Corendon Airlines sieht derzeit keinen Bedarf für Flottenwachstum und investiert stattdessen in die Langstrecke. Paul Schwaiger, CCO von Corendon Airlines, sprach mit AERO INTERNATIONAL-Autor Kurt Hofmann.

Die europäische Ferienfluggesellschaft Corendon Airlines sieht unter den aktuellen Marktbedingungen keinen Bedarf für eine Vergrößerung ihrer Flotte. Stattdessen investiert das Unternehmen verstärkt in Langstreckenaktivitäten im Rahmen von ACMI-Modellen (Aircraft, Crew, Maintenance and Insurance), also wet-lease.

Corendon Airlines wurde 2004 als Teil der international tätigen Tourismusgruppe Corendon gegründet. Die Airline-Gruppe verfügt über drei Luftverkehrsbetreiberzeugnisse (AOCs): Corendon Airlines in der Türkei, Corendon Airlines Europe mit Sitz auf Malta sowie Corendon Dutch Airlines in Amsterdam.

Aktuell gut aufgestellt

Zusammen betreiben die drei Gesellschaften eine Flotte von 33 Boeing 737-800, 737 MAX 8 und 737 MAX 9

„Wir sind stabil aufgestellt. Zunächst möchten wir unsere finanziellen Ressourcen weiter stärken. Wenn wir wieder wachsen, werden wir zusätzliche Flugzeuge der Boeing-737-MAX-Familie in Betracht ziehen“, sagte Chief Commercial Officer Paul Schwaiger am 29. Mai im Gespräch mit AERO INTERNATIONAL in Düsseldorf. Derzeit sind sechs Boeing 737 MAX 8 in Antalya stationiert, während drei Boeing 737 MAX 9 ab Amsterdam eingesetzt werden. Neue Flugzeuge sind aktuell nicht bestellt. „Ich denke, die 737-10 wäre für uns möglicherweise zu groß“, so Schwaiger.

Die eingesetzte Boeing-737-800-Flotte bezeichnet Schwaiger als vergleichsweise jung. Ein Ersatz der Flugzeuge sei derzeit nicht erforderlich. Sämtliche Flugzeuge von Corendon sind geleast. „Aktuell sind die Leasingraten attraktiver als der Kauf eines Flugzeugs“, erklärt er.

„Wir müssen ein Flugzeug im Durchschnitt mindestens 360 Stunden pro Monat einsetzen“, sagt Schwaiger. In der europäischen Sommersaison steige dieser Wert auf mehr als 400 Stunden. „Wenn man im Winter auf 320 Stunden kommt, kann man ebenfalls zufrieden sein.“

Corendon unterhält vier Basen in Deutschland. Während des europäischen Sommers sind zudem zwei Boeing 737 in Heraklion auf Kreta stationiert, ein weiteres Flugzeug in Hurghada in Ägypten. Die wichtigste Basis der Airline bleibt Antalya.

Corendon Flottenerneuerung
Paul Schwaiger, CCO von Corendon Airlines (rechts) mit Kurz Hofmann. Bild: Kurt Hofmann

„Wir erleben ein herausforderndes Jahr mit einer Abschwächung der Nachfrage in den vergangenen drei Monaten, steigenden Treibstoffpreisen und geopolitisch bedingten Sicherheitsrisiken“, beschreibt Schwaiger die aktuelle Marktlage. Gegen Kerosinpreis- und Währungsschwankungen habe sich die Airline abgesichert. „Das ist eine gute Ausgangslage.“

Mit 33 Flugzeugen habe Corendon derzeit die ideale Größe erreicht. „Für den europäischen Winter ist diese Flotte allerdings zu groß“, sagt Schwaiger.

„Als Ferienfluggesellschaft sind wir beim Thema Saisonalität sehr innovativ. Seit mehreren Jahren verleasen wir im Winter fünf Boeing 737 im Wet-Lease an IndiGo sowie weitere fünf Flugzeuge an SpiceJet. Dadurch können wir die schwächere touristische Nachfrage in der Wintersaison ausgleichen. Diese zehn Flugzeuge – manchmal sogar mehr – helfen dabei, unsere Fixkosten zu decken.“

Investitionen in die Langstrecke

Am 29. Mai kündigte Corendon Airlines die Aufnahme einer neuen Langstreckenverbindung zwischen Düsseldorf und Curaçao an. Ab dem 14. Dezember soll die Strecke dreimal wöchentlich bedient werden. Zum Einsatz kommt ein Airbus A330-300 mit 285 Sitzplätzen des spanischen ACMI-Anbieters World2Fly.

Bereits heute bietet Corendon fünf wöchentliche Flüge zwischen Amsterdam und Curaçao an, die ebenfalls von World2Fly durchgeführt werden – dort mit einem Airbus A350-900.

„Für uns ist es eine spannende Entwicklung, dass wir in das Langstreckensegment investieren. Das Projekt ist überschaubar und gut handhabbar. Wir werden alles daransetzen, es erfolgreich zu machen“, sagt Schwaiger.

„Langstreckenverbindungen haben für unsere Region eine besondere Bedeutung“, betont Düsseldorf-Airport-Chef Lars Redeligx. Im Umkreis von 100 Kilometern verfüge der Flughafen über ein Einzugsgebiet von rund 18,5 Millionen Menschen. „Das ist das größte Einzugsgebiet in Kontinentaleuropa.“

Corendon setze bewusst nicht auf dominante Marktpositionen, erklärt Schwaiger. „Mit unserer Größe konzentrieren wir uns auf Nischenstrecken, auf denen wir profitabel operieren können.“

Über alle Geschäftsbereiche hinweg befördert die Corendon-Gruppe jährlich rund zehn Millionen Passagiere.

Mit Blick auf die Zukunft sieht Schwaiger die größte Herausforderung darin, das bestehende Geschäftsmodell stabil zu halten: „Der Wettbewerb ist intensiv. Auch große Airlines wollen ihre Kapazitäten optimal nutzen. Wir müssen sicherstellen, dass wir mithalten können.“