Nepal Airlines, früher Royal Air Nepal, besitzt als Staatsairline nicht mal einen Hangar in Kathmandu. Die private Buddha Air hingegen ist Nepals größter Regional-Carrier – mit gutem Ruf.

Gemächlich trabt ein wildes Panzernashorn entlang einer belebten Straße der nepalesischen Kleinstadt Sauhara im Süden des Landes. Für die Einheimischen scheinbar normaler Alltag. Den anwesenden Touristen bietet es allerdings eine überraschende Tierbegegnung, von der vorher niemand zu träumen gewagt hatte. Grund für ein solch einmaliges Naturerlebnis ist der angrenzende Chitwan National Park, der sich über 932 Quadratkilometer erstreckt.

Der Chitwan National Park wurde 1973 gegründet und war landesweit das erste Naturschutzgebiet. Neben dem Kathmandu Valley und der Stadt Pokhara, dem Ausgangspunkt von Trekkingtouren, zählt er zu den wichtigsten Touristenattraktionen von Nepal. Eine Pirsch kann zu Fuß, im Boot, per Jeep oder mittels Elefantenritt unternommen werden. Aber nur vom Rücken der Dickhäuter aus lässt sich mit sehr viel Glück auch einer der seltenen Bengal-Tiger erspähen.

Wie kommt man zum Chitwan National Park?

Die offensichtlich harmloseren Panzernashörner nehmen dagegen auf ihrem Weg zum Ufer des Rapti, dem örtlichen Fluss, eine Abkürzung mitten durchs Stadtzentrum. Wie kommt man als Individualreisender zum Chitwan National Park? Zwar bieten Spezialveranstalter komplette Reisepakete an, bei denen sich die Teilnehmenden um nichts kümmern müssen. Doch solche Programme sind extrem teuer, häufig anstrengend ohne Erholungspausen, und werden meistens in unverträglich hoher Gruppengröße durchgeführt.

Welche Abenteuer erwarten nun aber Leute, die lieber alles selbst organisieren wollen? Zumindest bezüglich der interkontinentalen Anreise, von den europäischen Alpen zum gewaltigen Himalaja, existieren günstige Angebote. Mittels FlyDubai gelangt man recht schnell, nach Umsteigen in Dubai, sogar von Salzburg bis Kathmandu.

Nashorn in der Stadt
Der kürzeste Weg führt nun mal mitten durch die Stadt … Bild: Markus Huber

Mit Buddha Air nach Nepal reisen

Betreffend üblicher Einreisevorschriften klingt das Verfahren Visa-on-Arrival zunächst einmal sehr gut. Wer will schon Wochen vorher seinen Reisepass zwischen Wohnort und Botschaft dem unsicheren Postweg anvertrauen? Dann lieber den geforderten Dollarbetrag in Höhe der Visa-Gebühren abgezählt hinblättern, und Augenblicke später sollten die meisten Formalitäten erledigt sein.

So lautet zumindest die Vorstellung für Staaten, deren Wirtschaft besonders stark vom Tourismus abhängen – wie zum Beispiel bei beliebten Nationen in der Golfregion. Dort dauern digitalisierte Ein- und Ausreiseprozesse nur noch Sekunden, ohne jemals einen Beamten zu Gesicht zu bekommen. Jeder Besucher soll keine Minute verlieren, um in gigantischen Shopping Malls sein Geld los zu werden.

Bharatpur Airport
Bharatpur ist der nächstgelegene Flughafen, wenn man den Chitwan National Park in Nepal besuchen möchte. Bild: Ralf Kurz

Endstation Visa-Kiosk?

Davon kann am Kathmandu International Airport überhaupt keine Rede sein. Ganz im Gegenteil, das Bezahlverfahren erweist sich als ein Buch mit sieben Siegeln. Haupthindernis ist der sogenannte Visa-Kiosk, der einem simplen Fahrkartenautomat gleicht. Lediglich nach Fütterung mit einer Vielzahl persönlicher Daten spuckt er hoffentlich eine Registriernummer aus, die man zum Bezahlen der Visa-Gebühr an einem Sonderschalter unbedingt benötigt. Nach zweistündigem Kampf mit dem gefürchteten Gerät geht es dann aber an der verwaisten Passkontrolle schnell weiter.

