Airbus: Flugtests für Flügel der Zukunft
Airbus startet Flugtests im Rahmen von Wing of Tomorrow: Längere, schlankere Tragflächen sollen den Treibstoffverbrauch künftiger Single-Aisle-Jets senken.
Airbus treibt sein Forschungsprogramm Wing of Tomorrow einen entscheidenden Schritt voran. Der Flugzeughersteller kündigt eine neue Flugtestkampagne an, mit der die Leistungsfähigkeit besonders langer Tragflächen für die nächste Generation von Schmalrumpfflugzeugen untersucht werden soll. Über die kommenden drei Jahre entwickelt, baut und erprobt Airbus dafür Flügelverlängerungen in Originalgröße.
Testträger A321neo für Wing of Tomorrow
Als Testplattform dient eine A321neo, an der die mehrere Meter langen Flügelverlängerungen montiert werden. Die Bauteile simulieren die vollständig ausgefahrene Position eines klappbaren Flügels während des Flugs. Umfangreiche Messtechnik an Bord soll erfassen, wie sich die verlängerte Spannweite auf das Flugverhalten und die Steuerbarkeit der Maschine auswirkt. Ziel ist es, reale Flugdaten zu gewinnen, die bislang nur aus digitalen Simulationen und Windkanaltests stammen.
Sue Partridge, Leiterin des Wing-of-Tomorrow-Programms bei Airbus, betont die strategische Bedeutung des Vorhabens: Der Flügel gelte als einer der wichtigsten Hebel, um die Effizienz künftiger Flugzeuge zu steigern. Die neue Testkampagne solle es erlauben, klassische Designgrenzen sicher zu hinterfragen und die Vorteile längerer Flügel systematisch zu erschließen.
Ziel: leichtere und schlankere Flügel
Im Zentrum von Wing of Tomorrow steht die Entwicklung längerer, leichterer und schlankerer Tragflächen. Eine größere Spannweite verbessert die aerodynamische Effizienz und kann den Treibstoffverbrauch spürbar senken, ein zentraler Faktor angesichts steigender Anforderungen an die Umweltbilanz der Luftfahrt. Bevor die Flügelverlängerungen tatsächlich in die Luft gehen, arbeitet Airbus derzeit noch an der Feinabstimmung der Konstruktionen mittels digitaler Modellierung und Windkanaltests.
Zusammengebaut werden die Testkomponenten im britischen Wing Technology Development Centre von Airbus, geflogen werden sie anschließend in Toulouse. Damit verknüpft das Programm britische Entwicklungsarbeit mit der französischen Erprobungsinfrastruktur des Konzerns.
Vorarbeit mit Bodendemonstratoren
Die anstehenden Flugtests bauen auf umfangreicher Vorarbeit auf. Airbus hat bereits drei bodengebundene Flügeldemonstratoren mit 17 Metern Spannweite gefertigt, um die Vorteile größerer Flügel zu untersuchen. Dabei kamen mehr als 100 verschiedene Fertigungs- und Montagetechnologien zum Einsatz, die künftig in die Serienproduktion einfließen könnten.
Finanziell wird das Programm seit 2014 von der britischen Aerospace Technology Institute (ATI) mit umgerechnet rund 260 Millionen Euro unterstützt. Hinter der Förderung steht eine Partnerschaft zwischen dem ATI, dem britischen Ministerium für Wirtschaft und Handel sowie der Innovationsagentur Innovate UK. Ziel der öffentlichen Förderung ist es, Großbritanniens Position als führender Standort für Luftfahrttechnologie langfristig zu sichern.