Qingdao Liuting International Airport: Flughafen auf Abruf

25.04.2015

Der Flughafen Qingdao verfügt über 14 Fluggastbrücken. Davon werden drei ausschließlich für internationale Flüge und eine sowohl für grenzüberschreitende als auch für Inlandsverbindungen genutzt. Bild: Dietmar Plath

Der Flughafen der Küstenstadt im Osten Chinas verzeichnete in jüngster Zeit ein rasantes Passagierwachstum. Weil die Abfertigungseinrichtungen der Nachfrage nicht mehr Herr werden, soll schon in Kürze mit den Bauarbeiten für einen Nachfolger begonnen werden.

„Wir sind nur ein kleiner Flughafen.“ Diese Feststellung eines Airport-Mitarbeiters, die sich hierzulande angesichts von rund 14,5 Millionen Reisenden kokett anhören würde, hat in China durchaus ihre Berechtigung. Immerhin belegte der Qingdao Liuting International Airport mit dieser Passagierzahl im Jahr 2013 gerade einmal den 16. Platz unter den Flughäfen des asiatischen Landes. Wobei nicht auszuschließen ist, dass es 2014 für eine bessere Positionierung gereicht hat. Zwar liegen die abschließenden Zahlen noch nicht vor, aber kurz vor Weihnachten wurde bereits der 16-millionste Fluggast des vergangenen Jahres gezählt, und der Vorsprung der bislang höher platzierten Konkurrenten Ürümqi (Urumtschi) und Nanjing war nicht besonders groß.

Das Wachstum, das TAO (so der auf der alten Schreibweise der Stadt – Tsingtao – basierende Drei-Letter-Code) in jüngster Zeit hingelegt hat, ist jedenfalls beeindruckend und kann sich selbst in der an rasante Steigerungsraten gewöhnten Volksrepublik China sehen lassen. Schließlich waren es 2011 nur 11,7 Millionen Reisende gewesen, 2007 sogar weniger als acht Millionen; das bedeutet eine Verdoppelung der Fluggastzahlen innerhalb von nur sieben Jahren!

Für Qingdao wiederum, die Hafenstadt in der Provinz Shandong im Osten des Landes, bedeuten diese Zahlen, dass in naher Zukunft die Baumaschinen anrücken werden, um einen ganz neuen Flughafen aus dem Boden zu stampfen, weil der bestehende zu klein geworden ist. Dazu später mehr ...

Die Abfertigungseinrichtungen des 1982 eröffneten Flughafens, die in den Jahren 2004 bis 2006 gründlich modernisiert und erweitert wurden, werden vorrangig von Inlandsreisenden genutzt. Von den 77 gegenwärtig angeflogenen Zielen liegen 60 innerhalb der Landesgrenzen, nur 17 im „Ausland“, zu dem auch Hongkong und Macau gezählt werden. Die wichtigsten Destinationen sind mit Schanghai, Beijing und Guangzhou naturgemäß die großen Drehkreuze der Volksrepublik, unter den ausländischen Airports belegen Seoul Incheon, Hongkong und Busan (Südkorea) die Spitzenplätze. Neben gut zwei Dutzend heimischen Fluggesellschaften, darunter die erst seit dem vergangenen Jahr fliegende Qingdao Airlines sowie die großen Namen China Southern, Air China und China Eastern, steuern auch elf ausländische Carrier den Flughafen an, beispielsweise ANA, Asiana, EVA Air und die Singapore-Airlines-Billigtochter Scoot, die sogar mit Boeing 777-200 vertreten ist.

Qingdao Airlines

Mit Qingdao Airlines verfügt der Flughafen seit 2014 über einen eigenen Homecarrier, der gegenwärtig vier A320 einsetzt. Bild: Dietmar Plath

 

Ansonsten machen sich Widebodys rar in Qingdao. Das Gros der Flugbewegungen wird mit Flugzeugen der A320- und 737-Familien durchgeführt. Mit einer wichtigen Ausnahme: Dreimal wöchentlich landet eine A340-300 der Lufthansa aus Frankfurt kommend. Allerdings handelt es sich nicht um eine Nonstop-Verbindung; der Vierstrahler legt einen Zwischenstopp in Shenyang ein, wo auch die Passagiere mit Ziel Qingdao die Pass- und Zollkontrolle durchlaufen. Seit 2012 bedient die deutsche Airline die Verbindung, und Kwan Hang „Charles“ So, General Manager Sales and Airport Services für den Bereich Nordost-China bei Lufthansa, ist mittlerweile sehr zufrieden mit der Auslastung, die seiner Aussage zufolge höher ist als für diesem Zeitpunkt erwartet.

Weil die Lufthanseaten keine Streckenrechte zwischen den beiden chinesischen Städten besitzen, fliegt die A340 den letzten Teil der Strecke – beziehungsweise auf dem Rückflug nach Deutschland natürlich deren ersten Teil – bestenfalls halb besetzt. Die mit 42 Sitzen versehene Business Class ist dann fast völlig leer, denn das Ziel vieler Reisenden in diesem Teil des Flugzeugs ist das BMW-Werk in Shenyang.

