Ein Jahr Corona-Krise haben am Eigenkapital der Lufthansa gezehrt. Auf der Hauptversammlung sucht das Management einen Weg, die teure Staatshilfe möglichst nicht ziehen zu müssen.

Nach dem wohl schwierigsten Geschäftsjahr der Firmengeschichte tritt der Lufthansa-Vorstand an diesem Dienstag (10.00 Uhr) vor die Aktionäre. Bei der erneut nur im Internet abgehaltenen Hauptversammlung steht der Rekordverlust von 6,7 Milliarden Euro aus dem Vorjahr genauso zur Diskussion wie der Kurs aus der Corona-Krise. Eine Dividende für die Aktionäre soll es angesichts des immer noch geringen Flugverkehrs erneut nicht geben.

Nach der Rettung mit 9 Milliarden Euro Staatshilfe ringt der Konzern um seine Eigenständigkeit. Der Vorstand will sich von den Eigentümern einen Vorratsbeschluss beschaffen, um zu einem noch unbekannten Zeitpunkt bis zu 5,5 Milliarden Euro neues Eigenkapital aufnehmen zu können, was die Anteile der Alteigentümer verwässern würde.

Insbesondere die stillen Einlagen des Bundesrepublik will die Lufthansa wegen der mittelfristig hohen Kosten eigentlich nicht ziehen. Vorstandschef Carsten Spohr will daher in seiner Rede um die Zustimmung der Aktionäre werben.

Im Vorfeld haben die genossenschaftliche Fondsgesellschaft Union Investment und Umweltschützer größere Anstrengungen verlangt, die Umweltbelastungen durch das Fliegen zu mindern. Auf Kritik stieß auch der bereits vollzogene und der künftige Personalabbau. Union Investment will dem Vorratsbeschluss zur Kapitalerhöhung nicht zustimmen.

Die Umsätze des MDax-Konzerns waren 2020 wegen des zusammengebrochenen Flugverkehrs um 63 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro abgesackt. Das Eigenkapital schmolz auf zuletzt noch rund 2 Milliarden Euro. Bis zum Ende des ersten Quartals 2021 haben innerhalb eines Jahres rund 30 000 von einst 140 000 Mitarbeitern den Konzern verlassen. Das Catering-Geschäft in Europa wurde verkauft, die Airlines Germanwings und SunExpress Deutschland wurden geschlossen.

Der Konzern hatte in der vergangenen Woche bekräftigt, allein in Deutschland weitere 10 000 Vollzeitstellen streichen zu wollen. Ende März gab es noch 93 500 Vollzeitstellen im Konzern, von denen 52 200 auf Deutschland entfielen.

dpa ceb yyhe n1 sl