AeroLogic: Der Nahost-Krieg und seine Auswirkungen
Drohnenalarm, gesperrte Lufträume und steigende Kosten: AeroLogic-Chef Joe Moser erklärt, wie der Nahost-Krieg den Flugbetrieb der deutschen Fracht-Airline verändert.
AeroLogic ist mit ihren 28 Boeing 777F die größte Frachtfluggesellschaft Deutschlands und das Rückgrat der DHL-Langstreckenoperation. Die Heimatbasis ist Leipzig/Halle. Wir haben mit dem Managing Director Operations, Joe Moser, über die Auswirkungen des Nahost-Kriegs auf das Frachtfluggeschäft des Joint Ventures der DHL und Lufthansa Cargo gesprochen.
AERO INTERNATIONAL: Die Krise in Nahost ist nicht gelöst. Wie beschreiben Sie die Situation für AeroLogic?
JOE MOSER: Wir bedienen nach wie vor den Nahen Osten und sichern so auch die Versorgung der Menschen vor Ort. Fracht ein- und ausgeladen wird in Bahrain und Dubai, unseren wichtigsten Destinationen in der Region. In der Anfangsphase des Kriegs, als der Luftraum dort gesperrt war, sind wir verstärkt nach Riad in Saudi-Arabien und neu auch nach Maskat im Oman ausgewichen – alles in Absprache mit unserem Anteilseigner und Auftraggeber DHL. Die Abfertigung dort musste schließlich schnell vorbereitet werden. Das war schon eine logistische Meisterleistung. Da muss ein Zahnrad ins nächste greifen.
Was sicherlich eine Riesenaufgabe war, richtig?
Absolut. Zumal selbst dort auch immer mal wieder, insbesondere nachts, die Lage schwierig wurde. Wir mussten bei der Flugplanung Flexibilität zeigen, spontan beispielsweise auf Drohnenalarm reagieren und bereits während des geplanten Fluges nach Riad zum Alternate Airport umlenken. Genug Treibstoff hatten wir für beide Destinationen stets an Bord.
Wenn wir uns recht erinnern, sind anfangs Drohnen sogar in das Terminal und auf dem Vorfeld in Bahrain, dem für DHL wichtigsten Drehkreuz in der Region, eingeschlagen. War AeroLogic ebenfalls betroffen?
Als der Krieg ausbrach, war eine unserer Boeing 777F vor Ort in Bahrain. Doch wir hatten Glück: Unsere Maschine parkte auf Position 11, und auf Position 9 ist eine Drohne eingeschlagen. Es sind Trümmer herumgeflogen, doch unser Flugzeug trafen sie nicht. Die Crew hatten wir vorsorglich ausgeflogen. Nach zehn Tagen gab es endlich eine Gelegenheit die Maschine nach Leipzig zurückzuholen.
Der Schiffsverkehr kommt immer wieder zum Erliegen. Wie ausgelastet sind Ihre Flugzeuge auf den Nahost-Verbindungen?
Wir verzeichnen in der Tat eine erhöhte Auslastung. Wir hätten anfangs durchaus noch zusätzliche Flugzeuge gebrauchen können. Nachdem wir mit unserem regionalen Drehkreuz von Bahrain und Dubai nach Riad und Maskat gewechselt sind, ging es von dort weiter beispielsweise nach Hongkong oder Hanoi. Doch Flexibilität und Spontanität werden bereits seit der Corona-Pandemie immer wichtiger in unserer Planung. Derzeit beherrschen geopolitische Krisen das Geschehen, irgendwo ist immer ein Luftraum gesperrt, den wir umfliegen müssen. Das verlängert die Flugzeiten, insbesondere auf dem Rückweg von Asien, und erhöht die Kosten pro Flug aufgrund des steigenden Kerosinbedarfs. Und wenn Sie direkt in die Krisengebiete fliegen, erhöhen sich auch die Versicherungskosten für Crews und Flotte.
Haben sich durch die Krise in Nahost auch Märkte verschoben?
Es kommt vor, dass wir jetzt 50-mal pro Woche oder öfter nach Hongkong fliegen müssen, weil sich dort die Fracht staut. Darunter ist einiges, was vorher normalerweise per Schiff oder in den Frachträumen der Passagiermaschinen nach oder über Nahost transportiert wurde. Es fehlen die sogenannten Belly-Kapazitäten, gar keine Frage.
Haben Sie ausreichend Cockpit-Crews, die bereit sind, in Krisengebiete zu fliegen?
Wir stellen es jedem unserer Mitarbeitenden frei, dorthin zu fliegen; jeder Pilot, jede Pilotin hat die Möglichkeit, nein zu sagen. Es ist wichtig und richtig, dass entsprechende Regelungen im Vorfeld getroffen wurden. Tatsächlich haben wir unsere Flüge jederzeit darstellen können.
Wie wirkt sich die Krise auf die Zukunft der AeroLogic aus? Wie groß ist der Einfluss auf Ihre Pläne?
Die Lage ist nach wie vor sehr volatil. Man weiß heute nicht, was morgen sein wird. Wir warten also auf den Frieden in Nahost und auf die Rückkehr zur Normalität. Langfristig werden wir unseren bisherigen Kurs einer zuverlässigen und pünktlichen Fracht-Airline unbeirrt fortsetzen.
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