Dagegen wird hinter mir die Schlange der Ankommenden an den Visa-Kiosken immer länger. Vermutlich hätte ich es ohne die Hilfe eines nepalesischen Experten, der ständig zwischen den Geräten pendelt, um genervte Ankömmlinge zu unterstützen, niemals zur Gepäckausgabe geschafft. Dort wartet mein Koffer schon seit drei Stunden darauf, endlich abgeholt zu werden. Jedenfalls möchte ich es heute noch bis zum Chitwan National Park schaffen. Der liegt nur 170 Kilometer südwestlich von Kathmandu, doch wer sich für den Bus entscheidet, muss früh aufstehen. Rund acht Fahrstunden auf holpriger Piste sind im besten Fall dafür zu veranschlagen, falls nichts dazwischen kommt.

Fluss im Chitwan
Der Rapti und der Narayani sind die Hauptflüsse im Chitwan National Park. Beide Gewässer sind die Heimat von Flusskrokodilen und Panzernashörnern. Bild: Markus Huber

In 20 Minuten mit Buddha Air nach Chitwan

Da klingt das Angebot von Buddha Air, die gleiche Strecke in kurzen 20 Flugminuten zu bewältigen, deutlich besser. Doch wie schafft man es von der internationalen Ankunftshalle zum in Sichtweite liegenden Inlandsterminal? Hunderte Menschen und Dutzende permanent hupende Fahrzeuge blockieren von allen Seiten den direkten Weg. Für jeden europäischen Betrachter herrschen hier total chaotische Verhältnisse. Trotzdem scheinen alle Akteure im gefühlten Durcheinander nie den Überblick zu verlieren.

Der einzige Schalter von Buddha Air liegt zum Glück gleich am Eingang des Terminals, der sich von einer Markthalle kaum unterscheidet. An einer Luke ohne Scheiben, gesichert durch dicke Metallstäbe, wird mein Anliegen zügig bearbeitet. Der Andrang hält sich in Grenzen, weil sich in Nepal, wie überall auf der Welt, Flugtickets schnell und einfach mittels Smartphone buchen und bezahlen lassen.

Schild im Chitwan National Park
Am Flussufer des Chitwan National Park starten viele geführte Touren in den tiefen Dschungel. Bild: Ralf Kurz

Die Geschichte der Buddha Air

Probleme machen lediglich die Dollarscheine, welche akribisch genau auf kleinste Beschädigungen untersucht werden. Noch ist mein Vorrat groß, doch in den nächsten Tagen wird es immer schwieriger, die schwindende Menge los zu werden. Auch wenn die Reservierung per Handy einfach ist, am unübersichtlichen Gedränge auf dem Weg zum Flieger kommt hier letztendlich niemand vorbei.

Buddha Air startete ihren Flugbetrieb im Jahr 1997 mit zwei werksneuen Beechcraft 1900D. Das Privatunternehmen hat seitdem fast 14 Millionen Passagiere befördert. Bei rund 100 täglichen Flügen zählte man 2022 etwa 2,4 Millionen Kunden und bedient landesweit ein Dutzend Airports. Damit ist die Airline absoluter Marktführer im inländischen Luftverkehr. Konkurrenten wie Yeti Airlines oder Shree Airlines betreiben deutlich weniger Flugzeuge und schaffen viel geringere Beförderungszahlen.

Touristen reiten auf Elefanten
Touristen werden von Elefanten auf Safari durch den Nationalpark getragen – auch eine Erfrischung im Fluss gehört dazu. Bild: Ralf Kurz

Wie gefährlich ist Fliegen in Nepal?

Die Flotte von Buddha Air besteht aktuell aus drei ATR 42-300 sowie dreizehn ATR 72-500. Mein Zielflughafen heißt Bharatpur und liegt nur eine halbstündige Autofahrt vom Chitwan National Park entfernt. Weil die Runway nur 1158 Meter kurz ist, kann nur die kleinere ATR 42 dorthin eingesetzt werden. Wegen der vielen Touristen nach Bharatpur gibt es dreimal täglich eine Verbindung nach Kathmandu. Ausländer zahlen um die 100 US-Dollar pro Strecke, den dreifachen Betrag gegenüber Nepalis.

