Seit fast zwei Jahren versucht Mexikos Regierung, ihr Präsidentenflugzeug zu verkaufen – stattdessen gab es nun eine symbolische Verlosung. Kinder zogen am Dienstag (Ortszeit), dem Vorabend des mexikanischen Unabhängigkeitstages, aus goldfarbenen Trommeln über Stunden Kugeln mit insgesamt 100 Losnummern, wie live im Fernsehen zu sehen war. Jeder der 100 Gewinner soll 20 Millionen Peso (rund 800 000 Euro) bekommen. Auf den seit März verkauften Losen war der Flieger abgebildet, viel mehr verband die Lotterie letztlich nicht mit ihrem Ursprung.

Der mexikanische Staats- und Regierungschef Andrés Manuel López Obrador hatte das Präsidentenflugzeug gleich nach seinem Amtsantritt im Dezember 2018 verkaufen wollen. Für den Linkspopulisten, der eine strenge Sparpolitik fährt, steht die luxuriöse Boeing 787 im krassen Gegensatz zur Armut, die in Mexiko herrscht. Der Flieger war zu einem Preis von rund 219 Millionen Dollar (etwa 185 Millionen Euro) für seinen Vorgänger, Enrique Peña Nieto, angeschafft worden. López Obrador nutzt Linienflüge, reist auch fast nie ins Ausland.

Als sich keine Interessenten fanden, dachte der 66-Jährige im Februar öffentlich über eine Versteigerung des Fliegers nach. Das brachte ihm allerdings viel Spott ein, und er rückte wieder davon ab. Stattdessen rief er die symbolische Lotterie ins Leben. Die nach Ausschüttung der Preise übrig gebliebenen Einnahmen sollten für die teure Instandhaltung des Flugzeugs sowie für medizinische Ausrüstung ausgegeben werden.

Allerdings wurden bis zum Vortag der Ziehung nur rund 70 Prozent der Lose verkauft, womit gerade einmal etwas mehr als der Gegenwert der Preise eingenommen wurde. Dabei hatten mexikanische Unternehmer im Februar zugesagt, insgesamt etwa die Hälfte der Lose zu kaufen.

Der Preis eines Loses von 500 Peso (rund 20 Euro) dürfte für viele Mexikaner zu hoch gewesen sein. Die Corona-Pandemie hat das nordamerikanische Land hart getroffen. Viele verloren wegen der Anti-Corona-Maßnahmen ihre Arbeit, ohne mit staatlicher Unterstützung rechnen zu können. Einen Käufer für das Präsidentenflugzeug gibt es immer noch nicht.

dpa nk xx n1 cha