Das Frachtdrehkreuz in Lüttich fungiert durch eine starke Fokussierung unter anderem auf hohe Tonnage aus dem Bereich E-Commerce derzeit als eine Art Testflughafen für die Auswirkungen einer neuen EU-Zollgebühr.

Der belgische Flughafen Lüttich hat im vergangenen Jahr rund 1,33 Millionen Tonnen Fracht abgewickelt, bei mehr als 28.000 Flugbewegungen. Es war das zweitbeste Ergebnis im Cargo-Bereich seit dem Corona-Spitzenjahr 2021. Lüttich findet sich regelmäßig unter den Top Ten bis Top Five der größten Frachtflughäfen Europas.

Was das erste Halbjahr 2026 angeht, verheißen auch die in diesem Zeitraum abgefertigten knapp 698.000 Tonnen weiteres Wachstum. Und die jüngsten Zahlen des ACI Europe sehen den Airport damit bei einem Plus von 11,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum – Platz 2 in den Top 10 bei dieser Disziplin, übrigens gleich hinter Leipzig/Halle (12,7 Prozent). Tonnage-Spitzenreiter Istanbul (rund 1,04 Millionen Tonnen) brachte es im selben Zeitraum auf 10,8 Prozent Wachstum.

Was bedeutet der neue EU-Zoll für den Flughafen Lüttich?

Eine nicht unwesentliche Rolle für die positive Bilanz spielten die 1,35 Milliarden über Lüttich umgeschlagenen E-Commerce-Sendungen. In genau diesem Bereich sieht das Management aber nun „tiefgreifende Veränderungen“ auf den Airport zukommen. Gemäß der neuen EU-Regeln für E-Commerce-Importe erhebt Brüssel seit dem 1. Juli eine pauschale Zollgebühr von drei Euro auf Sendungen im Wert von bis zu 150 Euro, was zunächst bis Juli 2028 gilt.

Zuvor waren solche Güter geringeren Werts zollfrei in den europäischen Markt gelangt. Hintergrund sind die hohen Mengen an Waren insbesondere aus Asien, wie sie – über Plattformen wie Temu und Shein gehandelt – vermehrt in die EU eingeführt werden. Gegen Billigwaren unter diesen Produkten will die EU ab sofort entschiedener vorgehen. In Lüttich sah man dadurch bereits früh neue Herausforderungen auf sich zukommen, die „eines der am schnellsten wachsenden Segmente der Luftfracht belasten könnte“, hieß es zu Jahresbeginn.

Frachtumschlag Flughafen Lüttich
Frachtumschlag an einem 777-Frachter in Lüttich. Bild: Liege Airport

Was folgt auf den Einbruch im E-Commerce?

Mitte August gab der Airport bekannt, dass das umgeschlagene Warenaufkommen aus dem Bereich E-Commerce im Juli im Vorjahresvergleich um 24 Prozent und gegenüber diesem Juni gar um 41 Prozent zurückgegangen ist. Dazu passte eine Reuters-Meldung, derzufolge sich schon nach der ersten Woche der neuen Zollgebühr ein Rückgang bei der vermarkteten Kapazität in Frachtflugzeugen, die zwischen China und Europa unterwegs waren, bei 14 Prozent eingependelt haben soll.

Wirtschaftsexpertinnen und -experten hatten allerdings schon im Vorfeld der Einführung des pauschalen EU-Zolls auf die Günstigware auf solche Effekte hingewiesen. Dass sie jetzt eingetreten sind, dürfte niemanden kalt erwischt haben. Auch gehen Branchenkenner davon aus, dass sich die E-Commerce-Kapazitäten nach kurzer Zeit wieder erhöhen dürften – was sich in den kommenden Monaten erweisen muss.

Warum der Flughafen Lüttich trotzdem weiter wächst

Und was den Flugen Lüttich angeht: Der Brüsseler Airport verzeichnete im Juli trotz allem ein Plus bei der Frachttonnage von vier Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Sowohl die höherpreisigen E-Commerce-Waren als auch Fracht aus anderen, insbesondere den temperatursensiblen Segmenten legten zu.