus eine Woche am Meer. Das ist für viele Reisende im Sommer eine perfekte Kombination: Man stillt je nach Vorliebe seinen Hunger nach Kunst, Geschichte oder Design und erholt sich anschließend in einem Ferienhaus am Meer.

Dabei muss es nicht immer die – häufig eh schon überlaufene – Hauptstadt eines Landes sein. Es lohnt sich, die kleineren und noch unbekannten Metropolen ins Auge zu fassen. Aalborg in Dänemark ist so ein Kleinod: Die Studentenstadt mit ihren rund 120 000 Einwohnern hat mit Utzon Center, Hafenbad und Konzerthaus («Musikkens Hus») nicht nur Top-Sehenswürdigkeiten – viele der Attraktionen befinden sich auch direkt an der reizvollen Hafenpromenade am Wasser.

Erinnerungen an ein weltberühmtes Opernhaus

Architektur-Interessierte und Fans des nordischen Designs werden in Aalborg im Utzon Center glücklich. Namensgeber dieses Wissenszentrums ist Jørn Utzon. International berühmt wurde der Architekt mit seinem Entwurf für das Opernhaus in Sydney.

Wer auf den am Limfjord gelegenen Bau zuschlendert, erkennt sofort das Dach – nur eben drei Nummern kleiner als die weltberühmte Oper in Australien. Die in der Sonne glänzenden Segel sind typisch für den 2008 verstorbenen Architekten.

Die Dauerausstellung über Leben und Schaffen Jørn Utzons sowie Wechselausstellungen ziehen alle Register digitaler Ausstellungskunst samt Mitmach-Optionen. Auch für den Nachwuchs gibt es dort viel zu tun. Kleinere Kinder können in einer Art Spielzimmer namens «Mini Maxi» erkunden, wie wichtig die absolute Größe eines Gebrauchsgegenstands ist.

Größere Kinder können ihre eigenen Legobauten kreieren und dank Virtual-Reality-Brille in Minecraft damit hantieren. «Wir versuchen in jeder Ausstellung auch etwas für Kinder anzubieten, etwas, was sie anfassen oder bauen können», erklärt Amalie Vinther Zahle, Kuratorin des Utzon Center und selbst Architektin.

Von der Kletterwand ins Wasser springen

Nur wenige Gehminuten vom Utzon Center entfernt befindet sich das 2011 eröffnete Hafenbad mit Sprungturm und Kletterwand. Der Eintritt ist frei, Besucher sonnen sich – in Aalborg durchaus wichtig – windgeschützt auf Holz-Paneelen.

In insgesamt vier Becken können sich Badelustige direkt im Limfjord abkühlen oder von der Kletterwand hinein plumpsen lassen. Ein idealer Zwischenstopp, um sich von Kunst und Kultur zu erholen und mitreisende Kinder glücklich zu machen.

Ein Konzerthaus mit Ausblick

Darf es danach wieder Sightseeing sein? Das 2014 eröffnete Musikkens Hus ist nicht nur für Anhänger des Sichtbetons ein Hingucker. Tipp: Erst das Gebäude von außen bestaunen, dann reingehen und das schlicht-edle Innendesign bewundern.

Unbedingt die geschwungene Treppe empor steigen und von dort auf den Limfjord und das gegenüberliegende Ufer mit viel Industrie- und Hafenarchitektur schauen.

Aalborg war einst eine reine Industriestadt und beheimatet heute noch den größten Hersteller von Weißzement im Land: Aalborg Portland. Direkt neben dem Konzerthaus stehen einige schick aussehende Wolkenkratzer – das sind Aalborgs Studentenwohnheime.

Street Art an den Wänden

Rund 70 wetterfeste Wandmalereien verzieren in Aalborg ursprünglich langweilige Hausfassaden. Die Künstlerinnen und Künstler kommen aus der ganzen Welt. Wer mag, entdeckt die Kunstwerke auf eigene Faust oder mit einer Führung.

Es findet sich auch die eine oder andere in die Jahre gekommene Waschmittelwerbung. Die zählt natürlich offiziell nicht zur Street Art, ist aber historisch dennoch interessant.

Singende Bäume auf dem Weg ins Museum

Das bedeutendste Museum in Aalborg heißt Kunsten. In dem hellen, von Tageslicht durchdrungenen Gebäude liegt der Schwerpunkt auf dänischen Künstlern und Designern des 20. Jahrhunderts. Auch ein Garten mit Kunstwerken und ein nettes Café gehören dazu. Das Museum liegt etwas außerhalb, vom Stadtzentrum aus dauert es zu Fuß etwa 20 Minuten.

Auf dem Weg passiert man den weitläufigen Kildeparken und kann dabei die singenden Bäume mit Musik von Cliff Richard, Helene Fischer oder Andrea Berg zum Trällern bringen. Tatsächlich haben schon mehr als 70 Künstler jeweils «ihren» Baum in Reih und Glied gepflanzt. Vor jedem steht ein Lautsprecher mit Knopf. Einfach drücken und schon ertönt zum Beispiel Cliff Richards Evergreen «Congratulations».

Essen in Aalborg

Wer eine Stärkung braucht, sollte tagsüber unbedingt im Penny Lane einkehren. Das gemütliche Café hat unendlich viele leckere Törtchen und Teilchen im Angebot, es gibt aber auch Salate und Sandwiches. Ebenfalls gut ist der Mittagstisch im obersten Stock des Kaufhauses Salling – schöner Blick von der stylishen Dachterrasse inklusive.

Am Abend gibt es im Azurra Nordkraft günstiges und leckeres italienisches Essen. Industrieromantik erhält man gratis dazu: Das Restaurant befindet sich in einem ehemaligen Kraftwerk samt Kulturzentrum.

Wer gerne von Stand zu Stand pilgernd verschiedene Länderküchen ausprobiert, wird in einer riesigen Industriehalle abseits der City fündig. Dort gibt es unter dem Dach von «Aalborg Streetfood» etwa ein Dutzend Essensstände. Das Streetfood samt Getränken ist zwar nicht günstiger als ein Restaurantbesuch, aber originell.

Tipp: Das Entenfleisch der «Duck-Burger» zergeht auf der Zunge. Ansonsten ist dort von Fish and Chips über Indisch und Sushi bis zum Thai-Curry alles zu finden. Auch jede Menge Flipper- und Glücksspielautomaten finden sich in der Halle.

Info-Kasten: Aalborg

Anreise: Aalborg hat einen Flughafen, der von Deutschland zum Beispiel von KLM via Amsterdam angeflogen wird. Per Auto folgt man der Autobahn A7/E45 nach der Grenze immer weiter gen Norden – von Flensburg sind es rund 300 Kilometer. Auch mit dem Zug, etwa via Hamburg und Aarhus, ist Aalborg gut erreichbar.

Übernachtung: Vom einfachen Hostel über Budget- bis hin zum Premium-Hotels gibt es in jeder Preisklasse Zimmer.

Bezahlen: Das funktioniert in Dänemark, ähnlich wie im Nachbarland Schweden, weitgehend bargeldfrei. Am günstigsten bezahlt man in der Regel per Kreditkarte, da sich dort die Gebühren für den Währungstausch in dänische Kronen in Grenzen halten.

dpa