Luftverkehrsbranche: Bahn muss Gepäckprozess in den Griff bekommen

Die Bahn muss besser werden, um mehr Passagiere von Inlandsflügen auf die Schiene zu holen. Findet zumindest die Luftverkehrslobby und macht einen schwer umzusetzenden Vorschlag.

Berlin/Frankfurt (dpa) - Zur Verlagerung weiterer Inlandsflüge auf die Schiene stellt die deutsche Luftverkehrswirtschaft zusätzliche Ansprüche an die Bahn. Neben der teils noch fehlenden Schienenanbindung der wichtigen Luftdrehkreuze müsse die Bahn insbesondere beim Gepäcktransport nacharbeiten, erklärte der Branchenverband BDL am Freitag in Berlin.

Die Bahn müsse Gepäckstücke der Umsteiger entsprechend der hohen Sicherheitsanforderungen des Luftverkehrs aufnehmen und zuverlässig an die Airlines übergeben, verlangte BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow während einer Online-Pressekonferenz.

Bislang ist es auch bei zugebuchten Bahn-Zubringerfahrten nicht möglich, das Gepäck bereits am Startbahnhof aufzugeben und an den Zielort durchzuchecken. Die Passagiere können bislang ihr Gepäck erst am Flughafenbahnhof Frankfurt übergeben.

Die Deutsche Bahn lehnte die Vorschläge des BDL umgehend ab. «Es wäre unsinnig, Anlagen für die Gepäckkontrolle doppelt, das heißt im Bahnhof und im Flughafen, vorzuhalten», erklärte eine Sprecherin in Berlin. Die erfolgreiche Kooperation mit der Lufthansa bei «Lufthansa Express Rail» beweise vielmehr, dass sich die Gesamtreisezeit verkürze, wenn Fluggäste ihr Gepäck erst am Flughafen aufgeben.

Grundsätzlich sei die Einstellung von Inlandsflügen auf Verbindungen möglich, auf denen die Bahn bis zu drei Stunden benötige, erklärte der BDL. Das sei auf vielen Strecken bereits passiert. Der Verband sprach sich erneut dafür aus, den zweitgrößten deutschen Flughafen München an das Fernbahn-Netz anzuschließen.

Der BDL trat auch der Einschätzung entgegen, dass innerdeutsche Flüge häufig günstiger angeboten würden als entsprechende Bahnfahrten. Tickets zu Werbepreisen wie 19,99 Euro seien die Ausnahme. Das Einweg-Flugticket koste im Schnitt 160 Euro inklusive Mehrwertsteuer, erklärte von Randow. Das sei das Viereinhalbfache des durchschnittlichen Bahntickets (36 Euro) im deutschen Fernverkehr.

Der Verband erneuerte weitere Vorschläge für umweltverträglicheres Fliegen: So sollen den Passagieren im Buchungsprozess leichter CO2-Kompensationszahlungen angeboten werden. Die Herstellung synthetischen Kerosins müsse vorangetrieben werden. Auch müsse der europäische Luftraum weiter vereinheitlicht werden, um klimaschädliche Umwege der Flugzeuge zu vermeiden. Die Fluggesellschaften investierten in neues, effizienteres Fluggerät und nähmen weiterhin an den internationalen Programmen zum Emissionshandel teil. Nationale Alleingänge etwa zur Einführung einer CO2-Bepreisung lehnt der BDL aber weiterhin ab.

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