Im Prozess um den Abschuss von Passagierflug MH17 über der Ostukraine im Jahr 2014 haben die Verteidiger eines russischen Angeklagten Freispruch gefordert.

Die Beweise seien unzureichend und die Ermittlungen lückenhaft, erklärten die Anwälte am Mittwoch vor dem Gericht am Amsterdamer Flughafen Schiphol. Für den gewaltsamen Tod von 298 Menschen an Bord der Boeing werden vier führende pro-russische Rebellen verantwortlich gemacht. Keiner von ihnen nimmt am Verfahren teil. Die Anklage forderte lebenslange Haft.

Der angeklagte Oleg Pulatov habe nicht den Befehl zum Abschuss erteilt und auch nicht selbst «auf den Knopf gedrückt», sagte die Anwältin Sabine ten Doesschate. Sie übte schwere Kritik an den Ermittlungen und nannte sie voreingenommen und einseitig. Die Beweise für die Herkunft der Waffe seien lückenhaft.

Die Maschine der Malaysia Airlines war im Juli 2014 über schon damals umkämpftem Gebiet in der Ostukraine abgeschossen worden. Internationale Experten und Ermittler hatten festgestellt, dass die Maschine von einer russischen Boden-Luft-Rakete vom Typ Buk abgeschossen worden war. Alle 298 Menschen an Bord wurden getötet. Da die meisten aus den Niederlanden kamen findet der Prozess auch in diesem Land statt.

Rund zwei Jahre nach Prozessbeginn schloss die Verteidigung ihr Plädoyer ab. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits zuvor lebenslange Haftstrafen für alle vier Angeklagten gefordert. Im Mai wird die Anklage noch auf die Argumente der Verteidiger reagieren. Ein Urteil wird im Herbst erwartet.

dpa