18 Kilometer Gepäckförderanlage, 100 Kilometer Kabel und 176.000 Quadratmeter Grundfläche. Auf einem ehemaligen Gelände der US-Luftwaffe ist in über zehn Jahren Bauzeit Terminal 3 entstanden. Nun wurde es mit einem besonderen Festakt eröffnet und am Folgetag in Betrieb genommen.

Tschüss Terminal 2, Willkommen Terminal 3! Das neue Terminalgebäude am Frankfurter Flughafen ist ein historischer Meilenstein. Rund zehneinhalb Jahre nach dem Spatenstich wurde dieses nun am 22. April offiziell eröffnet. In Zukunft soll es den sanierungsbedürftigen zweiten Flughafentrakt vorerst ablösen. Die Aufregung war bei allen Beteiligten deutlich spürbar – schließlich handelt es sich hierbei um das größte Infrastrukturprojekt in der Geschichte der Fraport AG.

Zweistündiges Bühnenprogramm zur Eröffnung

Die offizielle Eröffnungsfeier fand im futuristisch gestalteten Marktplatz des neuen Terminals im Abflugbereich statt. Rund 400 geladene Gäste – aus Politik, Gesellschaft und der Luftfahrtbranche – waren dafür nach Frankfurt gekommen. Darunter auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder. Der Luftverkehrsstandort Deutschland brauche einen starken Flughafen Frankfurt, so Schnieder. Der Neubau des dritten Terminals sei dahingehend ein wichtiges Signal. Auf die Frage nach der aktuellen Treibstoffknappheit im Zuge des Iran-Kriegs sagte der Verkehrsminister: „Wir haben im Moment in Deutschland keinen physischen Mangel an Kerosin“.

Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein hob in seiner Ansprache wiederum die Bedeutung für das Bundesland hervor: „Das ist für Hessen ein ganz besonders großer Tag“. Ihm persönlich gefalle das neue Gebäude sehr gut – es handle sich dabei auch um ein „architektonisches Statement“.

Boris Rhein T3
Hessens Ministerpräsident bezeichnete die Eröffnung als einen großen Tag für Hessen. Bild: Mia Schrader

Stefan Schulte, der Vorstandsvorsitzende der Fraport AG, betonte darüber hinaus die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens, die mit Terminal 3 einhergehe. „Das ist ein guter Schritt vorwärts, auch für Deutschland“, sagte Schulte. Außerdem wies der Vorstandsvorsitzende darauf hin, dass das Projekt – trotz zahlreicher Krisen, wie der Corona-Pandemie oder dem Ukraine-Krieg – im Zeit- und Kostenrahmen fertiggestellt werden konnte. Rund vier Milliarden Euro investierte der Betreiber dafür. Abgerundet wurden die Feierlichkeiten schließlich von einer beeindruckenden Lichtershow, die mit dem Statement „Terminal 3 is ready for check-in“, endete.

Die Kritik aus Politik und Gesellschaft am neuen Flughafenpart spielte im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten keine Rolle. Immer wieder wurden von verschiedenen Initiativen und Parteien über die gesamte Bauphase hinweg der Fluglärm, die Umweltbelastung oder eine überdimensionierte Expansion kritisiert. Der Flughafenbetreiber unterstrich dagegen stets die Notwendigkeit des neuen Terminals am Frankfurter Airport.

Lichtershow T3
Die bunte Lichtershow beeindruckte die Anwesenden. Sie endete mit dem Statement „Terminal 3 is ready for check-in“. Bild: Mia Schrader

SkyTeam mit erster Lounge in Europa am Fraport

Im Anschluss an den offiziellen Teil gab die Airline-Allianz SkyTeam weiterhin Einblicke in deren erste Lounge in Europa. Sieben der insgesamt zwölf Fluglinien der Allianz werden die neue Lounge am Fraport künftig nutzen. Dazu zählen unter anderem Korean Air, Delta Air Lines, Saudia und Vietnam Airlines. Der Bereich bietet Platz für insgesamt 126 Passagiere und ist mit einer Bar, einer Ruhezone sowie mit barrierefreien Badezimmern ausgestattet. Außerdem ermöglicht die große Fensterfront einen weitreichenden Blick auf das Vorfeld. Zugang zu der Lounge haben laut Brand Manager Ben Neumann Reisende der First- und Businessclass sowie SkyTeam-Elite-Plus-Mitglieder.

