767-Unfall in Miami: NTSB rekonstruiert die letzten 30 Sekunden
Neue Flugschreiberdaten zum 767-Unfall in Miami zeigen: Die Piloten setzten zum Durchstarten an und brachen den Versuch wieder ab. Die NTSB-Ermittlungen laufen weiter.
Die US-Flugunfallbehörde NTSB hat neue Details zum 767-Unfall in Miami veröffentlicht. Aus den Daten des Flugschreibers ließen sich die letzten 30 Sekunden vor dem Unglück vom 6. September 2026 rekonstruieren. Betroffen war eine Boeing 767-300F, die im Auftrag von Amazon für die Fluggesellschaft 21 Air unterwegs war und auf der Landebahn 30 des Flughafens Miami aufsetzen sollte.
Instabiler Anflug vor dem Unfall in Miami
Laut NTSB berührten zunächst nur das Bugfahrwerk und das rechte Hauptfahrwerk mit einer Geschwindigkeit von 158 Knoten, umgerechnet rund 293 km/h, den Boden. Das linke Hauptfahrwerk setzte erst elf Sekunden später auf. Die Besatzung bremste zunächst, entschied sich dann jedoch anders: 15 Sekunden vor dem Unfall lösten die Piloten die Bremsen und erhöhten den Schub auf ein Niveau, das nach NTSB-Angaben einem Durchstartmanöver entsprach.
Abgebrochener Durchstartversuch endete auf der Straße
Nur vier Sekunden nach Einleitung des Durchstartversuchs verwarfen die Piloten diese Entscheidung wieder, nahmen die Schubleistung zurück auf Leerlauf und bremsten erneut. Mit noch 117 Knoten Geschwindigkeit rollte die Maschine über das Ende der Piste hinaus. Der Frachter durchbrach einen Zaun sowie Betonblockaden, querte eine vierspurige Straße und erfasste zwei besetzte Fahrzeuge. Fünf Menschen in einem Personalvan auf dem Flughafengelände kamen ums Leben, fünf weitere wurden zum Teil schwer verletzt.
Die NTSB betonte, die bisherigen Daten ließen keinen Rückschluss darauf zu, ob die Speedbrakes ausgefahren oder die Schubumkehr aktiviert wurden. Die Auswertungen im Labor und an der Unfallstelle dauern an.
NTSB will Piloten zum Unfall befragen
Als nächsten Schritt kündigte die Behörde Befragungen der beiden Piloten an: des 55 Jahre alten Kapitäns und des 37 Jahre alten Ersten Offiziers. Ermittlungsleiter Chihoon Shin erklärte, die Gespräche sollten helfen, offene Fragen zum Unfallhergang zu klären. Vor allem gehe es darum, den Ablauf an den Schubhebeln in den entscheidenden Sekunden zu rekonstruieren.
Ein endgültiger Untersuchungsbericht der NTSB mit einer offiziellen Unfallursache steht weiterhin aus.