Heute: Die Boeing 737

aeroscope startet heute die ultimative Flugzeug-Typen-Unterscheidungs-Serie. Anhand ausgewählter und einfach zu erkennender Unterscheidungsmerkmale möchten wir zeigen, wie leicht es ist, verschiedene Verkehrsflugzeuge auseinander zu halten. Obwohl es nur eine überschaubare Anzahl an Herstellern gibt, ist die Bandbreite an Typen groß. Dazu kommen noch die verschiedenen Serien und Ausführungen. Wer kennt das nicht, man steht am Flughafen und schaut verträumt aufs Vorfeld. Und dann schon fast zwanghaft immer die gleichen Fragen – ist das jetzt ein Airbus A319 oder ein A320, eine Boeing 737-700 oder -300. Oder doch eine 737-800? Gerade aus der Entfernung nicht immer leicht zu erkennen –  doch das ist ab jetzt Vergangenheit.

In Zukunft werdet ihr auf Urlaubs- oder Geschäftsreisen eure Begleitung mit geballtem Flugzeug-Know How überzeugen. Betont beiläufig könnt ihr dann beim Warten auf den Flug in den Urlaub mit Expertenwissen angeben – „Schatz, schau mal, eine Boeing 737-300 mit nachgerüsteten Winglets. Sieht man ja auch nicht alle Tage“  (ob Frauen darauf abfahren sei an dieser Stelle mal dahingestellt). Oder ihr verwickelt den Chef auf einer Dienstreise in Gespräche, ob er denn lieber mit Airbus A319, 320 oder 321 fliegt. Wenn er diese denn überhaupt auseinander halten kann.

Viele geneigte Leser werden jetzt sicherlich denken – brauch ich nicht, weiß ich eh schon alles. Kann sein, aber nicht jeder checkt täglich die einschlägigen Internetseiten (hoffen wir zumindest). Der Guide richtet sich deshalb auch an diejenigen, die gerne fliegen und sich bei einer Reise schon das ein oder andere Mal gefragt haben, mit welchem Flugzeugtyp sie gerade unterwegs sind. Und was jetzt eigentlich der Unterschied zu der Maschine vom letzten Flug ist.

Einen Airbus A380 erkennt wahrscheinlich fast jeder, aber bei der Unterscheidung von Airbus A319 und A320 wird’s schon komplizierter – zumal die Unterschiede aus der Entfernung auch nicht so auffällig sind.  Auch die Boeing 737-500 unterscheidet sich auf den ersten Blick nur unwesentlich von der 737-700.

Der erste Teil der Serie startet mit einem Dinosaurier im Flugverkehr, der Boeing 737.  Die 737 ist eines der erfolgreichsten und meist produzierten Verkehrsflugzeuge überhaupt. Dementsprechend gibt es mittlerweile zahlreiche verschiedene Ausführungen. Ganz früher gab es die 737-100 und -200, dann hat sich die Reihe mit den „Klassik“-Modellen -300,- 400 und -500 fortgesetzt und mittlerweile am häufigsten anzutreffen sind die Modelle aus der „Next Generation“ Serie (-600, -700, -800 und -900) Weil die allerersten Versionen, die 100er und 200er schon Asbach sind und nur in Ausnahmefällen, wenn sich beispielsweise eine Regierungsmaschine aus dem Niger nach Europa verirrt, anzutreffen sind, lassen wir diese in diesem Feature einmal außen vor. Im Weiteren soll es also darum gehen, zunächst erst einmal eine 737 überhaupt zu erkennen und dann anhand von knallhart recherchierten Unterscheidungsmerkmalen sogar zu erkennen, um welche Version es sich handelt – ob es also eine klassische 737 oder eine „ Next Generation“ ist.

 

Die 737 erkennen

Los geht’s: Wir sitzen am Flughafen und warten. Wir haben Glück und können auf das Vorfeld schauen.  Es kommt ein mittelgroßer Passagierjet vorbeigerollt. In unserem Fall gilt es jetzt erstmal herauszufinden, ob es eine Boeing oder ein Airbus ist. (Ja ja, es gibt noch andere Typen, aber die blenden wir jetzt einfach mal aus) Das Beispiel Airbus wird hier angeführt, weil die 737 das direkte Konkurrenzmodell zur Airbus A320 Reihe ist und beide Flugzeuge dementsprechend häufig als Arbeitstiere der Airlines  im Kurz- und Mittelstreckenverkehr anzutreffen sind.

Boeing und Airbus lassen sich auf den ersten Blick gut unterscheiden an der Flugzeugnase und den Cockpitfenstern.

Die Nasen der Boeing Flugzeuge sind spitzer, Airbus Nasen sind eher rund. Zusätzlich lassen sich alle Airbus-Jets an der geraden hinteren Cockpitfensterstrebe erkennen.

Boeing

Airbus

In unserem Fall haben wir das vorbeirollende Flugzeug als eine Boeing identifiziert. Da es gefühlt eine eher kleinere Boeing ist, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es sich um eine 737 handelt. Doch um welche Version der 737 handelt es sich?

Auf die Länge kommt es an – Unterscheidungsmerkmal  Länge:

Grundsätzlich werden die 737-Modelle mit aufsteigenden Typenbezeichnungen immer länger. Die -400 ist größer als die -300 und in der Next Generation-Reihe ist die -900 länger als die -700er Version.

Boeing 737-900NGBoeing 737-600NG

Unterscheidungsmerkmal Winglets:

Anhand der Winglets, also der markanten nach oben gebogenen Tragflügelspitzen, lassen sich in vielen Fällen die 737-Modelle der neuen Generation von den älteren Klassik-Modellen unterscheiden. Hier gibt es jedoch Ausnahmen: manche ältere Flugzeuge der neuen Generation haben diese noch nicht (zum Beispiel die 737-600NG Serie), manche Flugzeuge aus der Klassik-Serie wiederum wurden nachträglich mit Winglets ausgestattet und kommen dann moderner rüber als sie eigentlich sind.

Boeing 737-700NG mit Winglets

Boeing 737-400 Klassik ohne Winglets

Um deshalb ganz sicher zu gehen, ob man es mit einer 737 aus der KlassikSerie oder der neueren Generation zu tun hat, kommen wir zum definitivem Erkennungsmerkmal, dem Unterscheidungsmerkmal Triebwerk. Die Triebwerke an den alten Versionen sind vorne unten auffällig abgeflacht und haben an der vorderen Triebwerksverkleidung eine annähernd dreieckige Form (der Autor fragt sich gerade, wie sich die Triebwerksschaufeln darin drehen können). Die Triebwerke an den Modellen der neuen Generation sind eher rund und wirken  insgesamt schlanker.

Boeing 737-400 Klassik

Boeing 737-700 NG

Autor: VW   Alle Fotos: Copyright airliners.net, Titelfoto: Shutterstock