Ryanair verlässt Bremen: Flughafen verliert jeden fünften Passagier
Ryanair zieht sich aus Bremen zurück. Dem Flughafen fehlen damit rund 400.000 Passagiere pro Jahr. Hintergründe zum Streit um Entgelte und die Folgen.
Der Flughafen Bremen verliert seine wichtigste Low-Cost-Verbindung. Ryanair hat für den Sommerflugplan 2027 keine Flüge mehr an der Weser angemeldet. Vorausgegangen war ein Streit über die Konditionen, zu denen die irische Airline den Standort nutzen wollte.
Die Bremer Landesregierung hat den Abzug am Mittwoch bestätigt. Zuerst hatte das Regionalmagazin „buten un binnen“ darüber berichtet. Für den ohnehin defizitären Flughafen ist die Entscheidung ein harter Schlag: Mit Ryanair fallen jährlich rund 400.000 Fluggäste weg, knapp 20 Prozent des gesamten Passagieraufkommens.
Ryanair: Diese Strecken fallen in Bremen weg
Noch ist die Airline in Bremen präsent. Im Winterflugplan 2026/2027 steuert sie täglich Mallorca an, dazu kommen Verbindungen nach Alicante, Málaga, Zadar und Lamezia Terme. Mit dem Ende der Wintersaison ist damit Schluss. Ob andere Anbieter die Lücke auf den Ferienrouten schließen, ist offen.
Streit um Entgelte am Flughafen Bremen
Hintergrund des Rückzugs ist ein Konflikt um Flughafenentgelte. Bremen hatte zuvor der Lufthansa finanziell nachgegeben, damit diese die 2026 gestrichenen Zubringerflüge nach Frankfurt im kommenden Jahr wieder aufnimmt, wenn auch in reduziertem Umfang. Kurz darauf soll Ryanair ähnliche Zugeständnisse eingefordert haben.
Aus dem Ressort von Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) heißt es laut „n-tv“, die Airline habe die Infrastruktur des Flughafens praktisch ohne Gegenleistung nutzen wollen. Man habe sich bereits deutlich bewegt, irgendwann sei jedoch eine Grenze überschritten gewesen.
Die Zahlen, die „buten un binnen“ nennt, erklären die harte Haltung Bremens: Die Forderungen der Ryanair hätten die Kosten des Flughafens um rund vier Millionen Euro pro Jahr erhöht. Dem standen zuletzt Umsätze von lediglich etwa drei Millionen Euro gegenüber, die der Airport mit der Airline erzielte. Unter dem Strich hätte Bremen mit jedem Ryanair-Flug also draufgezahlt.
Flughafen Bremen unter Spardruck
Die finanzielle Lage des Flughafens ist angespannt. Nach Angaben des Aufsichtsrats ist das Defizit zuletzt auf 13 Millionen Euro gestiegen. Aufsichtsratschef Kai Stührenberg (Linke) nannte den Verlust der Airline gegenüber dem Regionalmagazin „massiv ärgerlich“, zumal er in eine ohnehin schwierige Phase falle.
Eine Existenzgefahr sieht Stührenberg dennoch nicht. Der Flughafen sei im Grundsatz überlebensfähig, betonte er. Die bestehenden Sparprogramme sollen allerdings verschärft werden. Dafür will der Aufsichtsrat eigens einen Sanierungsgeschäftsführer einsetzen.
Ryanair dünnt Deutschland-Angebot weiter aus
Bremen reiht sich in eine längere Liste deutscher Standorte ein, an denen Ryanair ihr Angebot zusammenstreicht. Die Airline kürzte bereits in Hamburg und Berlin ihr Programm. Als Begründung verweist der Konzern seit Jahren auf Standortkosten, die in Deutschland im europäischen Vergleich zu hoch seien, darunter Luftverkehrsteuer, Sicherheits- und Flugsicherungsgebühren.
Für Regionalflughäfen wie Bremen verschärft sich damit ein strukturelles Problem: Ohne Low-Cost-Carrier fehlt ein großer Teil des Verkehrs, mit ihnen drohen Konditionen, die sich kaum rechnen. Bremen hat sich in diesem Fall gegen das Verlustgeschäft entschieden und muss nun zeigen, dass der Flughafen auch ohne Ryanair wirtschaftlich tragfähig ist.
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