Die Vereinigung Cockpit bereitet bei Lufthansa Cityline eine Urabstimmung vor. Hintergrund sind gescheiterte Gehaltsverhandlungen und Forderungen nach elf Prozent mehr Vergütung.

Die Tarifauseinandersetzung bei Lufthansa CityLine spitzt sich weiter zu. Nach jüngsten Arbeitskämpfen bei der Kernmarke Lufthansa und bei Lufthansa Cargo erhöht nun die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) den Druck auf die Konzernführung. Bei der Regionaltochter sollen die Mitglieder in einer Urabstimmung darüber entscheiden, ob sie den Weg für Streikmaßnahmen freimachen.

Aus Sicht der Gewerkschaft sind die Verhandlungen über einen neuen Vergütungstarifvertrag gescheitert. Eine Entscheidung über die Einleitung der Urabstimmung wird kurzfristig erwartet. Damit könnte sich der Tarifkonflikt bei der Lufthansa-Tochter deutlich verschärfen.

Lufthansa Cityline: Verhandlungen ohne Durchbruch

Seit dem Sommer 2025 ringen Arbeitgeber und Arbeitnehmervertretung um eine Anpassung des Vergütungstarifvertrags für die Cockpitbesatzungen. Nach Darstellung der VC blieb die Arbeitgeberseite jedoch bei ihrer Linie: Jede Erhöhung der Gehälter müsse an anderer Stelle kompensiert werden.

Die Gewerkschaft weist diesen Ansatz zurück. Aus ihrer Sicht sind sachfremde Themen, etwa strategische Konzernentscheidungen, nicht Teil der Entgelttarifverhandlungen. Die Pilotinnen und Piloten stünden in einem aktiven Arbeitsverhältnis und erbrächten täglich ihre Leistung im Flugbetrieb. Entsprechend müsse die Vergütung unabhängig von Konzernumbauplänen verhandelt werden.

Kernpunkt im möglichen Lufthansa Cityline Streik ist die Forderung nach einer stufenweisen Gehaltserhöhung. Konkret verlangt die VC eine Anpassung der aktuellen Vergütungstabellen um jeweils 3,3 Prozent zu drei Stichtagen: rückwirkend ab Februar 2024 sowie zu Jahresbeginn 2025 und 2026. In der Summe entspräche dies einer Steigerung von rund elf Prozent.

Die Gewerkschaft argumentiert, dass diese Forderung angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung und der steigenden Lebenshaltungskosten angemessen sei. Zudem verweist sie auf die hohe Verantwortung im Cockpit und die Bedeutung stabiler Arbeitsbedingungen für die Flugsicherheit.

Konzernumbau verschärft Lage

Besonders komplex wird die Situation durch den strategischen Umbau innerhalb des Lufthansa-Konzerns. Die Regionaltochter wird schrittweise verkleinert, während Teile der Hubvernetzung in München und Frankfurt auf die neue Gesellschaft City Airlines übertragen werden sollen. Diese ist bislang nicht tarifiert.

Aus Gewerkschaftssicht darf dieser Strukturwandel keinen Einfluss auf laufende Tarifgespräche haben. Gleichwohl sorgt die Perspektive einer möglichen Verlagerung von Verkehrsleistungen für zusätzliche Unsicherheit bei den Crews. Beobachter gehen davon aus, dass genau diese Gemengelage die Verhandlungen zusätzlich belastet.

Sollte die Urabstimmung die erforderliche Zustimmung für Arbeitskampfmaßnahmen bringen, wären Auswirkungen auf den regionalen Zubringerverkehr nicht ausgeschlossen. Lufthansa CityLine übernimmt vor allem Verbindungen innerhalb Europas und speist die Drehkreuze Frankfurt und München.

Ein Streik könnte daher nicht nur Punkt-zu-Punkt-Verbindungen betreffen, sondern auch Umsteigeverkehre im Netzwerk tangieren. Für den Konzern wäre ein weiterer Arbeitskampf in kurzer Zeit eine zusätzliche Herausforderung – operativ wie kommunikativ.