Der Iran hat sich im Fall eines abgeschossenen ukrainischen Passagierflugzeuges kritische Nachfragen einer UN-Expertin verbeten. Hintergrund ist ein jetzt veröffentlichter, 45 Seiten langer Brief von Agnes Callamard, UN-Expertin für außergerichtliche Hinrichtungen. Laut Callamard hat der Iran die Umstände beim Abschuss des Passagierflugzeugs vor gut einem Jahr bewusst verschleiert und mehrere Menschenrechtsverletzungen begangen. «Für den Flugzeugabsturz gibt es klare rechtliche Rahmen und er gehört definitiv nicht zum Aufgabenbereich einer UN-Expertin», sagte der iranische Außenamtssprecher Said Chatibsadeh am Donnerstag.

Der Brief sei unprofessionell, fehlerhaft und politisch motiviert, sagte der Sprecher. Außerdem seien solche irrelevanten Einmischungen von UN-Experten nicht konstruktiv für das weitere Prozedere des Falles, so der Sprecher laut Nachrichtenagentur IRNA.

«Die Ungereimtheiten in den offiziellen Erklärungen scheinen darauf angelegt zu sein, ein Maximum an Verwirrung und ein Minimum an Klarheit zu schaffen», sagte die UN-Expertin am Dienstag in Genf. Sie habe auf ihren Brief keine Antwort erhalten. Briefe dieser Art bleiben für 60 Tage vertraulich.

Die Maschine mit der Flugnummer PS752 war am 8. Januar 2020 von iranischen Streitkräften kurz nach dem Start in Teheran abgeschossen worden. Alle 176 Menschen an Bord kamen dabei ums Leben. Der Abschuss wurde von der iranischen Führung zunächst geleugnet. Später hieß es, das Flugzeug sei irrtümlich für eine amerikanische Rakete gehalten worden. Nach Angaben der Luftfahrtbehörde war das Radarsystem falsch ausgerichtet, was zu einem Kommunikationsfehler geführt habe. Der Absturz gehe auf einen «menschlicher Fehler» zurück. Teheran erklärte sich zwar grundsätzlich zu Schadenersatz bereit, wollte jedoch im Vorfeld alle technischen und juristischen Aspekte klären. Auch die Täter sollen bestraft werden.

Callamard zufolge waren die Erklärungen unzureichend. So sei nicht erklärt worden, warum das Radarsystem falsch ausgerichtet war. Auch sei unklar, warum Größe und Flugverhalten des Zielobjekts nicht geprüft worden seien. Plünderer seien zur Absturzstelle gelassen worden und der Platz sei später planiert worden, ohne dass Angehörige der Opfer Erinnerungsstücke erhalten hätten. Die Angehörigen seien respektlos behandelt worden.

dpa oe fmb/str xx n1 da