Der mehrheitlich öffentlich kontrollierte Flughafenbetreiber Fraport AG überprüft seine Beteiligung am viertgrößten russischen Flughafen in St. Petersburg-Pulkovo.

Hessens Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) hat für kommenden Montag (9. Mai) den Aufsichtsrat des MDax-Konzerns zusammengerufen, wie ein Unternehmenssprecher am Dienstag bestätigte. Zuerst hatte der Hessische Rundfunk berichtet. Das Land Hessen kontrolliert gemeinsam mit der Stadt Frankfurt die Mehrheit der Aktiengesellschaft.

Mit Russlands Angriffskrieg in der Ukraine ist die Beteiligung in St. Petersburg heikel geworden, zumal mögliche Verstöße gegen die westlichen Sanktionen überprüft werden müssen. Fraport lässt nach eigenen Angaben die Geschäfte ruhen. Was Boddenberg dem Kontrollgremium vorschlagen will, ist bislang nicht bekannt.

Das Unternehmen ist über eine Holding in Zypern seit 2009 Minderheitsgesellschafter des Flughafenbetreibers Northern Capital Gateway und hat den Ausbau des viertgrößten russischen Flughafens in den vergangenen Jahren mit vorangetrieben. Vor einigen Jahren wurde der Fraport-Anteil von 37,5 Prozent auf 25 Prozent reduziert. Die Konzession läuft bis 2040. Weitere Eigner sind die von den westlichen Sanktionen betroffene VTB-Bank sowie die griechische Copelouzos Group.

Vorstandschef Stefan Schulte hat bislang eine Trennung von den Northern-Capital-Anteilen abgelehnt. Sie sei nach dem Konzessionsvertrag rechtlich nicht möglich. Und gegen eine mögliche Enteignung durch den russischen Staat würde man sich wehren, hatte der Fraport-Chef vor einigen Wochen erklärt. Schulte sagte wörtlich: «Es wäre doch pervers, dem Aggressor Russland jetzt einen Vermögenswert im niedrigen dreistelligen Millionenwert zu schenken.»

dpa