Aerion zieht für den Bau seines geplanten Überschall-Jets AS2 an die Ostküste der Vereinigten Staaten von Amerika. In Melbourne, Florida will der Hersteller für 300 Millionen US-Dollar seine neuen Firmenzentrale errichten.

Hierfür hat sich das Unternehmen, das bisher in Reno, Nevada, ansässig war, ein 24 Hektar großes Grundstück am Orlando Melbourne International Airport (KMLB) gesichert, an dem unter anderem die Geschäftsfliegersparte des brasilianischen Flugzeugbauers Embraer zuhause ist. Noch in diesem Jahr soll mit den Bauarbeiten begonnen werden. Weil am dortigen Küstenabschnitt eine Vielzahl von Luft- und Raumfahrtfirmen ansässig sind, wird dieser auch die „Space Coast“ Floridas genannt. Die Möglichkeit von Supersonic-Tests über dem Atlantik war für Aerion dabei ein wesentlicher Faktor für die  Standortentscheidung.

Gleichzeitig hat Aerion auch das Design der AS2 grundlegend verändert: Statt starfighterähnlichen Stummelflügeln wird der bis zu Mach 1,4 schnelle Überschall-Business-Jet eine Deltafläche erhalten. Auch die Position des Höhenleitwerks wurde verändert: Vom oberen Ende der Seitenflosse (T-Konfiguration) wanderte es nach unten, direkt über den Heckauslass des zentralen, mittleren Triebwerks auf dem Rumpfrücken. Die beiden anderen Motoren des Dreistrahlers wurden in separate Gondeln unter dem Flügel verlegt. Die AS2 soll nun mit 44 Metern rund zehn Meter kürzer werden als zuvor geplant – ebenso ein Resultat der neuen Flugzeuggeometrie. Aerion erwartet, dass das Flugzeug mit dem neuen Design bis zu Mach 1.2 fliegen kann, ohne einen Überschall-Knall zu erzeugen, der am Boden zu hören ist. Das wäre Bedingung für künftige Supersonic-Flüge über Festland. Bislang gilt hier ein „Tempolimit“ von Mach 1. Für die Neuzulassung von Überschalljets hat die US-Zivilluftfahrtbehörde FAA kürzlich einen Entwurf für neue Lärm-Regeln bei Start und Landung veröffentlicht.

Seit 2004 arbeitet das Unternehmen aus Reno, Nevada, USA, an dem Konzept eines überschallschnellen Geschäftsreiseflugzeugs. Seitdem ist Aerion Partnerschaften mit einer Reihe namhafter Firmen eingegangen: Nach Airbus und Lockheed Martin ist seit Februar 2019 Boeing eingestiegen. Der US-Flugzeugbauer beteiligt sich bei Entwicklung und Design der AS2.

Das Überschall-Triebwerk des dreistrahligen Jets wird von GE Aviation gebaut. Die erste Designphase für das „Affinity“ soll bereits 2020 abgeschlossen sein. Der Motor ist Grundlage einer geplanten Triebwerkfamilie, die für künftige Überschall-Jets daraus entstehen soll. Die Affinity-Motoren sollen mit 100 Prozent erneuerbarem Sprit betrieben werden können. Knapp die Hälfte des Startgewichts der AS2 von 63 Tonnen kann an Kraftstoff getankt werden, die Nutzlast der Jets soll mehr als 3,6 Tonnen betragen.

Der Erstflug der AS2 ist für 2024 geplant. Die Markteinführung soll dann 2026 folgen. Mit Flexjet gibt es sogar bereits einen ersten Kunden. Voraussichtlich soll der Superjet 120 Millionen US-Dollar kosten.