Qatar Airways platziert eine riesige Bestellung bei Boeing.

Ist der krisengeschüttelte US-Konzern der lachende Dritte im Streit zwischen der Fluggesellschaft und dem europäischen Konkurrenten Airbus?

Qatar Airways liegt mit Airbus im Clinch – nun bestellt die arabische Fluggesellschaft in großem Stil beim US-Rivalen Boeing. Die Unternehmen unterzeichneten am Montag einen Vertrag über den Kauf von bis zu 102 Maschinen. Das Paket umfasst laut Boeing 50 Frachtversionen des neuen Großraumfliegers 777X sowie zwei Maschinen der aktuellen Modellserie. Zudem habe die Airline mit dem US-Konzern vorläufige Kaufvereinbarungen für 25 Mittelstreckenjets vom Typ 737 Max sowie Optionen für weitere 25 abgeschlossen.

Laut Listenpreisen könnte der Deal ein Volumen von 34 Milliarden US-Dollar (30,3 Mrd Euro) erreichen. Allerdings sind bei Aufträgen dieser Größenordnung starke Rabatte üblich. Auch handelt es sich nur bei 34 der 777X-Frachter um feste Kaufvereinbarungen. Für den krisengeschüttelten Boeing-Konzern ist die Auftragspremiere des mit Spannung erwarteten Fliegers dennoch ein Meilenstein. Zudem erholt sich das Geschäft mit der 737 Max immer mehr, die nach zwei verheerenden Abstürzen 20 Monate lang mit Startverboten belegt war. Boeings Aktien stiegen am Montag zeitweise um knapp fünf Prozent.

Qatar Airways hatte zuletzt vor allem durch einen Konflikt mit dem europäischen Boeing-Erzrivalen Airbus Schlagzeilen gemacht. Dabei geht es um Mängel an der Oberfläche des Passagierjets A350. Die Fluggesellschaft hatte im Dezember eine Klage wegen Lackschäden bei einem Gericht in London eingereicht, daraufhin kündigte Airbus dem wichtigen Kunden einen Auftrag für seinen aktuell schwer verfügbaren neuen Jet A321neo. Im vergangenen Sommer hatte Qatar-Airways-Chef Akbar Al Baker noch eine Bestellung von Frachtfliegern bei Airbus für möglich erklärt, doch inzwischen scheint das Verhältnis vergiftet.

Der Großauftrag mit Boeing wurde am Montag im Rahmen eines Besuchs des Staatsoberhaupts von Qatar, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, feierlich im Weißen Haus in Washington verkündet. US-Präsident Joe Biden kam zwar nicht zur Vertragsunterzeichnung, doch Handelsministerin Gina M. Raimondo pries in einer Pressemitteilung die florierenden Geschäftsbeziehungen zwischen den Ländern und sprach von einem «Deal mit historischer Bedeutung». Es sei die am finanziellen Volumen gemessen größte Kaufabsichtserklärung, die Boeing je von einem Kunden für Frachtflugzeuge erhalten habe.

Die Frachtversion der Boeing 777X war in der Branche schon länger erwartet worden. Die 777X ist die modernisierte und weniger spritdurstige Neuauflage der Boeing 777, die dem US-Konzern sowohl als Passagierjet als auch als Frachter große Marktanteile eingebracht hat. Bei der 777X hatte Boeing jedoch Probleme bei Entwicklung und Zulassung. Bei der Passagierversion musste der Konzern die Auslieferung des ersten Exemplars bereits auf Ende 2023 verschieben und liegt damit rund drei Jahre hinter dem ursprünglichen Plan.

dpa