SkyTeam Lounge T3
Die Lounge der Airline-Allianz SkyTeam wird unter anderem von Vietnam Airlines, Korean Air und China Eastern genutzt. Bild: SkyTeam

Auftakt mit China Southern

Um 5.25 Uhr war es am 23. April dann soweit: Eine Boeing 787 von China Southern landete mit Sonderbemalung als erstes am neuen Frankfurter Terminal. Nach Angaben von Fraport wurde Flug CZ8021 aus Shenyang auf Position J3 abgefertigt. Als erster Abflug startete ein Dreamliner von Etihad Airways in Richtung Abu Dhabi um 10.30 Uhr. Für Spotterinnen und Spotter dürfte sich dieser Premieren-Tag außerdem gelohnt haben, denn: neben China Southern landeten auch Cathay Pacific, China Eastern und China Airlines mit Sonderlackierungen in Frankfurt. Von der taiwanischen China Airlines kam zur Feier des Tages sogar eine sonderbemalte Maschine an, die noch nie zuvor in Europa zu sehen war – eine Lieferung passend zum Film Zootopia 2.

Erste Abflüge T3
Zwölf Abflüge starteten am ersten Betriebstag ab Terminal 3. Alle Ziele liegen in Asien. Bild: Mia Schrader

Mit diesen ersten zwölf Starts und zwölf Landungen hat Terminal 3 nach rund einem Jahrzehnt Bauphase und insgesamt 21 Testbetriebstagen mit 8000 Testpassagieren nun auch den regulären Betriebsstart erfolgreich gemeistert.

Wie geht es jetzt weiter?

Der Umzug der Fluggesellschaften in den neuen Teil des Frankfurter Airports erfolgt in vier Wellen. Zu den 13 Airlines, die mit dem ersten Betriebstag in Terminal 3 eingezogen sind, gehören überwiegend Carrier aus dem Nahen Osten und dem asiatischen Raum. So sind etwa Cathay Pacific, Emirates, Qatar Airways oder China Eastern schon von Beginn an dabei. Bis zum 9. Juni diesen Jahres sollen dann alle weiteren der insgesamt 57 Fluglinien folgen. Dazu gehören unter anderem Icelandair, Air France, American Airlines und MEA Middle East Airlines. Der Ferienflieger Condor, der derzeit in Terminal 1 angesiedelt ist, wird ebenfalls in den neuen Flughafentrakt umziehen. Dieser Ortswechsel erfolgt jedoch erst im Sommer 2027.

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Insgesamt 57 Airlines ziehen in den neuen Flughafentrakt um. Die Umzüge erfolgen in vier Wellen. Bild: Mia Schrader

Der Startschuss von Terminal 3 bedeutet vorerst auch das Ende von Terminal 2. Nachdem im Juni alle Fluggesellschaften aus dem zweiten Terminal ausgezogen sind, werde dort die „betriebliche Ruhephase“ vorbereitet, so Pressesprecher Andreas Mehring. Bis zum Jahr 2035 wird das Gebäude außer Betrieb genommen und technisch modernisiert – etwa in Bezug auf Klima- oder Brandschutztechnik. Teile der Prozesse würden jedoch weiterhin aufrechterhalten, wie die Flugzeugpositionen, das Parkhaus oder die Gepäckförderanlage. In Zukunft soll Terminal 2 laut mehr Raum für die Star Alliance bieten.

Wissenswertes rund um Terminal 3

Mit den Flugsteigen G, H und J verfügt Terminal 3 über Kapazitäten für rund 19 Millionen Passagiere pro Jahr. 112 Check-in-Schalter und Drop-off-Points stehen für diese zur Verfügung. Direkt angebunden an Terminal 1 – und damit auch an den Regional- sowie Fernbahnhof – ist der neue Flughafenbereich über die Sky Line-Bahn. Diese fährt im Zwei-Minuten-Takt und verbindet die beiden Terminals in acht bis zehn Minuten. Für Passagiere, die mit dem Auto anreisen, steht das neue Parkhaus P11 mit 8500 Stellplätzen bereit. Weiterhin befindet sich unmittelbar auf der Ankunftsebene von Terminal 3 ein Busbahnhof.

