Flugzeughersteller ATR setzt große Hoffnungen in den nordamerikanischen Markt: Alternde 50-sitzige Jets stehen vielerorts vor der Ausflottung, Turboprops können die entstehende Lücke füllen. Beispielsweise bei JSX.

In fast allen Regionen des Erdballs kommen Turboprops aus dem Hause ATR zum Einsatz, denn sie zeichnen sich durch Zuverlässigkeit, Robustheit und hohe Kosteneffizienz aus. Sie kommen sowohl auf kurzen Pisten als auch mit herausfordernden Umgebungen zurecht. Sie leisten beste Dienste, wo auch immer sie benötigt werden.

Lediglich US-amerikanische Carrier konnten dem europäischen Produkt bislang wenig abgewinnen. Doch JSX hat offensichtlich umgedacht: Die in Dallas, Texas, ansässige Airline, für die man lange nach einer passenden Schublade suchen muss, hatte während der Paris Air Show 2025 eine Absichtserklärung über bis zu 25 ATR in HighLine-Konfiguration unterzeichnet und im Dezember auf der Verbindung Santa Monica – Las Vegas erstmals ATR 72-600 eingesetzt. Mehr noch: Die Charterfluggesellschaft mit Privatjetanmutung und Linienflugcharakter wird zu Beginn dieses Jahres vier weitere Turboprops einflotten.

JSX präsentiert ihre erste ATR 72-600 in den USA.
JSX stieß jetzt in Santa Monica mit zahlreichen Gästen auf den Beginn der ATR-Ära im eigenen Haus an. Bild: Tiffany Rose/ATR/JSX

„Wir sind stolz darauf, gemeinsam mit ATR dieses leistungsstarke Flugzeug im US-amerikanischen Passagiermarkt erneut einzuführen“, erklärte JSX-CEO Alex Wilcox. „Die ATR 42-600 ist ein Meilenstein, der es uns ermöglicht, unseren preisgekrönten Service auf Tausende weitere Flughäfen in den USA auszuweiten und gleichzeitig das Premium-Erlebnis zu bieten, das unsere Kunden erwarten.“

Wer ist JSX?

JSX, 2016 als JetSuiteX gegründet und laut eigener Aussage im Bereich „Public Charter“ unterwegs, bietet sogenannte Hop-on-Flüge an. Kunden der Airline können nur 20 Minuten vor ihrem Inlandsflug an speziellen privaten Terminals einchecken (45 Minuten für internationale Flüge) und müssen keine langen Warteschlangen beim Check-in oder der Sicherheitskontrolle in Kauf nehmen.

Die Atmosphäre an Bord der Flotte entspricht eher der Business Class anderer, größerer Anbieter. Die ATR 72-600, eigentlich 70-Sitzer, haben beispielsweise nur 30 Premium-Plätze an Bord. Doch Geschwindigkeit am Boden und Komfort in der Luft sind nicht alles: Preislich ist JSX eigenen Aussagen zufolge durchaus wettbewerbsfähig.

Der Carrier bedient aktuell 29 Flughäfen in den USA und Mexiko mit einer Flotte von 51 ERJ 135 und 145 mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahren sowie zwei fabrikneuen ATR. Im Flugplan stehen beliebte Freizeit- und Geschäftsreiseziele.

Will ATR im US-Markt wachsen?

ATR sieht über die Partnerschaft mit JSX hinaus großes Potenzial im US-Markt. Dort werde die Ausmusterung alternder Regionaljets mit 50 Sitzplätzen eine Lücke schaffen, die Turboprops ideal füllen könnten, so der Hersteller. „Die Einführung von ATR bei JSX ist ein starkes Statement dafür, dass unsere Flugzeuge das Reisen in der Region verbessern können“, betonte Nathalie Tarnaud-Laude, Geschäftsführerin von ATR. „Und die ATR entspricht nicht nur den heutigen Erwartungen der Passagiere, sondern ist auch zukunftsfähig.“

Wo liegen die Vorteile der ATR?

Die ATR 42-600 zeichnet sich laut Hersteller dank fortschrittlicher Technologie und außergewöhnlicher Leistung aus. Ausgestattet mit modernsten Triebwerken von Pratt & Whitney Canada, biete sie eine hervorragende Treibstoffeffizienz und senke die Betriebskosten erheblich. Zudem stößt die Maschine bis zu 45 Prozent weniger Kohlendioxid aus als Regionaljets ähnlicher Größe. Und: Um in die Strategie von JSX zu passen, unterversorgte, anspruchsvolle Flughäfen im bergigen Terrain zu erreichen, hat ATR kürzlich die Genehmigung der FAA für eine wichtige Modifikation erhalten, die den Betrieb auf Flughäfen in großer Höhe ermöglicht.

Wie viele Airlines setzen ATR ein?

ATR ist als Joint Venture von Airbus und Leonardo zum weltweit führenden Hersteller von Regionalflugzeugen gewachsen. Die Modelle ATR 42 und 72 gelten als die meistverkauften Flugzeuge im Marktsegment unter 90 Sitzplätzen. Die Turboprops werden von rund 200 Fluggesellschaften in mehr als 100 Ländern eingesetzt. Und das in nahezu allen Regionen. Auch dank der ATR erhalten Menschen in abgelegenen Winkeln des Erdballs Zugang zu wichtigen Dienstleistungen wie Gesundheitsversorgung und Bildung.