Beherbergungsverbote, Reisebeschränkungen, Sorgen vor einer Infektion: Corona hat die Luftfahrtbranche in eine schwere Krise gestürzt. Airbus-Chef Guillaume Faury sieht ausgerechnet darin Grund zur Hoffnung.

Die Corona-Pandemie und der geplante Abbau Tausender Jobs haben den Flugzeugbauer Airbus im Sommer tief in die roten Zahlen gerissen. Doch Airbus-Chef Guillaume Faury sieht in der wohl bisher schwersten Krise der Luftfahrtbranche Grund zur Hoffnung. Im dritten Quartal lieferte der Konzern wieder mehr Flugzeuge aus als in den ersten Monaten der Pandemie. Zudem konnte das Management den Geldabfluss im laufenden Geschäft stoppen, wie der Konzern am Donnerstag in Toulouse mitteilte. Faury hält es sogar für denkbar, die wegen der Krise gedrosselte Flugzeugproduktion im nächsten Sommer wieder ein Stück hochzufahren. Doch sicher ist das nicht.

Die Corona-Krise hat die Luftfahrt so schwer getroffen wie nur wenige andere Branchen. Wegen der Pandemie und der Reisebeschränkungen ist die Nachfrage nach Flugtickets zum größten Teil weggebrochen. Fluggesellschaften in aller Welt kämpfen ums Überleben. Neue Flugzeuge von Herstellern wie Airbus und Boeing können die meisten von ihnen im Moment kaum gebrauchen.

Airbus hat seine Flugzeugproduktion daher um rund 40 Prozent heruntergefahren und will bis kommenden Sommer rund 15 000 Arbeitsplätze abbauen. Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern laufen zwar noch, doch wegen der zu erwartenden Abfindungen legte der Konzern schon jetzt 1,2 Milliarden Euro zur Seite.

Im dritten Quartal sackte Airbus dadurch tief in die Verlustzone. Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von 767 Millionen Euro nach einem Gewinn von 989 Millionen ein Jahr zuvor. Im laufenden Geschäft brach der Umsatz wegen der gebremsten Auslieferung von Passagierjets im Jahresvergleich um 27 Prozent auf 11,2 Milliarden Euro ein. Der um Sonderkosten bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebit) sackte um 49 Prozent auf 820 Millionen Euro ab, fiel aber höher aus als von Analysten im Schnitt erwartet.

Zudem konnte das Management den Geldabfluss im laufenden Geschäft stoppen. So verbuchte das Unternehmen vor Übernahmen und Kundenfinanzierungen einen Mittelzufluss von 0,6 Milliarden Euro. Auf die ersten neun Monate gesehen belief sich das Minus aber immer noch auf 11,8 Milliarden Euro. Für das vierte Quartal peilt Faury hier mindestens eine ausgeglichene Entwicklung an.

Dabei setzt er voraus, dass es zu keinen weiteren Störungen der Weltwirtschaft, des Flugverkehrs, der konzerninternen Abläufe sowie der Flugzeugauslieferungen kommt. Allerdings hat das Management Lockdown-Maßnahmen in Deutschland und Frankreich offenbar bereits berücksichtigt. «Unsere Prognose basiert auf dem, was wir jetzt absehen können», sagte Faury in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Weitere Vorhersagen zum laufenden Geschäftsjahr – etwa zur Zahl der auszuliefernden Flugzeuge, Umsatz oder operativem Ergebnis – wollte der Manager nicht abgeben. Das ursprüngliche Ziel, in diesem Jahr 880 Verkehrsflugzeuge auszuliefern, hatte der Vorstand wegen der Krise bereits im Frühjahr gestrichen.

dpa stw/nas/mis yyfx z2 juc