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Um von den Sicherheitskontrollen in den Abflugbereich zu gelangen durchqueren Reisende diesen Tunnel. Bild: Mia Schrader

Eine weitere Besonderheit des neuen Gebäudes dürfte bei Reisenden ebenfalls für Erleichterung sorgen. Alle Sicherheitskontrollen vor Ort sind mit CT-Scannern (Computertomographie) ausgestattet. Dadurch können Flüssigkeiten bis zu zwei Litern im Handgepäck mitgeführt werden. Elektronische Geräte werden beim Security-Check nicht mehr gesondert durchleuchtet.

Bezüglich der Einkaufsmöglichkeiten sind im dritten Terminal 64 Geschäfte und Restaurants angesiedelt. Shopping-Möglichkeiten bieten dabei Modeläden, wie Longchamp, Montblanc oder Polo Ralph Lauren. Zum gastronomischen Angebot gehören wiederum das Neni Deli Restaurant mit mediterraner Küche oder der Porridge-Anbieter Haferkater im Sicherheitsbereich. Im öffentlichen Bereich sind zudem die Fastfood-Kette Burgerking oder das Espresso House vertreten.

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64 Geschäfte und Restaurants sind im neuen Flughafenteil angesiedelt – sowohl im Sicherheits- als auch im öffentlichen Bereich. Bild: Mia Schrader

Eine Aussichtsterrasse wurde bei den Planungen nicht berücksichtigt. Mit der Stilllegung von Terminal 2 wird auch die dortige Besucherterrasse nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Am Airport selbst gibt es damit keine Beobachtungsplattformen mehr für Flugzeugfans. Fraport empfiehlt, zum Fotografieren und verfolgen von Flugbewegungen in Zukunft die Aussichtspunkte rund um das Gelände zu nutzen.

Terminal 3 – ein architektonisches Highlight

Entworfen wurde das Terminalgebäude vom Frankfurter Architekten Christoph Mäckler. Dessen Vater Hermann Mäckler gestaltete als Architekt bereits das Terminal 1 des Fraport mit. Rund ein halbes Jahrhundert später war nun sein Sohn an der Reihe. Für Christoph Mäckler waren der Entwurf und die Planung einzigartig. „Man baut als Architekt nicht zwei Mal in seinem Leben ein Gebäude, das so groß ist wie die Innenstadt Frankfurts“, so Mäckler. Er freue sich über die große Zustimmung – die Arbeit habe sich gelohnt.

Marktplatz T3
Der Marktplatz in Terminal 3 wurde futuristisch gestaltet. Markant ist besonders die Tropfendecke. Bild: Mia Schrader

Bei einem Blick nach oben fällt in der Check-in-Halle bereits das erste architektonische Markenzeichen von Terminal 3 ins Auge: Die riesigen schwebenden Donuts an der Decke – designed von Künstler Julius von Bismarck. Insgesamt wurde das neue Gebäude mit hohen Decken und großen Fensterfronten offen, hell und modern entworfen. Ein weiterer Hingucker erwartet Reisende nach den Sicherheitskontrollen am futuristischen Marktplatz. Die Decke besteht aus rund 3000 Aluminiumrohren und tropfenförmigen Stahlkonstruktionen. An dem zentralen Platz selbst befinden sich 15 Einzelhandelsgeschäfte sowie zahlreiche Sitzmöglichkeiten.

Riesen-Donuts T3
Die riesigen Donuts schmücken die Decke des neuen dritten Terminals. Entworfen wurden sie vom Berliner Künstler Julius von Bismarck. Bild: Mia Schrader

Neben den gestalterischen Details sei es Mäckler stets um die Funktionalität gegangen. Er selbst sei ebenfalls oft mit dem Flugzeug unterwegs und wisse daher um die Bedeutung von schnellen und einfachen Wegen sowie unkomplizierten Abläufen. Und damit Terminal 3 auch von außen erkennbar ist, wurde vor dem Hauptgebäude der sogenannte Drei-Letter-Code des Frankfurter Airports „FRA“ als fünf Meter hoher Schriftzug, der im Dunkeln beleuchtet wird, aufgestellt.