Lufthansa Group: Umsatz gesteigert, Verlust verringert
Die Lufthansa Group präsentierte heute die Ergebnisse des ersten Quartals 2026. Gestiegene Kosten aufgrund der Krise in Nahost drücken den Rekordumsatz. Unterm Strich stehen rote Zahlen. An der Prognose fürs Gesamtjahr wird festgehalten. Die Details.
Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa Group, ist angesichts der Ergebnisse im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres zufrieden: Der Konzernumsatz stieg um acht Prozent auf 8,7 Milliarden Euro – ein neuer Rekordwert für ein erstes Quartal. Und: „Wir konnten das finanzielle Ergebnis des Vorjahres beim Adjusted EBIT um 110 Millionen Euro und beim Konzernergebnis um 220 Millionen Euro deutlich verbessern.“
Zugegeben, unterm Strich steht immer noch ein operativer Verlust von 612 Millionen Euro. Doch dabei müsse man bedenken, dass sich das Umfeld für die Branche in den vergangenen Wochen durch den Krieg am Golf und den daraus resultierenden operationellen Einschränkungen sowie den enorm gestiegenen Treibstoffkosten massiv verändert habe, so Spohr weiter.
Kann Lufthansa die Krise meistern?
Lufthansas Group-CEO betont: „Die anhaltende Krise im Mittleren Osten stellt den globalen Luftverkehr vor enorme Herausforderungen. Wir sind jedoch stets aus Krisen gestärkt hervorgegangen. Und wir sind überzeugt, dass uns das auch jetzt gelingen wird. Lufthansa ist resilienter als viele Wettbewerber.“
Beispielsweise sei der Konzern zu mehr als 80 Prozent gegen Preisschwankungen beim Treibstoffkauf für die Passagierairlines allein in diesem Jahr abgesichert, „und 40 Prozent sind bereits für das kommende Jahr gehedgt“, so Spohr. Zum anderen biete die Multi-Hub und Multi-Airlinestruktur der Lufthansa Group die nötige Flexibilität, um das Netzwerk schnell an eine veränderte Nachfrage anzupassen.
Haben Lufthansa und Co. ihr Angebot reduziert?
Die Netzwerk-Airlines der Gruppe haben ihr Angebot im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres nahezu stabil gehalten. Einem leichten Plus im Langstreckenverkehr stehen kleinere Kapazitätsreduzierungen im Kurz- und Mittelstreckensegment gegenüber. Die Auslastung stieg bei Lufthansa, Swiss und Co. auf 81,9 Prozent, und die Stückerlöse legten um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal zu.
Beide Kennzahlen wurden im Wesentlichen durch einen starken Nachfrageanstieg im März infolge der Angebotsreduzierung über Drehkreuze am Golf getrieben. Dadurch wurde auch deutlich überkompensiert, dass einige Verbindungen zu Zielen in der Region nicht mehr angeflogen werden konnten.
Die Airlines der Lufthansa Group passten ihren Flugplan aufgrund der gestiegenen Nachfrage insbesondere auf den Asien- und Afrika-Routen an und ergänzten zusätzliche Flüge. Die starke Nachfrage drückte sich dabei auch in höheren Durchschnittserlösen im Premiumsegment aus.
Lufthansa Group: Welchen Beitrag leisten Technik und Cargo?
Lufthansa Technik konnte ihre Umsatzerlöse um zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 2,3 Milliarden Euro steigern, wobei die Umsatzerlöse aus dem Geschäft mit externen Kunden sogar um 19 Prozent anstiegen. Materialknappheit am Weltmarkt belastete jedoch das Ergebnis ebenso wie Personalmangel und Kosten für notwendige Qualifizierungsmaßnahmen, sodass das operative Ergebnis mit 158 Millionen Euro auf Vorjahresniveau blieb.
Lufthansa Cargo hatte ihr Angebot im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent ausgebaut. Und von der Krise im Mittleren Osten konnte das Luftfrachtgeschäft gegen Ende des Quartals sogar profitieren. Insbesondere im März verbesserten sich die Durchschnittserlöse im Vergleich zum Vorjahr weiter. Gleichzeitig lagen die Stückkosten dank gesunkener Wartungsaufwendungen und konsequentem Kostenmanagement um vier Prozent unter Vorjahr. Insgesamt erwirtschaftete Lufthansa Cargo ein deutlich verbessertes Adjusted EBIT von 83 Millionen Euro (Vorjahr: 62 Millionen Euro).
Wie sieht Lufthansas Prognose für 2026 aus?
Für die Lufthansa Group steht fest, dass die globale Nachfrage nach Flugreisen hoch bleiben wird. Sie spricht sogar von einem „erneut starken Reisesommer“. Die Krise am Golf werde zu Verschiebungen von Passagierströmen führen: „Reisende weichen vor dem Hintergrund der Krise im Mittleren Osten verstärkt von Flughäfen in der Golfregion auf die Drehkreuze der Lufthansa Group aus.“
Natürlich sehe man, dass die aktuelle Schließung der Straße von Hormus zu einer Verknappung des Kerosinangebots und damit zu einem massiven Anstieg der Kerosinpreise führt. „Dies belastet die Kostenbasis der Lufthansa-Group-Airlines erheblich.“ Trotz der hohen Hedging-Rate von mehr als 80 Prozent „führen die gestiegenen Kerosinpreise, Stand jetzt, zu Mehrkosten in Höhe von 1,7 Milliarden Euro im Jahr 2026“, rechnet Konzern-Finanzchef Till Streichert vor. Aber: Diese Mehrkosten sollen in den folgenden Quartalen durch steigende Umsatzerlöse aus Ticketverkäufen, eine optimierte Netzwerkplanung sowie weitere Kosteneinsparmaßnahmen ausgeglichen werden.
Und: Auch wenn derzeit an keinem der Drehkreuze des Konzerns mit Einschränkungen in der Kerosinversorgung zu rechnen ist, stelle eine möglicherweise reduzierte Verfügbarkeit von Treibstoff im weiteren Jahresverlauf einen weiteren Risikofaktor dar. Dennoch behält Lufthansa Group die Prognose für das Gesamtjahr bei. Der Konzern erwartet ein operatives Ergebnis (Adjusted EBIT), das signifikant über den 1,96 Milliarden Euro des Vorjahres liegen soll.
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