«Wir haben viel Erfahrung damit, was man gegen Terrorismus tut»
29.06.2016 Der Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv gilt als Vorbild in Sicherheitsfragen. Hier mischen sich Wachmänner unerkannt unter die Passagiere, sagt der Ex-Sicherheitschef. Das Sicherheitsmaßnahmen sind viel schärfer als in Europa. Tel Aviv (dpa) – Der Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv gilt als einer der sichersten Flughäfen weltweit. Nach einem Anschlag mit 26 Toten im Jahr 1972 […]
29.06.2016
Der Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv gilt als Vorbild in Sicherheitsfragen. Hier mischen sich Wachmänner unerkannt unter die Passagiere, sagt der Ex-Sicherheitschef. Das Sicherheitsmaßnahmen sind viel schärfer als in Europa.
Tel Aviv (dpa) – Der Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv gilt als einer der sichersten Flughäfen weltweit. Nach einem Anschlag mit 26 Toten im Jahr 1972 baute Israel die Sicherheitsmaßnahmen aus. Der Ex-Sicherheitschef des Flughafens, Pini Schiff, plädiert für frühzeitige Kontrollen der Passagiere – ganz anders als in Ländern wie Deutschland praktiziert.
Was ist der Unterschied zwischen dem Atatürk- und dem Ben-Gurion-Flughafen?
Natürlich muss man die Leute vor dem Gebäude überprüfen, damit man die Möglichkeit hat, einzelne Personen am Eintritt zu hindern. In der Türkei entstehen bei den Sicherheitskontrollen am Eingang aber lange Schlangen. Wir achten darauf, dass sich bei uns keine solchen Schlangen bilden. Das Problem jedes internationalen Flughafens sind Menschenansammlungen. Deswegen braucht es ein System, damit das Sicherheitspersonal Verdächtige entdecken und schnell reagieren kann. Unser System ermöglicht uns, jemanden, der schießt, sofort auszuschalten.
Wie ist das System aufgebaut?
Wir arbeiten mit Sicherheitskreisen: Wir kontrollieren jedes Fahrzeug, das in das Gebiet um den Flughafen herum fährt. Der nächste Kreis ist der Eingang zum Flughafen, wo die Leute ebenfalls überprüft werden. Anschließend mischt sich Sicherheitspersonal unter die Passagiere – allerdings unerkannt. Man kann am Check-in stehen, und die Person neben einem ist ein Sicherheitswachmann, ohne dass man es weiß. Bei uns sieht man keine Soldaten mit Maschinengewehren im Flughafen. Am Ende kommt noch der Sicherheitscheck der Personen und des Handgepäcks.
Woher stammt das Personal?
Wir haben Sicherheitsoffiziere, die aus den Elite-Kampfeinheiten der israelischen Armee stammen. Wir trainieren sie zudem an einer speziellen Akademie bis zu weitere sechs Monate dafür, wie sie im Fall eines Terroraktes reagieren müssen. Wir haben viel Erfahrung damit, was man gegen Terrorismus tun muss im Vergleich zu anderen Nationen.
Was können andere Flughäfen in Sicherheitsfragen von Israel lernen?
Die israelische Philosophie lautet, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich der Passagier nicht wie in einem Militärcamp fühlt. Aber wir in Israel können auch Verfahren durchführen, die größere Flughäfen nicht machen können. Am Ben Gurion gibt es im Jahr 16 Millionen Passagiere. In anderen Flughäfen sind es mehr als 60 Millionen.
Interview: Stefanie Järkel, dpa