Ab 2046 könnten fossile Kraftstoffe in der EU vollständig durch „grüne“, sogenannte eFuels ersetzt werden. Das sagt eine gemeinsame Studie der eFuel Alliance und von Porsche Consulting

Seit Jahren wird darüber geredet, dass nachhaltige Flugkraftstoffe (Sustainable Aviation Fuel, kurz SAF) und vor allem das aus grünem Strom und CO2 aus der Luft produzierte eSAF der künftige Treibstoff für den überwiegenden Teil des Luftverkehrs sein soll. Doch bislang hat sich zumindest in Europa zu wenig getan. Was nötig wäre, um die zahlreichen Projekte zu fördern, und wo bereits heute in größeren Ausmaß eFuel produziert wird, das zeigt eine kürzlich von der eFuel-Alliance und Porsche Consulting gemeinsam veröffentlichte Studie.

eSAF, eFuel
Um die globalen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, muss die Produktionskapazität von eSAF drastisch erhöht werden. Bild: eFuel Alliance

Demnach sind über 500 Wasserstoff- und eFuels-Projekte weltweit geplant. Davon zielen rund 300 auf die Dekarbonisierung des Verkehrssektors ab. Von diesen sind jedoch bislang nur sechs Prozent final finanziert. Die Studie stellt dazu fest, dass die Schere zwischen Angebot und Nachfrage durch „eine zuverlässige Regulatorik“ zu schließen ist. Die übrigen 200 Projekte konzentrieren sich auf die Produktion von grünem Ammonium für die Industrie. Von den rund 300 Projekten, die an der Dekarbonisierung des Transports arbeiten, widmen sich achtzig Prozent der Herstellung von eMethanol. Dieses eignet sich als Grundlage für die Weiterverarbeitung zu eFuels für die Luft- und Seefahrt sowie den Straßenverkehr.

Dr. Monika Griefahn ist Vorsitzende des Wirtschaftsverbands eFuel-Alliance. Bild: eFuel Alliance

Dr. Monika Griefahn, Vorstandsvorsitzende der eFuel-Alliance, erklärt, dass der EU-Markt für erneuerbare Kraftstoffe bis zum Jahr 2045 ein Volumen von mehr als 200 Miliarden Liter „Benzinäquivalent“ erreichen kann. Die entsprechende Menge synthetischen Sprits hätte dann den Energiegehalt dieser Benzinmenge. Das setzt jedoch voraus, dass das volle industrielle Potenzial ausgeschöpft werde, so die Studienverfasser.

In China hingegen befinden sich große eMethanol-Anlagen bereits im Einsatz oder im Bau. Sie nutzen für die Produktion kostengünstigen Ökostrom und sollen im Jahr 2030 rund 18 Prozent der weltweiten eMethanol-Menge produzieren. Die chinesische Regierung nutzt diesen Weg explizit zur Verringerung der Ölabhängigkeit und zur Dekarbonisierung der Straßenmobilität und der Schifffahrt. Aber auch in Europa gibt es aufstrebende Akteure im Bereich der eFuels-Produktion, wie die global expandierende European Energy mit Sitz in Dänemark.

Der Luftverkehr bleibt auf flüssige Kraftstoffe angewiesen

Die Europäische Union geht davon aus, dass im Jahr 2040 noch rund 37 Prozent der Pkw, 62 Prozent der Lkw und Busse sowie mehr als 80 Prozent der Schiffe und Flugzeuge auf flüssige Kraftstoffe angewiesen sind. „Bezahlbar werden eFuels durch die industrielle Produktion – und die erreichen wir bis 2045, wenn die Politik dies ermöglicht. Unsere Industrie steht bereit“, kommentiert Ralf Diemer, Hauptgeschäftsführer der eFuel Alliance. Doch sieht die Realität momentan noch anders aus. So fordert der Verband, die Nachfrage durch hohe eFuel-Quoten, neue Produktionskriterien oder fiskalische Instrumente anzukurbeln.