Milliardengeschäft Flugzeugleasing

Die beiden Flugzeugtypen A320 (hier der A320 NEO) und die Boeing 737 sind bei Leasinggesellschaften besonders beliebt, sie gelten als die Arbeitspferde der Industrie. Foto: Airbus

Das Jahr 2019 begann mit einer Investition des US-amerikanischen Private Equity-Riesen KKR in das Flugzeugleasinggeschäft in Höhe von einer Milliarde US-Dollar. Der Deal spiegelt das stetig wachsende Interesse von Investmentgesellschaften an der kommerziellen Luftfahrt wider, von der erwartet wird, dass sie allein für die Leasing- und Fluggesellschaften Gewinne in Höhe von 35,5 Mrd. USD abwirft.

Mit einer fast zehnjährigen Warteliste für die Auslieferung neuer Flugzeuge und der generellen Volatilität des Luftfahrtgeschäfts steht jeder Flugzeuginvestor zwangsläufig vor den Herausforderungen des Marktes: umfangreiches Nachrüsten der Flugzeuge, Probleme bei der Wiedervermietung und Flugtauglichkeitsprüfungen, die den Wert der Anlage zunichte machen können.

Boeing 737 und Airbus 320 sind die Arbeitspferde der Branche

In jeder beliebigen Weltregion finden sich bei der Mehrzahl der Fluggesellschaften Flugzeuge des Typs Boeing 737 oder der Airbus A320-Familie. Dies sind die Arbeitspferde der Branche, deren Kapazität und Kraftstoffverbrauch optimal auf das Geschäftsmodell von Fluggesellschaften abgestimmt sind. An diesen Kriterien sind auch Leasinggesellschaften und Investoren hauptsächlich interessiert. Insbesondere die neu gebauten Modelle sind beliebt, da sie im ersten Leasing-Zyklus normalerweise keine erheblichen Wartungskosten verursachen und mit geringeren Risiken verbunden sind.

Neu gebaute Flugzeuge sind jedoch sehr gefragt und erfordern mitunter lange Wartezeiten, da die Hersteller mit knapp 15.000 noch zu produzierenden Flugzeugen im Rückstand sind. Würden aus irgendeinem Grund keine neuen Flugzeuge mehr bestellt, hätten die Hersteller immer noch neun bis zehn Jahre zu tun, um die bestehenden Aufträge abzuarbeiten.

Luftfahrtbranche noch immer im Aufschwung

Die Aussichten in der Luftfahrt-Branche sind also erfreulich: die IATA erwartet im Jahr 2019 einen Gewinnanstieg von 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Um langfristige Flottenstrategien verfolgen zu können, ist der Markt der Flug- und Leasinggesellschaften jedoch trotzdem zu vielen wirtschaftlichen und geopolitischen Risiken ausgesetzt; dies betrifft insbesondere die Economy-Beförderer. Sie vermeiden das Flugzeugleasing neuer Modelle, da diese erst im langfristigen Betrieb Vorteile bieten. Für Leasinggeber und Investoren, die sich nicht nur auf den Markt für Neuflugzeuge konzentrieren, bietet sich hier eine klare Chance, da gebrauchte Flugzeuge leichter zu finden sind und weniger Kapital erfordern.

Wiedervermietung von Flugzeugen birgt Risiken

Der Sekundärmarkt hat jedoch seine eigenen Nachteile: Investoren dürfen nicht reine Verwaltungsorganisationen sein, um in der Branche Erfolg zu haben – sie müssen Anlagen-Entwickler sein, also den Zustand des Flugzeugs während des Leasingverhältnisses prüfen sowie Möglichkeiten für das nächste Leasing und die Neukonfiguration gemäß den neuen Anforderungen des Leasingnehmers überwachen. Zudem müssen Investoren Rückgabe- und Wiedervermarktungsoptionen bereits vor dem Leasing des Flugzeugs vorhersehen.

