Was für ein Timing: Wegen Streiks der Flugbegleiter streicht Lufthansa am Donnerstag Hunderte Flüge, zeitgleich legt der Konzern seine Quartalszahlen vor – und kündigt Einschnitte an.

Ausgerechnet zum Start des Streiks der Flugbegleiter greift die Lufthansa-Führung bei den Tochtergesellschaften im In- und Ausland durch. Nach den Einschnitten bei der Billigtochter Eurowings verordnete Vorstandschef Carsten Spohr auch den schwächelnden Konzerntöchtern Austrian, Brussels und Lufthansa Cargo neue Sparprogramme. Bei Austrian fallen hunderte Jobs weg. Und Lufthansa Cargo soll künftig nur noch mit halb so vielen, dafür aber größeren Jets abheben. Mit Blick auf einen möglichen Einstieg bei der angeschlagenen Fluglinie Alitalia bleibt Spohr in Wartestellung.

Während die Flugbegleiter der Gewerkschaft Ufo am Donnerstag Flüge der Lufthansa-Kernmarke bestreikten, bekräftigte Spohr sein Gewinnziel für 2019. So soll das operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) allerdings wie geplant 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro erreichen. Das ist deutlich weniger als in den beiden Vorjahren, als die Lufthansa teils an der Marke von 3,0 Milliarden Euro kratzte.

Um gegenzusteuern, dreht Spohr an vielen Schrauben. Eurowings konzentriert sich komplett auf Kurz- und Mittelstreckenflüge, strafft ihre Organisation und schrumpft ihre Flotte bis zum Jahr 2022 auf 120 Airbus-Maschinen.

Harte Einschnitte drohen nun bei der Tochter Austrian, deren operativer Gewinn in den ersten neun Monaten um 85 Prozent einbrach. Die einstige österreichische Staatsfluglinie soll sich künftig komplett auf das Drehkreuz Wien konzentrieren. «Alle dezentralen Basen werden geschlossen», stellte die Konzernführung klar. 700 bis 800 Vollzeitstellen sollen wegfallen.

Unterdessen soll die belgische Tochter Brussels Airlines, deren Integration in Eurowings der Vorstand bereits im Sommer gestoppt hatte, enger an die Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian andocken. Das soll Kosten einsparen.

Vor Einschnitten steht auch die Frachtsparte Lufthansa Cargo, die in den ersten neun Monaten wegen schwacher Nachfrage in die roten Zahlen flog. Spohr führte dies vor allem auf den Handelskonflikt zwischen China und den USA sowie die Unsicherheit durch den Brexit zurück.

Unter dem Strich verdiente der Lufthansa-Konzern im dritten Quartal mit 1,15 Milliarden Euro sogar vier Prozent mehr als ein Jahr zuvor, da sich Geschäfte zur Preisabsicherung positiv auf das Ergebnis auswirkten. An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die Lufthansa-Aktie legte zu und war am Nachmittag einsamer Spitzenreiter im Dax.

Offen ist, wie teuer der Streik des Kabinenpersonals für den Konzern wird. Die Flugbegleiter von der Gewerkschaft Ufo hatten am Donnerstag die Arbeit bei der Kerngesellschaft Lufthansa niedergelegt. Zwar einigten sich beide Seiten am Morgen darauf, über eine Schlichtung des Tarifkonflikts einzutreten. Der Streik soll aber unverändert auch am Freitag stattfinden. Ufo will nach eigenen Angaben aber von einer Ausweitung auf andere Flugbetriebe des Konzerns absehen. Die Lufthansa hat für beide Tage zusammen bereits rund 1300 Flüge abgesagt.

dpa