«Good Morning, California»: Solarflieger bezwingt Pazifik

24.04.2016

Mit der Pazifiküberquerung ist die schwierigste Strecke geschafft, doch es gibt noch weitere Hürden. Bild: shutterstock

Seit einem guten Jahr ist er unterwegs, neun von dreizehn Etappen liegen jetzt hinter ihm: Der Schweizer Sonnenflieger «Solar Impulse 2» hat den Pazifik überquert und wird in Silicon Valley gefeiert.

San Francisco/Mountain View (dpa) - Sonnenuntergang über der rot leuchtenden Golden-Gate-Brücke: Die Kulisse und das Timing für den Anflug von «Solar Impulse 2» in Kalifornien könnten nicht besser sein. Nach knapp drei Tagen, fast bewegungslos im winzigen Cockpit eingeschlossen, hat Bertrand Piccard immer noch nicht genug. Langsam zieht er eine Extra-Runde über San Franciscos ikonischer Brücke - ein Postkartenbild für die neunte Etappe der abenteuerlichen Mission.

Stolz strahlt der Schweizer Pilot nach der Landung: Normalerweise kommen Schiffe aus dem Westen nach Amerika, nun hat zum ersten Mal ein Solarflugzeug die Golden Gate überflogen.

Die Landung absolviert der dreifache Vater auf dem Moffett Airfield im Herzen des Tech-Mekkas Silicon Valley, einen Katzensprung vom Google-Hauptquartier in Mountain View entfernt. «Ein bisschen holperig» sei er heruntergekommen, entschuldigt sich Piccard.

«Wunderbare Landung», lobt hingegen Google-Mitbegründer Sergey Brin, der dem Schweizer kurz vor Mitternacht mit Hunderten Besuchern einen jubelnden Empfang bereitet. Piccard gibt ein Lob an Brin zurück. Silicon Valley habe denselben Pioniergeist wie das Solar-Team.

Nach fast drei Tagen Flug, mit höchstens 20-minütigen Schlafpausen, ist Piccard die Erschöpfung nicht anzusehen. Mit einem aufgekratzten «Good Morning, California» steigt er aus dem Cockpit, allerdings mit langsamen Schritten. In der gerade mal 3,8 Quadratmeter kleinen Pilotenkanzel konnte er quasi nur sitzen oder liegen.

Mehr als 4300 Kilometer von Hawaii bis Kalifornien hat er so zurückgelegt, doch von Strapazen und Entbehrungen will der Flugpionier nichts wissen. «Ich war absolut voll von Glück», sagt er der Deutschen Presse-Agentur. «Die schönsten Momente waren bei Vollmond, völlig allein über dem strahlenden Pazifik, mit dem Gefühl von totalem Vertrauen und innerem Frieden.»

Er wünsche sich, dass alle Menschen so etwas erleben könnten, sich auf Abenteuer einlassen, mutiger werden und die Zukunft verändern, statt sie zu fürchten. Piccard ist Spross einer prominenten Forscherfamilie: Sein Großvater stieg 1931 mit einem Ballon in die Stratosphäre auf. 1953 tauchte er mit einem U-Boot mehr als 3100 Meter unter der Meeresoberfläche. Piccard machte schon 1999 Schlagzeilen, als er mit dem Briten Brian Jones in einem Ballon im Non-Stop-Flug die Erde umrundete.

Bei dem nur mit Sonnenenergie angetriebenen Flug um die Welt wechselt sich Piccard mit seinem Landsmann André Borschberg (63) bei den einzelnen Etappen ab. Der hatte im vorigen Juli auf dem fast 8300 Kilometer langen Flug von Japan nach Hawaii mit fünf Tagen und fünf Nächten einen Rekord für den längsten Soloflug aufgestellt. «Es ist so eine tolle Erfahrung, dass selbst fünf Tage zu kurz sind», sagte Borschberg augenzwinkernd der dpa. «Ich bin mir sicher, Bertrand wäre auch gerne noch länger geflogen.»

Der nächste Zielflughafen könnte Phoenix sein, der Abflug hängt vom Wetter ab, sagte die Sprecherin Elke Neumann. Nach einem weiteren Zwischenstopp soll es dann über New York und den Atlantik nach Frankreich und zurück ins Golfemirat Abu Dhabi gehen, wo «Solar Impulse 2» im März 2015 gestartet war. Mit der Pazifiküberquerung ist die schwierigste Strecke geschafft, doch es gibt noch weitere Hürden. «Das Wetter in den USA ist sehr unbeständig und wir müssen noch über die Rocky Mountains hinweg», erklärt Neumann.

Barbara Munker, dpa

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