Qantas: A380-Ausmusterung startet vier Jahre früher als geplant
Qantas beschleunigt die A380-Nachfolge um bis zu vier Jahre. Ab 2028 startet der Umstieg auf A350-1000 und Boeing 787.
Qantas macht Tempo bei der Erneuerung ihrer Langstreckenflotte: Statt wie ursprünglich vorgesehen erst ab dem Geschäftsjahr 2032 will die australische Airline ihre zehn Airbus A380 bereits ab 2028 ausmustern. Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der hohe Treibstoffkosten spürbar auf das Ergebnis drücken – und wirkt auf den ersten Blick überraschend, schließlich hatte Qantas erst kürzlich kräftig in die Kabinen ihrer A380-Flotte investiert. Die Flugzeuge sind im Schnitt rund 17 Jahre alt.
Steigende Kerosinkosten als Treiber der A380-Ausmusterung
Im zweiten Halbjahr belasteten höhere Kerosinpreise die Bilanz um zusätzlich 610 Millionen australische Dollar. Durch teurere Tickets und Anpassungen im Flugplan gelang es dem Management, die Gewinneinbußen infolge der angespannten Lage im Nahen Osten auf 420 Millionen Dollar zu begrenzen. Vor diesem Hintergrund setzt Qantas nun konsequent auf effizientere Langstreckenmuster, um die Kostenbasis langfristig zu senken. Ältere, wartungsintensive Flugzeuge wie die A380 sollen dem schnelleren Umstieg weichen – auch die A330-Flotte will Qantas rascher ablösen als ursprünglich geplant.
A350 als zentraler Baustein für die A380-Ausmusterung
Als Ersatz für die A380 setzt Qantas vor allem auf den Airbus A350-1000. Die Airline hatte bereits 2022 zwölf A350-1000ULR und 2023 weitere zwölf reguläre A350-1000 fest bestellt. Bemerkenswert: Zusätzliche Kaufrechte für weitere A350 waren ausdrücklich als späterer Ersatz für die zehnköpfige A380-Flotte vorgesehen – der aktuelle Schritt folgt also einer länger angelegten Strategie, auch wenn der Zeitpunkt nun vorgezogen wird. Parallel verhandelt Qantas mit Airbus über die Einlösung dieser Lieferoptionen, mit ersten Terminen ab 2030. Auch bei Boeing will die Airline optionierte 787 abrufen, um den Flottenumbau abzusichern.
Investition in A380-Kabinen trotz früherem Flottenaus
Dass Qantas trotz der frisch erneuerten A380-Kabinen nun die Ausmusterung vorzieht, wirft Fragen zur Wirtschaftlichkeit der Investition auf. Aus Sicht des Managements überwiegen jedoch die Vorteile des Umstiegs: Neuere Flugzeuge verursachen mit steigendem Flottenalter der A380 zunehmend höhere Wartungskosten, was wiederum das Risiko teurer Betriebsstörungen erhöht. Ein klarer Fahrplan soll zudem dem Cockpitpersonal Orientierung geben, welche Flugzeugtypen für die künftige Karriereplanung relevant sind. Einen detaillierten Zeitplan für das vollständige Ende der A380-Ära nennt Qantas dennoch nicht – das Unternehmen verweist auf die Notwendigkeit, angesichts der Lieferkette bei Airbus und Boeing flexibel zu bleiben.
Flottenumbau bei laufendem Betrieb
Bis die neuen A350 und 787 in ausreichender Zahl verfügbar sind, hält Qantas an einem gestaffelten Vorgehen fest. Ältere A330, die vor dem Eintreffen der 787 aus dem Dienst genommen werden, sollen übergangsweise durch bereits bestellte A321XLR ersetzt werden. Die ersten neuen 787-9 mit überarbeiteter Business-Class-Kabine werden ab dem kommenden Geschäftsjahr erwartet.
Lesen Sie auch NASA präsentiert Boeing 737 für Parabelflüge