Nepal gilt bezüglich Flugsicherheit als eines der unsichersten Länder weltweit. Bisher kamen bei 39 Abstürzen 748 Menschen ums Leben. Zu dem zweifelhaften Status beigetragen hat sicher der berüchtigte Hochgebirgs-Flugplatz in Lukla, direkt im Himalaja-Massiv. Er wird in Fachkreisen als global gefährlichster Airport eingestuft. Seine geneigte und nur 527 Meter kurze Runway gleicht eher einer Sprungschanze als einer normalen Landepiste. Doch als Ausgangspunkt für Expeditionen zum Gipfel des Mount Everest führt kein Weg an diesem riskanten Flugplatz vorbei.

Zwischen Everest und Schwarzer Liste

Der mit 8848 Metern höchste Berg der Erde spielt auch für Buddha Air eine wichtige Rolle. Damals, am 11. Oktober 1997, markierte ein Rundflug über den Giganten mit einer nagelneuen Beechcraft 1900D den Beginn einer aviatischen Erfolgsstory. Bis heute ist ein solcher Sightseeing-Trip im Flugangebot.

Nepal wird seinen schlechten Ruf als Krisenregion betreffend der Luftfahrt einfach nicht los. Es hat sicherlich mit der miserablen Infrastruktur zu tun, wofür heimische Airlines natürlich nichts können. Doch auch gravierende Fehlentscheidungen hinsichtlich der Flottenpolitik einiger Firmen hat die unbefriedigende Situation weiter verschlimmert. Die Europäische Union reagierte darauf im Jahr 2013 mit ihrem wohl schärfsten Schwert. Sie setzte alle nepalischen Gesellschaften auf die sogenannte Schwarze Liste. Es bedeutet ein striktes Einflugverbot für deren Mitgliedsländer. Verständlich, wenn man sich die einst glorreiche Royal Air Nepal heute anschaut.

Staatsairline am Boden, Buddha Air im Aufwind

Leute steigen in ein Flugzeug
Buddha Air beförderte 2022 beeindruckende 2,4 Millionen Passagiere und bedient landesweit ein Dutzend Airports. Damit ist sie der absolute Markführer im Inland. Bild: Ralf Kurz

Nach Abschaffung der Monarchie im Jahr 2008 heißt das Staatsunternehmen jetzt Nepal Airlines. Geschrumpft auf vier Jets, zwei Airbus 320 sowie zwei Airbus 330, ist sie zuhause den stark expandierenden Megacarriern aus dem Ausland hoffnungslos unterlegen. Bislang existiert an der Heimatbasis Kathmandu nicht mal ein Hangar für die beiden Widebodies.

Ganz anders schauen die Investitionen dagegen bei Buddha Air aus. Für recht bescheidene drei Millionen US-Dollar baute man 2012 den ersten geschlossenen Flugzeughangar des Landes. Während auf dem benachbarten Gelände einige chinesische Harbin Y-12 und Xian MA-60 zu verrotten scheinen, brillieren die Mechaniker der Regional-Airline mit höchstem Know-how betreffend der europäischen Commuterflotte.

Das unerwartete Qualitätszeugnis für Buddha Air

Beim Flottenwechsel von Beech zu ATR trauten die erfahrenen Piloten der auf Überführungen spezialisierten Firma Alpha2Bravo kaum ihren Augen, als sie die zwei Beechcraft 1900D abholten: Wie fabrikneu standen die Maschinen zum Ferryflug um den halben Globus bereit – nach 25 Einsatzjahren unter härtesten Bedingungen unterhalb der imposanten Gebirgsketten des mächtigen Himalaya.

Seit 2023 fliegt das Duo nun erfolgreich als Päckchenfrachter für die kanadische SkyLink Express. Meine abenteuerliche Reise zum Chitwan National Park in Nepal wird mir nicht nur wegen Panzernashörnern im Stadtverkehr noch lange in Erinnerung bleiben. Auch am Luftfahrthimmel eines der ärmsten Länder der Welt geschehen manchmal unvermutete Wunder.