Hohe Treibstoffkosten: Spirit Airlines am Boden
Die finanziell bereits seit Jahren strauchelnde Spirit Airlines hat den Flugbetrieb am Wochenende einstellen müssen. Damit streicht der erste US-Carrier nicht zuletzt aufgrund des Iran-Krieges die Segel.
Zugegeben: Die Spirit Airlines kränkelt bereits seit Langem. Doch das zweite Insolvenzverfahren nach Chapter 11 innerhalb von nur zwei Jahren in Kombination mit den aktuell hohen Treibstoffkosten aufgrund des Iran-Kriegs brachen dem Ultra-Low-Coster jetzt das Genick. Am 2. Mai musste der Mutterkonzern Spirit Aviation Holdings das Aus der Billigairline, die mit ihrer knallgelben Flotte den US-amerikanischen Low-Cost-Markt entscheidend mitgeprägt hat, bekannt geben. Die Einstellung des Geschäftsbetriebs erfolgte mit sofortiger Wirkung: Alle kommerziellen Spirit-Flüge wurden gestrichen und die Flugzeuge für die Rückgabe an die Leasinggeber verlegt.
Warum zwingen die Spritpreise Spirit an den Boden?
Anfang März führte die Eskalation des Konflikts zwischen Israel sowie den USA und dem Iran zur Schließung der Straße von Hormus, einem wichtigen Nadelöhr für die globale Ölversorgung. Die Treibstoffpreise schießen seitdem in die Höhe. Für Spirits Ultra-Low-Cost-Geschäftsmodell waren günstige Treibstoffpreisen um die 2,24 US-Dollar pro Gallone essenziell. Bis Ende April waren diese Preise auf 4,51 US-Dollar gestiegen. Laut Analysten von J.P. Morgan verursachte dieser Preisanstieg wöchentliche Mehrkosten von 15 Millionen US-Dollar.
Bekommen Spirit-Passagiere ihr Geld zurück?
Unbestätigten Meldungen zufolge sind mehr als 600.000 Fluggäste von dem plötzlichen Aus der Spirit Airlines betroffen. Der Carrier erstattet derzeit automatisch alle Flüge, die über die Spirit-Airlines-Homepage mit Kreditkarte bezahlt wurden. Gäste, die Flüge über ein Reisebüro gebucht haben, sollen sich direkt an ihr Reisebüro wenden, um eine Rückerstattung zu beantragen. Die Entschädigung für Gäste, die Flüge mit anderen Zahlungsmethoden gebucht haben – etwa mit Gutscheinen oder Free-Spirit-Punkten – wird zu einem späteren Zeitpunkt im Rahmen des Insolvenzverfahrens festgelegt.
Spirit: Woran scheiterte die Rettung?
Dieses Mal ist die Rettung der Spirit Airlines, die bereits 2022 von Frontier übernommen werden sollte und deren Übernahme durch die JetBlue 2024 untersagt worden war, also fehlgeschlagen. Vor allem deshalb, weil es dem Management zuletzt nicht gelungen ist, frisches Geld zu beschaffen. Dave Davis, Präsident und CEO von Spirit: „Im März haben wir mit unseren Gläubigern eine Einigung über einen Restrukturierungsplan erzielt, der es uns ermöglicht hätte, als Unternehmen fortzubestehen. Der plötzliche und anhaltende Anstieg der Treibstoffpreise in den letzten Wochen ließ uns jedoch letztlich keine andere Wahl, als die geordnete Abwicklung des Unternehmens einzuleiten.“ Die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs hätte eine „zusätzliche Liquidität in Höhe von mehreren hundert Millionen US-Dollar erfordert, die Spirit schlichtweg nicht besitzt und auch nicht beschaffen konnte“.
Spirit: Darum schaltete sich die US-Regierung ein
Sogar die US-Regierung hatte Unterstützung leisten wollen – zum Schutz tausender Arbeitsplätze und des Wettbewerbs. Eine Finanzspritze von 500 Millionen US-Dollar für eine 90-prozentige Beteiligung an der Airline hat laut US-amerikanischen Medien im Raum gestanden, doch dazu war es schließlich nicht gekommen. „Ich möchte der Regierung, insbesondere Minister Howard Lutnick und dem US-Handelsministerium, für ihre außerordentlichen Bemühungen danken“, fuhr Davis in seiner Erklärung fort. Verkehrsminister Sean Duffy hat eigenen Angaben zufolge sogar selbst noch nach potenziellen Käufern Ausschau gehalten, doch sei dabei auf wenig Interesse gestoßen.
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