Frankfurt/Main Auf ihrem Sparkurs verlangt die Lufthansa auch von ihren Mitarbeitern konkrete Beiträge. Die dauerhafte Konkurrenz der streikmächtigen Gewerkschaften führt zu immer härteren Arbeitskämpfen. Nach dem Streik ist vor dem Streik. Für kein anderes Unternehmen in Deutschland gilt dieser Satz so sehr wie für die Deutsche Lufthansa. Der Kranich sieht sich einer Vielzahl von untereinander […]

Frankfurt/Main

Auf ihrem Sparkurs verlangt die Lufthansa auch von ihren Mitarbeitern konkrete Beiträge. Die dauerhafte Konkurrenz der streikmächtigen Gewerkschaften führt zu immer härteren Arbeitskämpfen.

Nach dem Streik ist vor dem Streik. Für kein anderes Unternehmen in Deutschland gilt dieser Satz so sehr wie für die Deutsche Lufthansa. Der Kranich sieht sich einer Vielzahl von untereinander konkurrierender Gewerkschaften gegenüber, die wichtige Unternehmensteile oder auch nur unverzichtbare Dienstleister bestreiken, um die Interessen ihrer Mitglieder durchzusetzen. An diesem Montag ist Verdi dran, die immer noch einen Großteil des Bodenpersonals organisiert und daher wie die Piloten oder die Fluglotsen wirksam den Flugverkehr lahmlegen kann.

Die Lufthansa muss sparen, lautet in der Wachstumskrise der europäischen Luftfahrt das Mantra des Managements. Der europäische Primus ist auf dem Weltmarkt gegen teils unfair finanzierte Konkurrenz aus dem Nahen, Mittleren und Fernen Osten ins Hintertreffen geraten: Lufthansa hatte lange die älteren, spritfressenden Jets mit den unbequemeren Sitzen und verlangte dafür noch gutes Geld. Vorstandschef Christoph Franz hat das Ruder herumgerissen und Milliardeninvestitionen in neues Fluggerät und komfortable Annehmlichkeiten für die gut zahlende Kundschaft auf den Weg gebracht. Nach Meinung einiger im Konzern hätte schon Franzens Vorgänger Wolfgang Mayrhuber umsteuern müssen. Die geplante Ernennung des Österreichers zum Aufsichtsratschef stößt daher auf Kritik.

Auf der Strecke bleibt bei Europas größtem Luftverkehrskonzern vorerst die Ertragskraft. Der Gewinn einer knappen Milliarde Euro aus dem Jahr 2012 ist zum Großteil auf Einmaleffekte zurückzuführen. Operativ verdiente Lufthansa bei einem Umsatz von 30,14 Milliarden Euro nur schlanke 524 Millionen Euro, zu denen die Kerngesellschaft Lufthansa Passage einen Verlust von 45 Millionen beitrug und sich so zum Hauptobjekt der Sparrunde machte. Zur Finanzierung des 22 Milliarden Euro schweren Beschaffungsprogramms für 236 neue Flugzeuge reicht die Ertragskraft hinten und vorne nicht, so das Management.

Franz setzt auf das Sparprogramm «Score», für das bereits 2500 Einzelprojekte aufgesetzt sind und das im Jahr 2015 für einen neuen Rekordgewinn sorgen soll. Allein der Personalbereich soll ein Drittel des Sparvolumens von 1,5 Milliarden Euro bringen. Neben der Streichung von 3500 Stellen und der Verlagerung einiger europäischer Verbindungen auf die tarifgünstigere Tochter Germanwings will der scheidende Personalvorstand Stefan Lauer daher an die Besitzstände der Beschäftigten vor allem bei der Muttergesellschaft Lufthansa Passage.

Wie eine Einigung aussehen könnte, hat im Herbst der vorerst letzte reguläre Streik bei der Lufthansa gezeigt, den die bis dahin unterschätzten Flugbegleiter anzettelten. Unter Anleitung des Schlichters Bert Rürup einigten sich Konzern und die Kabinengewerkschaft UFO auf ein komplexes Tarifwerk, das zwar höhere Einstiegsgehälter und Jobgarantien, aber auch weniger Stufenerhöhungen, flexiblere, in der Krise leicht kürzbare Arbeitszeiten und verschobene Lohnsteigerungen beinhaltete. Mit den Worten, die Kabine habe ihre Beiträge zu Score gebracht, befand Chef Franz den bis Ende 2014 geltenden Tarifvertrag für gut.

Verdi hingegen schäumte über den Abschluss der Konkurrenzgewerkschaft und muss ihren Mitgliedern nun Besseres liefern. Die Lufthansa-Offerte für das Bodenpersonal trägt aber die selbe Handschrift wie bei den Stewardessen und lässt daher auf harte Auseinandersetzungen im Detail schließen. Tariferhöhungen unterhalb der Inflation, Jobgarantien nur gegen Mehrarbeit und flexiblere Arbeitszeiten sowie erfolgsabhängige Einmal- und Sonderzahlungen sind Teile des unterbreiteten Vorschlags.

Verdi habe sich bereits 2005 auf neue Strukturen eingelassen und daher keinen Nachholbedarf, entgegnet Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle. Lufthansa sei auch kein Sanierungsfall. Grundsätzlich einverstanden ist die DGB-Gewerkschaft aber wohl schon mit dem Vorschlag neuer, sprich niedriger Tarifstrukturen bei der Catering-Tochter LSG. Doch in der Gehaltsfrage für die übrigen Lufthanseaten sind die Fronten so verhärtet, dass Behle bereits zu diesem Zeitpunkt laut über Urabstimmung und unbefristeten Streik nachdenkt. Der würde dann ziemlich sicher in die Ferienzeit fallen.

Quelle: dpa; Christian Ebner