Europäischer Luftverkehr: Wachstum trotz geopolitischer Spannungen
Europas Flughäfen verzeichnen trotz Nahost-Konflikt weiteres Wachstum. Deutschlands Airports bleiben jedoch hinter dem europäischen Durchschnitt zurück.
Der europäische Luftverkehr zeigt sich auch im Frühjahr 2026 erstaunlich robust. Trotz des eskalierenden Nahost-Konflikts und zahlreicher Umleitungen im internationalen Flugverkehr legten die Passagierzahlen an Europas Flughäfen im März weiter zu. Nach aktuellen Zahlen des Flughafenverbands ACI Europe stieg das Aufkommen europaweit um 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Deutschland konnte mit dieser Entwicklung allerdings erneut nicht Schritt halten.
Europäischer Luftverkehr: Deutschland unter dem Durchschnitt
Die deutschen Flughäfen erreichten im März lediglich ein Wachstum von 3,1 Prozent. Damit blieben sie hinter dem europäischen Mittelwert zurück. Noch schwächer entwickelten sich Großbritannien mit 2,8 Prozent und Frankreich mit 1,2 Prozent.
Als Ursache sehen Branchenvertreter vor allem die steigenden staatlichen Belastungen im Luftverkehr. Insbesondere höhere Luftverkehrsteuern und zusätzliche Gebühren bremsen nach Einschätzung von ACI Europe die Nachfrage in mehreren großen Märkten. Während Airlines ihre Kapazitäten in wachstumsstärkere Regionen verlagern, geraten klassische Luftverkehrsstandorte wie Deutschland zunehmend unter Druck.
Die Folgen zeigen sich auch an den großen deutschen Drehkreuzen: Der Flughafen Frankfurt verzeichnete im März lediglich ein Plus von 2,1 Prozent, München kam auf 1,4 Prozent Wachstum. Beide Hubs liegen damit deutlich hinter mehreren südeuropäischen Wettbewerbern.
Europäischer Luftverkehr profitiert von Südeuropa
Deutlich dynamischer entwickelte sich der Markt in Südeuropa. Italienische Flughäfen steigerten ihr Passagieraufkommen um 4,8 Prozent, Spanien erreichte ein Wachstum von 3,9 Prozent. Besonders Ferienziele rund um das Mittelmeer profitieren weiterhin von einer hohen touristischen Nachfrage sowie einer starken Präsenz von Low-Cost-Airlines.
Auch einzelne kleinere Märkte legten überraschend stark zu. Die Slowakei verzeichnete im März einen außergewöhnlichen Zuwachs von mehr als 130 Prozent. Slowenien und Dänemark meldeten ebenfalls zweistellige Wachstumsraten.
Dagegen erlitt Zypern einen deutlichen Rückgang. Hintergrund war offenbar die mediale Aufmerksamkeit rund um einen Drohnenvorfall nahe einer britischen Militärbasis. Obwohl die Sicherheitslage vor Ort stabil blieb, reagierten Reisende sensibel auf die Berichterstattung.
Nahost-Konflikt beeinflusst Flugverkehr nur begrenzt
Bemerkenswert bleibt die Stabilität des europäischen Luftverkehrs trotz des seit Ende Februar andauernden Kriegs im Nahen Osten. Viele Airlines mussten Verbindungen in die Region einstellen oder Flugrouten kurzfristig anpassen. Dennoch blieb ein größerer Nachfrageeinbruch aus.
Nach Einschätzung von ACI Europe wurden zahlreiche Verkehrsströme nach Asien schnell auf alternative Strecken umgeleitet. Davon profitierte teilweise sogar der innereuropäische Verkehr, da zusätzliche Umsteigeverbindungen innerhalb Europas entstanden.
Deutlich sichtbar sind die Auswirkungen allerdings in Israel: Die dortigen Flughäfen verzeichneten im März einen massiven Passagierrückgang von mehr als 86 Prozent.
Istanbul und Heathrow führen Europas Großflughäfen an
Unter Europas größten Luftverkehrsdrehkreuzen zeigten insbesondere die türkischen Airports eine starke Entwicklung. Die beiden Istanbuler Flughäfen legten um mehr als sieben Prozent zu und zählen damit aktuell zu den wachstumsstärksten Hubs Europas.
London Heathrow behauptete gleichzeitig seine Position als größter Flughafen Europas. Mit rund 6,6 Millionen Passagieren blieb das britische Drehkreuz im März der verkehrsreichste Airport des Kontinents. Auch Madrid und Barcelona entwickelten sich positiv. London Gatwick hingegen gehörte zu den wenigen großen Flughäfen mit rückläufigen Zahlen.
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