Rund 70 Prozent der Passagiere sind Chinesen (in der Business Class selbst ist der Anteil deutlich niedriger), von denen wiederum die überwältigende Mehrheit den Lufthansa-Flug für eine Urlaubsreise nach Europa nutzt; Frankreich, Italien und die Schweiz sind gegenwärtig die begehrtesten Ziele.

Europäische Urlauber sind dagegen nach wie vor eher seltene Gäste an Bord. Das ist nicht verwunderlich. „China ist sehr groß, wer aus Europa oder Amerika hierher kommt, besucht Beijing, Schanghai oder vielleicht Xian“, weiß Lufthansa-Manager Charles So. Qingdao mit seiner Kolonialvergangenheit und viele andere durchaus interessante Städte und Regionen haben dabei das Nachsehen beziehungsweise stehen erst beim zweiten oder dritten China-Besuch auf dem Programm. Bei den Chinesen jedoch ist die Acht-Millionen-Einwohner-Stadt vor allem als Badeziel beliebt, zumal es beispielsweise für die Hauptstädter deutlich schneller zu erreichen ist als die Inseln Hainan ganz im Süden der Volksrepublik.

Den noch wenigen ausländischen Besuchern macht es der Flughafen im Übrigen auch nicht leicht: Zwar gibt es Informationsschalter in ausreichender Zahl, aber nur wenige Mitarbeiter sind des Englischen mächtig. Und die Hinweise auf die – prinzipiell gute – Bus-Anbindung Richtung Innenstadt helfen nur demjenigen, der chinesische Schriftzeichen zu deuten versteht.

Qingdao Vorfeldroller

Die zahlreichen Vorfeld-Roller mögen etwas skurril anmuten, sie sind aber vor allem praktisch. Bild: Dietmar Plath

 

Zwar ist das Terminal grundsätzlich durchaus geräumig und einen Großteil des Tages nicht wirklich überfüllt, aber zu den Verkehrsspitzen kann es dann doch eng werden. Weil auf dem Gelände selbst nur wenig Platz zur Verfügung steht und die dichte Bebauung in unmittelbarer Umgebung eine Erweiterung oder gar die Errichtung einer zweiten Start- und Landebahn unmöglich macht, wurde Ende 2013 der Bau eines ganz neuen Flughafens rund 40 Kilometer nordwestlich der Stadt beschlossen. Der Qingdao Jiaodong International Airport wird verkehrstechnisch günstig in unmittelbarer Nähe mehrerer Autobahnen und wichtiger Eisenbahnstrecken liegen und somit viel besser als der bisherige Flughafen als Einfallstor für die ganze Provinz Shandong dienen können.

Voraussichtlich mehr als 30 Milliarden Yuan (rund 4,5 Milliarden Euro) werden in den Bau zweier mehr als zwei Kilometer auseinander liegenden und damit parallel zu betreibenden Start- und Landebahnen mit 3600 beziehungsweise 3200 Metern Länge sowie eines Terminals mit einer Fläche von 450.000 Quadratmetern fließen. Den Auftrag für den Entwurf des Abfertigungsgebäudes haben das britische Unternehmen Atkins und das China Southwest Architectural Design and Research Institute (CSWADI) gewonnen.

Qingdao neuer Airport

Wenn Ende dieses Jahrzehnts der neue Flughafen seine Tore öffnet, wird der heutige, näher an der Stadt gelegene Qingdao Liuting International Airport geschlossen. Bild: Dietmar Plath

 

Zu einem späteren Zeitpunkt sollen auf dem rund 18 Quadratkilometer großen Gelände im Übrigen zwei weitere Bahnen sowie ein zweites Terminal folgen. Dem aktuellen Fünf-Jahres-Plan der chinesischen Luftfahrtbehörde CAAC zufolge wird der Flughafen im Jahr 2025 eine Kapazität von rund 35 Millionen Passagieren aufweisen und 104 stündliche Flugbewegungen abwickeln können. 2045 sollen dann bis 55 Millionen Reisende abgefertigt werden, bei bis zu 136 Starts und Landungen pro Stunde. Die Fertigstellung ist einigen Quellen zufolge bereits für 2017 geplant, was allerdings selbst bei dem anerkannt hohen Tempo der Flughafenbauer in China unrealistisch erscheint; eine Inbetriebnahme kurz vor Ende des Jahrzehnts ist deutlich wahrscheinlicher.

Der Neubau allein wird allerdings das Problem der Verspätungen, mit denen Flüge in Qingdao immer wieder zu kämpfen haben, nicht lösen. Ursächlich hierfür ist unter anderem der Umstand, dass für Inlandsverbindungen oftmals dieselben Luftstraßen benutzt werden müssen wie für internationale Flüge. Eine größere Flexibilität auf Seiten der chinesischen Luftverkehrskontrolle wird deshalb von allen Beteiligten seit vielen Jahren herbeigesehnt. Der gegenwärtige Zustand gilt jedenfalls als größtes Hindernis für ein weiteres starkes Wachstum des Luftverkehrs von und nach beziehungsweise in China – und damit auch in Qingdao.

Achim Figgen

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