Sofortige Reaktion des Eigentümers gefordert

Wird ein Betreiber zahlungsunfähig, ist eine sofortige Reaktion des Eigentümers erforderlich – ansonsten drohen durch den Ausfall Verluste von zehntausenden USD pro Tag. Um dies zu vermeiden wird sofort ein Team von Spezialisten an den Standort des Flugzeugs geschickt; der Zustand und erforderliche Arbeiten zur Wiederherstellung der Flugtauglichkeit müssen bestimmt werden. Das Team übernimmt alle technischen Unterlagen vom derzeitigen Betreiber und arbeitet eng mit den Luftfahrtbehörden zusammen, um die erforderlichen Genehmigungen für Personenflüge sowie die Zulassungen von Flugzeugen für den Betrieb in einem anderen Hoheitsgebiet wieder einzuholen. Zusätzlich muss die Fluggesellschaft den technischen Zustand des Flugzeugs gemäß den Rücklieferungsbedingungen wiederherstellen. Dies gestaltet sich in manchen Fällen schwierig, da Wartungsarbeiten nicht ordnungsgemäß dokumentiert werden.

Der Flugzeugeigentümer muss daher die Instandhaltung seiner Vermögenswerte regelmäßig kontrollieren - ansonsten kann es bis zu 12 Monate dauern und Gewinneinbußen von zwei bis drei Mio. USD verursachen bis die Flugtauglichkeit des Flugzeugs wiederhergestellt ist.

Wie der Pionier des Flugzeugleasings, Steven Udvar-Hazy, einmal feststellte, treten viele Investoren mit beeindruckenden finanziellen Mitteln in die Flugzeugleasingbranche ein, wissen aber nicht, wie sie mit dem Vermögenswert nach dem ersten Leasingzyklus umgehen sollen. Der Flugzeugleasingmarkt bietet trotz temporärer Rückgänge im Airline-Geschäft immer einen Spielraum für neue Investitionen - vorausgesetzt, die Investoren verstehen, in was sie investieren.

Autor: Gediminas Ziemelis

 

Über Gediminas Ziemelis

Gediminas Ziemelis ist ein international bekannter Luftfahrtexperte, der zweimal als einer der talentiertesten jungen Führungskräfte in der globalen Luft- und Raumfahrtindustrie unter 40 Jahren ausgezeichnet wurde. Im Jahr 2016 wurde Gediminas Ziemelis für seine visionären und betriebswirtschaftlichen Leistungen von der renommierten Jury des European Business Award, bestehend aus führenden Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Bildung, Wirtschaft und Politik der EU, ausgezeichnet. Die Avia Solutions Group unter der Leitung von Ziemelis ist zu einem nationalen Champion in der Kategorie Entrepreneurship geworden und hat einen Platz unter den 110 besten europäischen Unternehmen erreicht.

Während seiner Karriere führte Ziemelis drei Unternehmen zum Börsengang, unterstützte und beriet chinesische Banken. Er war an Transaktionen in der GUS-Region mit einem Volumen von mehr als 2 Milliarden USD beteiligt, leitete ein Expertenteam bei der Gründung eines Joint Ventures mit der Provinz Henan und der China Aviation Agency und gründete mehr als 10 erfolgreiche Start-ups wie locatory.com, laserpas.com, skycop.com, aviationcv.com.

Heute verwaltet Ziemelis einen Private Equity Fonds, der ein Nettovermögen von 300 Millionen Euro in den Bereichen Luftfahrt, Immobilien, IT und Pharmazie besitzt. Er ist außerdem Sponsor verschiedener Projekte von Sport-, Bildungs-, Freiwilligen- und Wohltätigkeitsorganisationen. Ziemelis folgt den drei einfachen Prinzipien der sozialen Verantwortung - Verantwortung gegenüber Verbrauchern, Mitarbeitern und der Gesellschaft.

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