18.04.2016

Über den Wolken ist die Freiheit nicht grenzenlos. Auch nicht für tausende Hobby-Piloten mit ihren Drohnen. Nach einem Zwischenfall in London müssen sie sich wohl auf schärfere Regeln einstellen.

Frankfurt/Main (dpa) – Nun soll am Londoner Flughafen Heathrow passiert sein, womit Experten schon seit längerem gerechnet haben. Ein unbemanntes Flugobjekt soll mit einem Passagierjet der British Airways zusammengestoßen sein, die Kollision verlief zwar glimpflich, wirft aber gleichzeitig ein grelles Schlaglicht auf eine noch weitgehend ungeregelte Dauergefahr im Luftverkehr. Denn möglicherweise verursachte eine Drohne den Zwischenfall in London.

Noch kann sich in Europa jedermann eine Drohne kaufen und sofort unkontrolliert am Himmel loslegen. Die wenigen existierenden Vorschriften sind vielen Hobby-Piloten unbekannt und können auch leicht umgangen werden.

Immer wieder ist es in den vergangenen Monaten zu Beinahezusammenstößen von Drohnen mit Verkehrsflugzeugen gekommen. Allein für den deutschen Luftraum berichtet die Deutsche Flugsicherung (DFS) von zwölf Drohnensichtungen durch Piloten in den vergangenen 15 Monaten.

Die US-amerikanische Behörde FAA spricht sogar von hunderten Zwischenfällen. «Die überwiegende Zahl von Drohnen wird von Laien betrieben, die oft keinerlei Vorstellung vom Luftverkehr haben oder die Risiken grob unterschätzen oder sogar negieren», klagt die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit.

An Flughäfen ist das Problem besonders augenscheinlich: «Die größte Gefahr besteht darin, dass Drohnen von den Triebwerken eingesaugt werden. Insbesondere bei Start und Landung kann das verheerende Folgen haben», sagt Jörg Lamprecht, Chef des Kasseler Unternehmens Dedrone, das sich auf die Entdeckung unerwünschter Flugobjekte spezialisiert hat.

Die staatlichen Kontrolleure reagieren bislang eher hilflos auf die private Armada. Etwa 400 000 Drohnen sind in Deutschland bereits verkauft worden, weltweit waren es nach Branchenangaben allein im vergangenen Jahr rund 4 Millionen Stück. Lediglich anhand von ins Internet gestellten Drohnenfilmen versucht beispielsweise die niedersächsische Luftaufsicht, einzelnen Piloten Verstöße etwa zur Flughöhe nachzuweisen. Als verbotene Königsdisziplin gilt, das Flugobjekt allein anhand der aufs Handy übertragenen Livebilder der Bordkamera zu navigieren. Eigentlich muss der Pilot sein Gerät jederzeit im Blick haben.

«Leave your drone at home – Lass deine Drohne zuhause», twittert die US-Flugaufsichtsbehörde FAA, die am Wochenende die Kirschblütenparade in Washington zur «#NoDroneZone» erklärt hatte. In Kalifornien musste die Feuerwehr laut Medienberichten bereits Löschflüge abbrechen, weil zu viele private Flugkameras in der Luft waren. Schneller als die Europäer haben die Amerikaner daher auf den Boom reagiert und im vergangenen Dezember eine verpflichtende Registrierung für die Eigner von unbemannten Flugobjekten ab 250 Gramm Gewicht eingeführt.

Neben dem Privatvergnügen tausender Hobby-Piloten gilt die unbemannte Luftfahrt als zukunftsträchtiger Markt für kommerzielle Anwendungen. Konzerne wie Amazon, Walmart oder die Deutsche Post experimentieren mit Drohnen zur Warenauslieferung, Infrastrukturunternehmen wollen ihre Anlagen künftig aus der Luft kontrollieren. Die Lufthansa bietet sich über eine Tochter als Dienstleister an, wenn es beispielsweise darum geht, Betriebsgelände, Kraftwerke oder Windkraftanlagen per professionell ferngelenkter Kamera genau zu untersuchen.

Die Europäer haben das Problem zwar erkannt, stecken aber noch in der Bürokratie fest. So haben die EU-Verkehrskommissarin, der deutsche Verkehrsminister wie auch der Chef der Deutschen Flugsicherung ein Register für Drohnenpiloten befürwortet. Auch ein online abzulegender Führerschein ist angekündigt, was nach Erwartung der Experten immerhin zu einem Rückgang ungewollter Verletzungen der Schutzzonen rund um Flughäfen oder Menschenansammlungen führen würde.

Die Abwehr unerwünschter Flugobjekte ist auch angesichts möglicher Terroranschläge zu einem aussichtsreichen Geschäftsfeld geworden. So hat sich das Startup Dedrone darauf spezialisiert, Drohnen in kritischen Zonen überhaupt erst einmal zu entdecken und dann Alarm auszulösen. «Wir können Drohnen von Vögeln unterscheiden», sagt Sprecherin Friedrike Nielsen. Das Unternehmen aus Hessen sucht inzwischen auch mit einer Dependance in San Francisco nach Partnern, um die Drohnenabwehr zu organisieren.

Verantwortungsvolle Drohnen-Hersteller programmieren zudem in ihre Software gleich die Flugverbotszonen mit ein (Geo-Fencing), was sich allerdings längst nicht in jedem Gerät findet und auch von Kundigen abgeschaltet werden könnte. Ebenfalls wirksam und etwa bei politischen Gipfeltreffen erprobt sind Störsender, die Funk- und GPS-Signale der Drohnen zerhacken, allerdings auch zahlreiche andere Geräte negativ beeinflussen. Ein Dauereinsatz ist daher nur für wenige Orte vorstellbar, wie zum Beispiel rund um Gefängnisse.

Christian Ebner, dpa